Rückversicherung
Rückversicherung: 44 Fachbegriffe kurz erklärt – Definition, Synonyme und gesetzliche Grundlage.
Ablösung
Synonyme: Commutation, Settlement (Rückversicherung)
Die Ablösung ist die endgültige finanzielle Abwicklung eines Rückversicherungsvertrags, bei der der Erstversicherer gegen Ausgleich auf alle Rechte verzichtet und der Rückversicherer von allen Verpflichtungen entbunden wird.
Begriff
Bei der Ablösung verzichtet der Erstversicherer gegen einen entsprechenden Ausgleich auf alle Rechte aus einem Rückversicherungsvertrag; im Gegenzug wird der Rückversicherer von allen Verpflichtungen entbunden.
Formen
Die Transaktion kann darin bestehen, dass gegen Zahlung eines einmaligen Betrags alle Rechte und Verpflichtungen sofort aufgelöst werden (sogenannte Commutation), oder dass der Vertrag regelmässig unter Gewährung eines Abschlags auf die Forderungen weitergeführt und schrittweise abgewickelt wird (sogenanntes Settlement).
Bedeutung
Die Ablösung ermöglicht es beiden Parteien, langfristige Unsicherheiten aus schwer schätzbaren Spätschäden zu beenden, bilanzielle Klarheit zu schaffen und Kapital freizusetzen, das andernfalls für offene Rückstellungen gebunden wäre.
Abschlusskostenfinanzierung
Synonyme: Aufbaufinanzierung, Neugeschäftsfinanzierung
Abschlusskostenfinanzierung ist die Finanzierung der anfänglich hohen Abschlusskosten eines Erstversicherers durch speziell ausgestaltete Rückversicherungsverträge, etwa Aufbauquoten oder Finite Quota Share.
Begriff
Abschlusskostenfinanzierung bezeichnet im Rückversicherungsgeschäft die Finanzierung von Abschlusskosten durch speziell ausgestaltete traditionelle Rückversicherungsverträge, sogenannte Aufbauquoten, aber auch durch Konzepte der Finanzrückversicherung wie eine Finite Quota Share.
Hintergrund
Bei jungen und/oder stark wachsenden Versicherungsunternehmen kann ein erheblicher Finanzierungsbedarf entstehen, weil ihre anfangs überdurchschnittlich hohen und sowohl erfolgs- als auch liquiditätswirksamen Betriebs- und Verwaltungsaufwendungen – etwa durch hohe Abschlussprovisionen – die eigenen Mittel übersteigen.
Wirkung
Solche Rückversicherungsstrukturen wirken liquiditäts- und ergebnisentlastend für den Erstversicherer, indem sie einen Teil der anfänglichen Kosten über die Laufzeit des Neugeschäfts hinweg amortisieren, statt sie sofort vollständig zu belasten.
Adjustierung
Synonyme: Treaty Adjustment
Adjustierung ist die vertragliche Angleichung des Rückversicherungsvertrags an den tatsächlichen Geschäftsverlauf, etwa durch variable Prämien oder Staffelprovisionen.
Begriff
Adjustierung bezeichnet in der Rückversicherung die Angleichung des Vertragsverlaufs an den tatsächlichen Geschäftsverlauf mittels variabler Vertragskomponenten.
Nicht-proportionale Rückversicherung
Im nicht-proportionalen Rückversicherungsvertrag kann die Adjustierung durch eine variable Prämie erfolgen, die es dem Rückversicherer erlaubt, bei schlechtem Schadenverlauf innerhalb definierter Grenzen eine höhere Prämie zu erzielen (sogenanntes Loading). Daneben können Vertragskonditionen über eine Indexklausel angepasst werden.
Proportionale Rückversicherung
Im proportionalen Rückversicherungsvertrag erfolgt die Adjustierung häufig über eine Staffelprovision, bei der eine erhöhte oder verminderte Provision an den Zedenten gezahlt wird, je nachdem, wie sich der Schadenverlauf entwickelt hat.
Adverse Development Cover (ADC)
Synonyme: ADC
Ein Adverse Development Cover schützt einen Erstversicherer retrospektiv gegen unzureichende Reservierung vergangener Schäden, indem der Rückversicherer Zahlungen oberhalb einer vereinbarten Priorität übernimmt.
Begriff
Ein Adverse Development Cover ist eine retrospektive Deckungsform, die einen Erstversicherer gegen Abwicklungsrisiken schützt, die aus unzureichender Reservierung oder einer unvorhergesehenen notwendigen Erhöhung der gebuchten Schadenreserven für eingetretene, aber noch nicht gemeldete Schäden (IBNR) und/oder für bereits gemeldete Schäden entstehen können.
