Sicherheitsevakuierung (Security / Political Evacuation)
Die Sicherheitsevakuierung ist die in der Geschäftsreiseversicherung organisierte und bezahlte Verbringung einer versicherten Person an den nächsten sicheren Ort oder ins Wohnsitzland, wenn politische Unruhen, Krieg, Terror, Naturkatastrophen, Ausweisung oder eine behördliche Ausreiseempfehlung den Verbleib im Gastland unzumutbar machen – im Unterschied zur medizinisch indizierten Evakuierung.
Funktion
Die Sicherheitsevakuierung deckt Kosten und Organisation, wenn Reisende ein Land nicht aus gesundheitlichen, sondern aus sicherheitsbezogenen Gründen verlassen müssen. Typische Auslöser sind Krieg, Bürgerkrieg, Aufstand, Unruhen, Terroranschläge, Naturkatastrophen, die Ausweisung der versicherten Person oder die Erklärung zur Persona non grata sowie die formelle Empfehlung des Aussenministeriums des Wohnsitzlandes, das Land zu verlassen. Der Versicherer beziehungsweise sein Assistance-Provider organisiert den Transport zum nächsten sicheren Ort oder ins Wohnsitzland, einschliesslich Unterkunft für eine begrenzte Zeit und später die Rückreise an den Einsatzort. Die Leistung ist meist auf einen Betrag pro Person und ein Aggregat pro Ereignis begrenzt und setzt voraus, dass die Alarmzentrale vorgängig eingeschaltet wird.
Abgrenzung
Von der medizinischen Evakuierung und Rückführung unterscheidet sich die Sicherheitsevakuierung durch den Auslöser: Dort entscheidet ein Arzt über die medizinische Notwendigkeit, hier bewerten Sicherheitsanalysten und Behördenmeldungen die Lage. Viele Wordings knüpfen den Anspruch an objektive Kriterien wie eine offizielle Reisewarnung und schliessen Ereignisse aus, die bei Reiseantritt bereits bekannt waren. Reisen in als Krisengebiet eingestufte Länder sind nach dem ERV-Wording grundsätzlich ausgeschlossen und nur mit Zusatzdeckung nach Risikoprüfung versicherbar, wobei eine Leistungsgarantie vor Ort nicht gegeben werden kann. Entführung und Lösegeld (Kidnap & Ransom) sind ein eigener Baustein.
Praxishinweis
Die Deckung wirkt nur mit funktionierendem Traveller Tracking und klaren Meldewegen; bei Grosslagen sind Transportkapazitäten knapp, weshalb frühzeitige Entscheide nach dem Travel-Risk-Management-Prozess wichtiger sind als die Versicherungssumme.