Risikomerkmal

Schadenhistorie Sach (5 Jahre)

Von Experten geprüft Aktualisiert: 2026-09-03 Fachlich geprüft: 2026-09-04 (Guido Hesse, Hesse Group Holding AG) Version 0.2.0

Die Schadenhistorie Sach (5 Jahre) erfasst Häufigkeit, Ursache und Kosten der vergangenen Sach- und Betriebsunterbrechungsschäden eines Standorts oder Portfolios und liefert damit die wichtigste empirische Grundlage für die Risikoeinstufung und Prämienkalkulation.

Kategorie
Historie
Datentyp
Liste
Risikotreiber
Schadenhöhe, Schadenhäufigkeit, Kumul
Wirkung auf Underwriting
Prämie, Selbstbehalt, Sublimite, Auflage/Obliegenheit

Typische Antragsfragen

  • Bitte listen Sie alle Sach- und Betriebsunterbrechungsschäden der letzten 5 Jahre auf, mit Datum, Ursache, Standort und bezahltem/offenem Betrag.
  • Gab es Schäden über CHF 50'000, und welche Massnahmen wurden danach umgesetzt?
  • Sind noch Schäden offen, strittig oder Gegenstand eines Rechtsverfahrens?

Nachweise

  • Schadenverlaufsbericht (Loss Run) des aktuellen oder früheren Versicherers
  • Schadenzusammenstellung von Risk Manager oder Broker
  • Risk-Engineering-Nachfassbericht zu umgesetzten Empfehlungen

Warum relevant für das Underwriting

Eine fünfjährige Sach-Schadenhistorie ist der direkteste empirische Nachweis dafür, wie sich ein Standort unter realen Betriebsbedingungen tatsächlich verhält, und ergänzt damit die zukunftsgerichteten Erkenntnisse einer Risk-Engineering-Begehung. Wiederkehrende Schäden mit derselben Ursache – etwa Wassereintritt, Maschinenbruch oder kleinere Brände – weisen häufig auf ein Instandhaltungs- oder Managementdefizit hin, das eine einmalige Besichtigung nicht zwingend aufdeckt. Underwriter nutzen Muster, Häufigkeit und Kostenentwicklung vergangener Schäden, um Annahmen zum Probable Maximum Loss (PML) zu überprüfen, den Betrieb mittels Burning-Cost-Analyse mit vergleichbaren Risiken zu benchmarken und zu beurteilen, ob deklarierte Exposition und Schutzstandard mit der tatsächlichen Erfahrung übereinstimmen.

Erfassung und Nachweise

Antrags- und Erneuerungsformulare fragen typischerweise eine zeilenweise Auflistung aller Sach- und Betriebsunterbrechungsschäden der letzten fünf Jahre ab, mit Datum, Ursache, Standort sowie bezahltem und offenem Betrag. Underwriter überprüfen die Angaben anhand eines formellen Loss-Run-Berichts des aktuellen oder früheren Versicherers, einer Schadenzusammenstellung von Broker oder Risk Manager sowie – bei bedeutenden Schäden – eines Risk-Engineering-Nachfassberichts, der bestätigt, welche Korrekturmassnahmen tatsächlich umgesetzt wurden. Offene, strittige oder noch reservierte Schäden erfordern besondere Aufmerksamkeit, da ihre endgültigen Kosten noch nicht feststehen.

Wirkung auf Deckung, Prämie und Bedingungen

Eine saubere oder sich verbessernde Schadenhistorie unterstützt bevorzugte Prämiensätze, weiter gefasste Naturgefahren- und Maschinenbruch-Sublimiten sowie eine stärkere Verhandlungsposition bei der Erneuerung. Eine ungünstige oder sich verschlechternde Erfahrung, insbesondere mehrere Schäden mit identischer, nicht behobener Ursache, führt üblicherweise zu Selbstbehaltserhöhungen, ursachenspezifischen Sublimiten oder Ausschlüssen, zusätzlichen Obliegenheiten oder – bei wiederholten schweren Schäden – zur Ablehnung der Erneuerung.

Massnahmen

Zeigt die Historie eine wiederkehrende Ursache, verlangen Versicherer und Risk Engineers üblicherweise den dokumentierten Abschluss noch offener Schadenverhütungsempfehlungen, gezielte Investitionen in das betroffene Gebäude oder den betroffenen Prozess sowie eine periodische Überwachung, ob die Korrekturmassnahmen dauerhaft wirksam bleiben.