Begriff

Moratorium Underwriting

Von Experten geprüft Aktualisiert: 2026-09-02 Fachlich geprüft: 2026-09-04 (Guido Hesse, Hesse Group Holding AG) Version 0.1.0

Moratorium Underwriting ist ein Risikoprüfungsverfahren der internationalen Krankenversicherung ohne Gesundheitsfragebogen: Vorerkrankungen aus einem Rückblickzeitraum vor Vertragsbeginn (typischerweise fünf Jahre) sind zunächst automatisch ausgeschlossen und werden erst versichert, wenn die Person eine Stabilitätsperiode (meist 24 Monate) ohne Symptome, Behandlung, Medikation oder ärztlichen Rat überstanden hat; die Prüfung erfolgt erst im Leistungsfall.

Funktion

Das Moratorium verlagert die Risikoprüfung vom Antrag in den Leistungsfall. Statt einen Gesundheitsfragebogen zu prüfen, vereinbart der Versicherer eine Regel: Jede Erkrankung, für die im Rückblickzeitraum vor Vertragsbeginn Symptome bestanden oder ärztlicher Rat, Behandlung oder Medikamente in Anspruch genommen wurden, gilt als vorbestehend und ist ausgeschlossen. Marktüblich beträgt der Rückblick fünf Jahre; einzelne Anbieter arbeiten mit kürzeren Fristen von beispielsweise 24 Monaten. Der Ausschluss fällt weg, wenn die versicherte Person nach Vertragsbeginn eine zusammenhängende Stabilitätsperiode – in der Regel 24 Monate – ohne Symptome, Behandlung, Medikation oder Konsultation wegen dieser Erkrankung durchläuft. AXA Global Healthcare formuliert die Bedingung als zwei Jahre Mitgliedschaft in Verbindung mit zwei beschwerdefreien Jahren. Tritt zwischenzeitlich erneut ein Bezug zur Erkrankung auf, beginnt die Frist neu («rolling moratorium»).

Abgrenzung

Gegenüber dem Full Medical Underwriting ist der Antrag schneller und diskreter, doch die versicherte Person trägt die Unsicherheit: Ob eine Behandlung gedeckt ist, entscheidet sich erst bei der Vorautorisierung oder Rechnungsprüfung anhand der dann eingeholten Krankenakten. Chronische Erkrankungen, die dauerhaft behandelt werden, erreichen die Stabilitätsperiode praktisch nie und bleiben damit faktisch ausgeschlossen. Vom Moratorium zu unterscheiden ist die allgemeine Wartezeit, die unabhängig von der Krankengeschichte für bestimmte Leistungen (etwa Mutterschaft) gilt.

Praxishinweis

Für gesunde Antragstellende ohne relevante Vorgeschichte ist das Moratorium meist die pragmatischere Wahl. Wer regelmässig Medikamente einnimmt oder Kontrolluntersuchungen wahrnimmt, sollte den Ausschluss realistisch einschätzen und FMU prüfen. Bei einem späteren Anbieterwechsel ist zu klären, ob der neue Versicherer die bereits absolvierte Stabilitätsperiode anerkennt oder das Moratorium neu zu laufen beginnt.