Risk Engineering

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM)

Von Experten geprüft Aktualisiert: 2026-09-02 Fachlich geprüft: 2026-09-04 (Guido Hesse, Hesse Group Holding AG) Version 0.1.0

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) ist die systematische Steuerung betrieblicher Strukturen und Prozesse mit dem Ziel, Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden zu erhalten; es integriert Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, Absenzenmanagement und betriebliche Gesundheitsförderung nach den Grundsätzen der Luxemburger Deklaration und wird in der Schweiz mit dem Label «Friendly Work Space» zertifiziert.

Vorgehen

BGM ordnet Gesundheit als Führungs- und Managementaufgabe in Strategie, Strukturen und Prozesse des Unternehmens ein. Es ruht auf drei Säulen: dem gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitsschutz (in der Schweiz Arbeitsgesetz und UVG mit den EKAS-Richtlinien, in Deutschland Arbeitsschutzgesetz), dem Absenzen- und Eingliederungsmanagement sowie der freiwilligen betrieblichen Gesundheitsförderung. Vorgehen und Qualitätskriterien folgen der Luxemburger Deklaration des ENWHP: Analyse der Ausgangslage mit Kennzahlen, Mitarbeitendenbefragungen und Gefährdungsbeurteilung einschliesslich psychosozialer Risiken; Zielsetzung und Planung; Umsetzung verhaltens- und verhältnisorientierter Massnahmen von Ergonomie und Arbeitsorganisation bis Führungsentwicklung und Bewegungsangeboten; Evaluation und kontinuierliche Verbesserung. Gesundheitsförderung Schweiz – die nach Art. 19 KVG von Versicherern und Kantonen getragene Stiftung – bietet mit dem Label Friendly Work Space ein Assessment nach sechs Kriterien und die Zertifizierung systematisch umgesetzter BGM-Systeme an; die WHO stellt mit dem Healthy-Workplace-Modell einen international anerkannten Rahmen bereit.

Erfolgsfaktoren

Entscheidend sind das sichtbare Commitment der Geschäftsleitung, die Verankerung in der Linie statt in einem isolierten Projekt, die Partizipation der Mitarbeitenden und der Fokus auf Verhältnisse statt nur auf individuelles Verhalten. Psychische Gesundheit, Führungsqualität und Arbeitsbelastung sind heute die wichtigsten Handlungsfelder, weil psychische Erkrankungen die längsten Absenzen und den grössten Anteil an IV-Neurenten verursachen. In Deutschland verpflichtet § 20b SGB V die Krankenkassen zur Unterstützung der betrieblichen Gesundheitsförderung, unter anderem über regionale BGF-Koordinierungsstellen; Arbeitgeberleistungen sind bis zu EUR 600 pro Jahr steuerfrei. Österreich fördert BGF über das Netzwerk BGF und das Gütesiegel des Fonds Gesundes Österreich.

Versicherungsrelevanz

Ein wirksames BGM senkt Häufigkeit und Dauer von Absenzen und damit den Schadensatz der Krankentaggeld- und UVG-Zusatzversicherung, der bei der Erneuerung kollektiver Verträge prämienbestimmend ist. Viele Personenversicherer honorieren BGM-Systeme mit Präventionsbeiträgen, Beratungsleistungen oder Prämienanreizen und nutzen die Zertifizierung als Underwriting-Indikator. Für Broker ist BGM deshalb Bestandteil einer ganzheitlichen Employee-Benefits-Strategie: Es reduziert die versicherten und die deutlich höheren nicht versicherten Ausfallkosten und stärkt die Arbeitgeberattraktivität.

Gesetzliche Grundlage

  • DE: Fünftes Buch Sozialgesetzbuch (SGB V) – § 20b Betriebliche Gesundheitsförderung