Travel Risk Management (ISO 31030)
Travel Risk Management ist der systematische Prozess, mit dem eine Organisation die Gesundheits-, Sicherheits- und Reiserisiken ihrer Mitarbeitenden identifiziert, bewertet und behandelt; ISO 31030:2021 gibt dafür als nicht zertifizierbarer Leitfaden die Elemente Reiserichtlinie, Risikobewertung, Behandlungshierarchie, Traveller Tracking, Briefings und Krisenmanagement vor.
Vorgehen
ISO 31030:2021 überträgt den Risikomanagementprozess der ISO 31000 auf Geschäftsreisen. Der Leitfaden richtet sich an Organisationen jeder Grösse, ist als Guidance-Standard formuliert und sieht keine Zertifizierung vor; er dient als Referenz für die Ausgestaltung eines Travel-Risk-Management-Programms. Ausgangspunkt ist eine von der Leitung verabschiedete Reiserichtlinie mit Rollen, Verantwortlichkeiten und Freigabeprozessen. Darauf folgt die Risikobewertung je Reise oder Reiseprofil: Zielland, Gesundheitsversorgung, Sicherheitslage, Verkehrsmittel, Unterkunft, Tätigkeit vor Ort und persönliche Faktoren der Reisenden. Die Behandlung folgt einer Hierarchie – Vermeidung (Reiseverzicht, virtuelle Alternativen), Reduktion (Routenwahl, Sicherheitsbriefings, Impfungen, geprüfte Unterkünfte), Transfer (Versicherung, Assistance-Verträge) und bewusste Akzeptanz des Restrisikos. Operative Elemente sind Pre-Travel-Briefings, Traveller Tracking mit Erreichbarkeit, Kommunikationswege, Krisen- und Notfallmanagement sowie Nachbereitung und Überprüfung des Programms.
Erfolgsfaktoren
Wirksam ist Travel Risk Management nur, wenn Reisebuchung, Freigabe und Tracking in einem Prozess verbunden sind, Hochrisikoreisen eine dokumentierte Einzelfreigabe benötigen und Reisende die Regeln kennen. Die Verantwortung liegt bei der Linie, nicht bei Travel Management oder Versicherung allein. Regelmässige Übungen der Krisenorganisation und die Auswertung von Vorfällen halten das Programm aktuell.
Versicherungsrelevanz
Für Underwriter der Geschäftsreiseversicherung ist ein an ISO 31030 orientiertes Programm ein Qualitätsmerkmal: Es reduziert Frequenz und Schwere von Evakuierungen und Heilungskostenfällen, verbessert die Datenlage zur Reiseexposition und ist Voraussetzung für Zusatzdeckungen in Krisengebieten, die Wordings wie jenes der ERV nur nach Risikoprüfung gewähren. Zugleich belegt es die Erfüllung der arbeitgeberseitigen Fürsorgepflicht.
Normen und Regelwerke
- ISO 31030:2021 – Travel risk management: Guidance for organizations