Lieferketten-Risikobewertung (Supply Chain Risk Engineering)
Die Lieferketten-Risikobewertung identifiziert kritische Lieferanten und Abnehmer eines Betriebs und quantifiziert das daraus resultierende Rückwirkungsschaden-Potenzial als Grundlage für Limiten, Diversifizierung und Kontinuitätsmassnahmen.
Problemstellung
Globalisierte, stark segmentierte Wertschöpfungsketten und Single-Source-Beschaffung erhöhen die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten oder Standorten. Ein kritischer Lieferant im Sinne der Risikobewertung ist nicht zwingend derjenige mit dem höchsten Einkaufsvolumen, sondern derjenige, dessen Ausfall den grössten Ertragsausfall im eigenen Betrieb auslöst.
Vorgehen
Die Bewertung kartiert Lieferanten und Abnehmer nach Substituierbarkeit, Wiederbeschaffungszeit und Anteil an der eigenen Produktion, ermittelt je kritischem Partner die maximale Ausfalldauer bei einem Totalschaden und leitet daraus das erforderliche Rückwirkungsschaden-Limit ab. Ergänzend werden Mehrfachlieferanten, Lagerpuffer und alternative Bezugsquellen als Minderungsmassnahmen geprüft.
Versicherungsrelevanz
Die Ergebnisse bestimmen die Limitenstruktur der Rückwirkungsschadendeckung (Contingent Business Interruption) sowie die Unterscheidung zwischen benannten und unbenannten Lieferanten in der Police. Unzureichend kartierte Lieferketten zählen zu den häufigsten Ursachen unterversicherter Betriebsunterbrechungsschäden.
Normen und Regelwerke
- ISO 28000:2022 – Security and resilience — Security management systems — Requirements