Methodik
Der Rückversicherer haftet bis zu einem vordefinierten Betrag, der sogenannten Haftstrecke, für die kumulierten Schadenzahlungen aus einem Portefeuille, die eine vereinbarte Priorität übersteigen. Die Priorität entspricht dabei üblicherweise dem Schadenerwartungswert des Erstversicherers oder liegt darüber. Die Rückversicherungsprämie ergibt sich im Wesentlichen aus dem Barwert der erwarteten zukünftigen Schadenzahlungen für in der Vergangenheit eingetretene Schadenfälle.
Praxisrelevanz
ADCs werden häufig im Kontext von Unternehmensübernahmen, Portfoliobereinigungen oder Solvenzoptimierungen eingesetzt, um Bilanzrisiken aus dem Altbestand gezielt zu transferieren.
Aggregate
Synonyme: Kumul
Aggregate ist die Summe der Exponierungen eines Risikoträgers unter bestimmten Gefahren, die einem Rückversicherungsverhältnis zugrunde gelegt wird, etwa zur Bestimmung von Priorität und Haftstrecke.
Begriff
Aggregate bezeichnet die Summierung von Exponierungen (Exposure) eines Risikoträgers unter bestimmten Gefahren wie Sturm, Erdbeben oder Flut, die berechnet wird, um sie einem Rückversicherungsverhältnis zugrunde zu legen.
Anwendung
In der Schadenrückversicherung wird von Aggregaten auch gesprochen, wenn mehrere Einzelschäden unter einer Deckung im Rahmen einer Serienschadenklausel zusammengefasst werden sollen. Die Summierung von Einzelschäden ist zudem bedeutend, um die Priorität und Haftstrecke einer Stop-Loss-Deckung korrekt zu bestimmen.
Bedeutung für die Kumulkontrolle
Eine präzise Aggregatbildung ist zentraler Bestandteil des Kumulmanagements eines Rückversicherers, da sie die tatsächliche Risikokonzentration in geografischen Regionen oder bei bestimmten Gefahren sichtbar macht und damit die Kapazitäts- und Preisfindung massgeblich beeinflusst.
Aktive Rückversicherung
Synonyme: Assumed Reinsurance, Indirektes Geschäft
Aktive Rückversicherung ist das Anbieten von Rückversicherungskapazität und die Zeichnung von Rückversicherungsdeckungen durch einen Rückversicherer, im Gegensatz zur passiven Rückversicherung des Zedenten.
Begriff
Aktive Rückversicherung bezeichnet das Anbieten von Rückversicherungskapazität und die Zeichnung von Rückversicherungsdeckungen durch einen Rückversicherer. Der Begriff wird teilweise auch als “indirektes Geschäft” bezeichnet.
Abgrenzung
Das Gegenstück zur aktiven Rückversicherung ist die passive Rückversicherung – aus Sicht des Erstversicherers die Abgabe von Risiken an einen Rückversicherer. Beide Begriffe beschreiben denselben Vorgang aus jeweils entgegengesetzter Perspektive der beiden Vertragsparteien.
Bedeutung
Die Unterscheidung zwischen aktivem und passivem Geschäft ist insbesondere für die interne Steuerung und das Reporting von Rückversicherungsgesellschaften relevant, die häufig sowohl Risiken abgeben (retrozedieren) als auch selbst Rückversicherungskapazität am Markt anbieten.
Akzept
Synonyme: Reinsurance Acceptance
Akzept ist die rechtsverbindliche Annahme eines Rückversicherungsangebots durch den Rückversicherer gegenüber dem Erstversicherer oder Rückversicherungsmakler.
Begriff
Akzept bezeichnet die rechtsverbindliche Annahme oder Bestätigung eines Rückversicherungsangebots seitens des Rückversicherers gegenüber dem Erstversicherer und/oder dem vermittelnden Rückversicherungsmakler.
Bedeutung im Vertragsprozess
Erst mit dem Akzept kommt der Rückversicherungsvertrag rechtsverbindlich zustande. Bis dahin bleibt das vorgelegte Angebot – etwa in Form eines Slips bei fakultativer Rückversicherung – für den Rückversicherer unverbindlich, sodass er Konditionen, Kapazität oder Beteiligung noch anpassen kann.
Praxisrelevanz
Bei komplexen oder von mehreren Rückversicherern gezeichneten Programmen ist der Zeitpunkt und Umfang des jeweiligen Akzepts sorgfältig zu dokumentieren, um Deckungsbeginn, Beteiligungsquoten und die Verteilung von Verantwortlichkeiten unter den beteiligten Rückversicherern eindeutig festzuhalten.
Alternative Rückversicherung
Synonyme: Nichttraditionelle Rückversicherung
Alternative Rückversicherung ist der Oberbegriff für nichttraditionelle Ausgestaltungen von Rückversicherungsprodukten, die über den reinen Risikotransfer hinausgehen, etwa durch Finanzrückversicherung oder ART.
