Risikomerkmal

Dachkonstruktion und -eindeckung

Von Experten geprüft Aktualisiert: 2026-09-03 Fachlich geprüft: 2026-09-04 (Guido Hesse, Hesse Group Holding AG) Version 0.1.0

Die Dachkonstruktion und -eindeckung erfasst den konstruktiven Aufbau und die Abdichtungsmaterialien eines Dachs und wird in Sachversicherungsanträgen abgefragt, weil Dächer häufig Ursache für Brandausbreitung, Schneelastversagen und Witterungsschäden sind.

Kategorie
Gebäude
Datentyp
Text
Risikotreiber
Schadenhöhe, Schadenhäufigkeit
Wirkung auf Underwriting
Prämie, Auflage/Obliegenheit, Ausschluss

Typische Antragsfragen

  • Wie ist der konstruktive Aufbau des Dachs (Deckenmaterial, Dämmung und Einsatz von Sandwichpaneelen)?
  • Welche Abdichtung (z.B. Bitumenbahn, PVC, Blecheindeckung, Gründach) kommt zum Einsatz und welche Brandklassifizierung hat sie?
  • Wurde das Dach für die massgebende Schneelast bemessen bzw. verstärkt, und wann wurde es zuletzt kontrolliert?

Nachweise

  • Dachkonstruktionsspezifikation oder -pläne
  • Brandklassifizierungszertifikat für Dacheindeckung und Dämmung
  • Risk-Engineering-Begehungsbericht

Warum relevant für das Underwriting

Dächer vereinen mehrere unterschiedliche Gefahren in einem einzigen Bauteil: Heissarbeiten oder Elektrofehler bei Dacharbeiten sind eine häufige Ursache grosser Brandschäden, brennbare Dämmstoffe oder Sandwichpaneele können aus einer kleinen Entzündung eine rasche horizontale Brandausbreitung über die gesamte Dachfläche machen, und eine unterdimensionierte Konstruktion kann unter angehäufter Schneelast einstürzen. Da Dachschäden nach Stürmen auch eine häufige Eintrittsstelle für Wassereintritt sind, behandeln Underwriter Konstruktion und Eindeckung des Dachs als eigenständiges Merkmal getrennt von der allgemeinen Bauartklasse, da zwei Gebäude derselben Klasse ein sehr unterschiedliches dachbezogenes Schadenpotenzial aufweisen können.

Erfassung und Nachweise

Antragsformulare fragen nach dem Deckenmaterial, der Art der Dämmung, dem Einsatz von Sandwichpaneelen, der Abdichtung und deren Brandklassifizierung sowie danach, ob die Konstruktion auf die örtlich massgebende Schneelast bemessen wurde. Dachkonstruktionsspezifikationen, Brandklassifizierungszertifikate für Eindeckung und Dämmung sowie eine Risk-Engineering-Begehung – insbesondere bei grossen Flachdächern oder Gebäuden in Gebieten mit erheblicher Schneelast – dienen als wichtigste Nachweisquellen zur Bestätigung der Angaben.

Wirkung auf Deckung, Prämie und Bedingungen

Nichtbrennbare Dachdecken mit brandklassifizierten Eindeckungen und Dämmstoffen sowie auf die örtlichen Schneelastanforderungen geprüfte Konstruktionen unterstützen in der Regel Standardbedingungen. Brennbare Dämmstoffe, nicht klassifizierte Sandwichpaneele oder Dächer in Gebieten mit hoher Schneelast ohne nachgewiesene statische Eignung führen häufig zu Prämienzuschlägen, Auflagen zur Einschränkung von Heissarbeiten auf dem Dach, Sublimiten für witterungsbedingte Dachschäden oder Ausschlüssen, wenn die Schneelasttragfähigkeit nicht nachgewiesen werden kann.

Massnahmen

Ist das dachbezogene Risiko erhöht, empfehlen Versicherer und Risk Engineers üblicherweise den Ersatz brennbarer Dämmstoffe oder Sandwichpaneele durch brandklassifizierte Alternativen, die Einführung eines Heissarbeiten-Bewilligungssystems für Dacharbeiten, die Überprüfung der statischen Tragfähigkeit gegenüber aktuellen Schneelastwerten sowie regelmässige Dachkontrollen, insbesondere vor und nach dem Winter.