Risikoprofil

Automatisiertes Hochregallager

Von Experten geprüft Aktualisiert: 2026-09-03 Fachlich geprüft: 2026-09-04 (Guido Hesse, Hesse Group Holding AG) Version 0.1.0

Risikoprofil für ein automatisiertes Hochregallager (Hochregalanlage mit Regalbediengeräten, Shuttle-Systemen oder automatisierten Lager- und Bereitstellungssystemen): die im Underwriting typischerweise erfassten Risikomerkmale und die daraus resultierende Versicherungsprogrammarchitektur.

Risikobild

Automatisierte Hochregallager verbinden eine extreme Brandlast durch die Lagerhöhe mit einem hohen Mechanisierungsgrad (Regalbediengeräte, Shuttles, Fördertechnik, automatisierte Lager- und Bereitstellungssysteme), der selbst eine erhebliche Kapitalinvestition und ein potenzieller Single Point of Failure ist. Brand ist der dominierende physische Schadentreiber: Regallagerung in der Höhe beschleunigt die Brandentwicklung und erschwert die manuelle Brandbekämpfung, weshalb ein auf die konkrete Regalgeometrie und das gelagerte Gut ausgelegter automatischer Brandschutz entscheidend ist, um einen Schaden in beherrschbaren Grenzen zu halten. Da der Durchsatz von einer kleinen Anzahl automatisierter Handling-Einheiten abhängt, kann ein Maschinenbruch an Regalbediengerät, Shuttle oder Steuerungssystem den gesamten Betrieb stilllegen, auch wenn Gebäude und Ware unbeschädigt bleiben – eine maschinenbruchbedingte Betriebsunterbrechung ist damit ebenso relevant wie Brand.

Zu erfassende Risikomerkmale

Die nachfolgende Übersicht wird aus den mit diesem Profil verknüpften Risikomerkmalen generiert und nach Kategorie gruppiert; Details zu Underwriting-Logik, Nachweisen und Massnahmen finden sich auf den jeweiligen Merkmalsseiten.

Deckungsarchitektur

Die Unfallversicherung der Arbeitnehmenden ist in der Schweiz obligatorisch (UVG), sobald Personal beschäftigt wird, und die Betriebs-/Lagerhalterhaftpflicht deckt Ansprüche Dritter sowie die Obhutshaftung. Den Kern des betrieblichen Programms bilden die Sach-Allgefahrenversicherung (Gebäude, Regalanlagen und Automatisierungstechnik), eine dedizierte Lagerversicherung für die eingelagerte Ware sowie eine auf die tatsächliche Wiederanlaufzeit des Betriebs abgestimmte Betriebsunterbrechungsversicherung, die bei einem hochautomatisierten Einlinienbetrieb wesentlich länger ausfallen kann als bei einem konventionell manuell betriebenen Lager. Eine Rückwirkungsschadendeckung (CBI) ist relevant, sofern der Standort einen Engpassknoten bildet, der Produktion oder Distribution an anderer Stelle der Gruppe oder Lieferkette versorgt.

Prävention

Präventionsschwerpunkte sind ein automatischer Brandschutz (in der Regel Regal- und Deckensprinkler oder alternative Löschtechnik), der auf Regalhöhe, Gangkonfiguration und gelagertes Gut ausgelegt ist, kombiniert mit früher und zuverlässiger Branderkennung sowie, sofern anwendbar, einem auf die Lagergeometrie dimensionierten Rauch- und Wärmeabzug. Eine dokumentierte Ersatzteilstrategie für kritische Engpassanlagen (Krane, Shuttles, Steuerungselektronik) und eine getestete Wiederanlaufzeit für das Automatisierungssystem reduzieren den Betriebsunterbrechungsanteil eines ansonsten begrenzten physischen Schadens erheblich.

Art
Objekt

Zu erfassende Risikomerkmale

Brandschutz

  • Sprinklerschutzumfang — Der Sprinklerschutzumfang erfasst, ob und nach welchem Auslegungsstandard ein Standort durch eine Sprinkleranlage geschützt ist – eine in Sachversicherungsanträgen regelmässig abgefragte Angabe.
  • Brandmeldeanlage — Die Brandmeldeanlage erfasst, ob und in welchem Umfang und nach welchem Auslegungsstandard ein Standort mit automatischer Branddetektion ausgestattet ist – eine in Sachversicherungsanträgen regelmässig abgefragte Angabe.
  • Rauch- und Wärmeabzug — Der Rauch- und Wärmeabzug erfasst, ob und in welchem Umfang ein Gebäude mit einer natürlichen oder maschinellen Rauch- und Wärmeabzugsanlage (RWA) ausgestattet ist – eine in Sachversicherungsanträgen regelmässig abgefragte Angabe.

Gebäude

  • Dachkonstruktion und -eindeckung — Die Dachkonstruktion und -eindeckung erfasst den konstruktiven Aufbau und die Abdichtungsmaterialien eines Dachs und wird in Sachversicherungsanträgen abgefragt, weil Dächer häufig Ursache für Brandausbreitung, Schneelastversagen und Witterungsschäden sind.
  • Bauartklasse — Die Bauartklasse ordnet ein Gebäude nach der Brennbarkeit und dem Feuerwiderstand seiner tragenden Baustoffe ein und wird in Sachversicherungsanträgen abgefragt, um das Brandschadenpotenzial und die Grundprämie zu bestimmen.

Betriebsunterbrechung/Lieferkette

  • Engpassanlagen — Engpassanlagen bezeichnet diejenigen Einheiten in einem Produktionsprozess, die keine Redundanz aufweisen und deren Ausfall oder Zerstörung die gesamte Produktion stoppen oder erheblich einschränken würde – eine in Sach- und Maschinenversicherungsanträgen abgefragte Angabe.
  • Lagerbestand kritischer Ersatzteile — Der Lagerbestand kritischer Ersatzteile erfasst, in welchem Umfang Komponenten mit langen Wiederbeschaffungszeiten für Engpassanlagen bevorratet, vertraglich reserviert oder anderweitig abgesichert sind – eine in Maschinen- und Betriebsunterbrechungsanträgen abgefragte Angabe.
  • Wiederanlaufzeit — Die Wiederanlaufzeit (Recovery Time Objective, RTO) erfasst die angestrebte maximale Zeitspanne, innerhalb der ein kritischer Prozess, ein System oder ein Standort nach einer Störung wiederhergestellt sein muss, wie im Business-Continuity-Plan des Versicherungsnehmers festgelegt und in Betriebsunterbrechungsanträgen abgefragt.

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