Risikomerkmal

Wartungsprogramm

Von Experten geprüft Aktualisiert: 2026-09-03 Fachlich geprüft: 2026-09-04 (Guido Hesse, Hesse Group Holding AG) Version 0.1.0

Das Wartungsprogramm erfasst, ob ein Versicherter ein dokumentiertes, planmässiges vorbeugendes Instandhaltungssystem für seine Maschinen und Anlagen betreibt statt rein reaktiver Reparatur, was ein zentraler Prädiktor für die Ausfallhäufigkeit ist.

Kategorie
Betrieb
Datentyp
Ja/Nein
Risikotreiber
Schadenhäufigkeit, Schadenhöhe
Wirkung auf Underwriting
Prämie, Selbstbehalt, Auflage/Obliegenheit

Typische Antragsfragen

  • Betreibt der Versicherte ein dokumentiertes, planmässiges vorbeugendes Wartungsprogramm für seine kritischen Maschinen?
  • Basieren die Wartungsintervalle auf Herstellerempfehlungen, Zustandsüberwachungsdaten oder einem festen Kalenderplan?
  • Wird die Wartung durch eigenes Personal, den Originalhersteller oder externe Dienstleister durchgeführt, und werden Aufzeichnungen aufbewahrt?

Nachweise

  • Wartungsplan und Wartungsprotokoll
  • Auszug aus dem computergestützten Instandhaltungssystem (CMMS)
  • Servicevertrag mit dem Hersteller

Warum relevant für das Underwriting

Ob ein Versicherter ein planmässiges, vorbeugendes Wartungsprogramm betreibt statt Maschinen erst nach einem Ausfall zu reparieren, ist eines der klarsten Verhaltenssignale für die gesamte Risikokultur und beeinflusst die Ausfallhäufigkeit unmittelbar. Ein dokumentiertes Programm erkennt Verschleiss, Korrosion und Fehlausrichtung, bevor sie einen Ausfall verursachen, während reine Reparatur-nach-Ausfall die Schäden auf unvorhersehbare Zeitpunkte konzentriert und tendenziell schwerere Folgeschäden verursacht, da ein sich verschlechterndes Bauteil oft bis zum vollständigen Versagen weiterläuft, statt vorsorglich ersetzt zu werden. Underwriter werten das Vorhandensein eines echten planmässigen Programms als starken risikomindernden Faktor sowohl für Maschinenausfall als auch für Betriebsunterbrechung.

Erfassung und Nachweise

Antragsformulare stellen eine einfache Ja/Nein-Frage zum Vorhandensein eines dokumentierten, planmässigen Wartungsprogramms, gefolgt von vertiefenden Fragen dazu, ob die Intervalle auf Herstellerempfehlungen, Zustandsdaten oder einem festen Kalenderplan basieren und wer die Arbeiten ausführt. Underwriter belegen die deklarierte Antwort mit dem Wartungsplan und -protokoll, einem Auszug aus einem computergestützten Instandhaltungssystem (CMMS), sofern eingesetzt, sowie allfälligen Servicevereinbarungen mit dem Originalhersteller oder externen Wartungsdienstleistern.

Wirkung auf Deckung, Prämie und Bedingungen

Ein glaubwürdiges, belegtes Wartungsprogramm unterstützt günstigere Prämiensätze in der Maschinen- und Betriebsunterbrechungsversicherung und kann tiefere Selbstbehalte rechtfertigen. Das Fehlen eines formalen Programms, oder ein Programm, das nur auf dem Papier existiert und nicht durch Protokolle belegt ist, führt häufig zu Prämienzuschlägen, höheren Selbstbehalten bei Ausfallschäden oder zur Aufnahme einer Wartungsobliegenheit als Bedingung für den Deckungsumfang.

Massnahmen

Versicherten ohne ausgereiftes Programm wird üblicherweise empfohlen, einen dokumentierten Wartungsplan gemäss Herstellerempfehlungen einzuführen, ein CMMS zur Nachverfolgung von Durchführung und Historie einzusetzen und für kritische Maschinen schrittweise von rein kalendergestützter zu zustandsbasierter Wartung zu wechseln, um sich entwickelnde Mängel frühzeitiger zu erkennen.

Normen und Regelwerke

  • IEC/ISO 31010:2019 – Risk assessment techniques