Windkraftanlage
Risikoprofil für eine Windkraftanlage (Windturbine oder Windpark an Land): die im Underwriting typischerweise erfassten Risikomerkmale und die daraus resultierende Versicherungsprogrammarchitektur.
Risikobild
Eine Windkraftanlage konzentriert eine hohe Versicherungssumme auf wenige mechanisch komplexe Turbinen, die rotierende Maschinenteile, ein Getriebe und einen Generator sowie Rotorblätter vereinen, welche in grosser Höhe Wind, Blitzschlag und Vereisung ausgesetzt sind. Typische Schadentreiber sind Blitzschlagschäden an Rotorblättern und Steuerelektronik, Getriebe- und Generatorschäden durch Materialermüdung oder Schmierungsausfall, Rotorblatt- oder Maschinenhausbrände sowie Sturmlasten jenseits der Auslegungsgrenzen. Da Hauptkomponenten wie Getriebe, Generator und Rotorblätter lange Fertigungsvorlaufzeiten haben und häufig von wenigen spezialisierten Lieferanten bezogen werden, kann bereits ein einzelner Maschinenschaden eine unverhältnismässig lange und kostenintensive Betriebsunterbrechung auslösen.
Zu erfassende Risikomerkmale
Die nachfolgende Übersicht wird aus den mit diesem Profil verknüpften Risikomerkmalen generiert und nach Kategorie gruppiert; Details zu Underwriting-Logik, Nachweisen und Massnahmen finden sich auf den jeweiligen Merkmalsseiten.
Deckungsarchitektur
Die Sach-Allgefahrenversicherung deckt Turbine, Turm, Fundament und Umspannwerk gegen Sachschäden, ergänzt durch eine Betriebshaftpflichtversicherung für Personen- oder Sachschäden Dritter, etwa durch Rotorblattbruch oder Eisabwurf. Die Unfallversicherung der Arbeitnehmenden ist in der Schweiz obligatorisch (UVG), sobald Betriebs- und Wartungspersonal beschäftigt wird. Die Betriebsunterbrechungsversicherung, abgestimmt auf dieselben Gefahren und die gleiche Haftzeit wie der Sachteil, deckt entgangene Einspeiseerträge während Reparatur und Ersatzbeschaffung, was angesichts langer Lieferzeiten für Turbinenkomponenten weit über übliche Haftzeiten hinausgehen kann; die Maschinenversicherung ist als optionale Erweiterung für Getriebe, Generator und weitere rotierende Anlagenteile relevant, sofern mechanische oder elektrische Ausfälle nicht anderweitig gedeckt sind.
Prävention
Präventionsschwerpunkte sind eine nach Herstellervorgabe ausgelegte Blitzschutzanlage, ein Zustandsüberwachungs- und Wartungsprogramm mit Getriebeölanalyse und Vibrationsmessung, eine dokumentierte Strategie für kritische Ersatzteile (Getriebe, Generator, Hauptlager) angesichts langer Wiederbeschaffungszeiten sowie ein Business-Continuity-Plan, der Zugangsbeschränkungen an entlegenen oder schwer erreichbaren Standorten berücksichtigt.
- Art
- Objekt
Zu erfassende Risikomerkmale
Standort
- Erschliessung und Zufahrt — Erschliessung und Zufahrt beschreibt die Strassen-, Tor- und Erschliessungsverhältnisse, die Einsatzfahrzeugen und Personal das Erreichen und Befahren eines Standorts ermöglichen, und wird in Sach- und Bauversicherungsanträgen zur Beurteilung der Einsatzfähigkeit abgefragt.
Betrieb
- Alter des Maschinenparks — Das Alter des Maschinenparks erfasst das durchschnittliche oder maximale Alter der Produktions- und Verarbeitungsanlagen an einem Versicherungsort, da alternde Maschinen ein höheres Ausfallrisiko und damit ein grösseres Betriebsunterbrechungsrisiko bergen.
- Wartungsprogramm — Das Wartungsprogramm erfasst, ob ein Versicherter ein dokumentiertes, planmässiges vorbeugendes Instandhaltungssystem für seine Maschinen und Anlagen betreibt statt rein reaktiver Reparatur, was ein zentraler Prädiktor für die Ausfallhäufigkeit ist.
- Stillstands- und Anfahrhäufigkeit — Die Stillstands- und Anfahrhäufigkeit erfasst, wie oft Produktionsanlagen gezielt ausser Betrieb genommen und wieder angefahren werden, da diese Übergangszustände im Vergleich zum Dauerbetrieb einen überproportional hohen Anteil an Maschinenausfall- und Brandschäden verursachen.
Betriebsunterbrechung/Lieferkette
- Lagerbestand kritischer Ersatzteile — Der Lagerbestand kritischer Ersatzteile erfasst, in welchem Umfang Komponenten mit langen Wiederbeschaffungszeiten für Engpassanlagen bevorratet, vertraglich reserviert oder anderweitig abgesichert sind – eine in Maschinen- und Betriebsunterbrechungsanträgen abgefragte Angabe.
- Single-Source-Lieferanten — Single-Source-Lieferanten erfasst, ob der Versicherungsnehmer einen kritischen Rohstoff, eine Komponente oder eine Dienstleistung nur von einem einzigen Lieferanten oder Produktionsstandort bezieht, ohne kurzfristig verfügbare qualifizierte Alternative – eine in Rückwirkungsschaden-Anträgen abgefragte Angabe.
- Wiederanlaufzeit — Die Wiederanlaufzeit (Recovery Time Objective, RTO) erfasst die angestrebte maximale Zeitspanne, innerhalb der ein kritischer Prozess, ein System oder ein Standort nach einer Störung wiederhergestellt sein muss, wie im Business-Continuity-Plan des Versicherungsnehmers festgelegt und in Betriebsunterbrechungsanträgen abgefragt.