Begriff
Alternative Rückversicherung ist der Oberbegriff für eine “alternative” Ausgestaltung von Rückversicherungsmarktprodukten hinsichtlich ihrer Zielsetzung – über den reinen Transfer versicherungstechnischer Risiken hinaus – und/oder hinsichtlich der Art des Ausgleichsmechanismus bzw. der Risikotransfermechanismen.
Ausprägungen
Unter diesen Oberbegriff fallen sowohl Konzepte der Finanzrückversicherung, die primär der Ergebnis- und Liquiditätssteuerung dienen, als auch Konzepte des Alternativen Risikotransfers, etwa über Captive (Re)Insurance Companies oder kapitalmarktbasierte Instrumente.
Abgrenzung zur traditionellen Rückversicherung
Während die traditionelle Rückversicherung primär den reinen Risikotransfer im Vordergrund hat, verfolgt die alternative Rückversicherung häufig zusätzliche Ziele wie Bilanzoptimierung, Glättung von Ergebnisschwankungen oder gezielte Kapitalfreisetzung.
Alternativer Risikotransfer (ART)
Synonyme: ART, Alternative Risk Transfer
Alternativer Risikotransfer bezeichnet die Übertragung versicherungstechnischer Risiken an den Kapitalmarkt oder an spezialisierte Risikoträger ausserhalb der traditionellen (Rück-)Versicherung.
Begriff
Alternativer Risikotransfer (ART) bezeichnet die Übertragung versicherungstechnischer Risiken an den Kapitalmarkt zur Deckung durch nichttraditionelle Risikoträger und Instrumente. Auch die Risikoübertragung an spezialisierte konzerninterne Rechtseinheiten zur Selbstfinanzierung wird dem ART zugerechnet.
Risikoträger und Einsatzbereiche
Neben Erst- und Rückversicherern sowie Captive (Re)Insurance Companies zählen zu den Risikoträgern des ART auch Banken und institutionelle Anleger. Typische Einsatzbereiche sind Katastrophenrisiken, Terrorrisiken, Haftpflichtrisiken sowie in der Personenversicherung das Sterberisiko und das Langlebigkeitsrisiko.
Merkmale
Konzepte des ART decken ein breites Spektrum zwischen reinem Risikotransfer und Risikofinanzierung ab. Sie sind meist massgeschneidert und flexibler in ihrer Ausgestaltung als traditionelle Rückversicherungslösungen, erfordern aber häufig höhere strukturelle und rechtliche Komplexität.
Attachment Point
Synonyme: Priorität
Der Attachment Point (Priorität) ist die Schadenhöhe, ab der ein Rückversicherer im Rahmen einer nicht-proportionalen Deckung eintrittspflichtig wird.
Begriff
Der Attachment Point, im Deutschen auch Priorität genannt, bezeichnet die Schadenhöhe, ab der ein Rückversicherer im Rahmen einer nicht-proportionalen Rückversicherungsdeckung eintrittspflichtig wird. Schäden unterhalb dieser Schwelle verbleiben vollständig beim Erstversicherer bzw. Zedenten.
Funktionsweise
Zusammen mit der Haftstrecke (dem Betrag, bis zu dem der Rückversicherer maximal haftet) definiert der Attachment Point die Layer-Struktur eines Exzedentenvertrags oder einer Stop-Loss-Deckung. Ein höherer Attachment Point bedeutet in der Regel eine niedrigere Rückversicherungsprämie, da mehr Risiko beim Zedenten verbleibt.
Praxisrelevanz
Die Wahl des Attachment Points ist ein zentrales Element der Rückversicherungsstrategie eines Erstversicherers: Sie beeinflusst massgeblich das Verhältnis zwischen Selbstbehalt, Prämienaufwand und verbleibender Volatilität im eigenen Portefeuille.
Audit (Rückversicherung)
Synonyme: Rückversicherungsaudit
Ein Audit ist die Überprüfung der Geschäftsprozesse eines Erst- oder Rückversicherers durch einen Rückversicherer, typischerweise als Underwriting- oder Schadenaudit.
Begriff
Ein Audit ist die Überprüfung der Geschäftsprozesse eines Erst- oder Rückversicherers durch einen Rückversicherer, um die Qualität und Konsistenz der Geschäftsführung zu beurteilen.
Varianten
Beim Underwritingaudit wird analysiert, ob und inwieweit die Underwriting-Richtlinien des Erstversicherers tatsächlich eingehalten wurden. Beim Schadenaudit steht im Vordergrund, zu prüfen, ob die unter dem Rückversicherungsvertrag gedeckten Schäden ausreichend reserviert und ordnungsgemäss reguliert wurden.
Entwicklung
Ausgehend vom amerikanischen Markt werden Audits zunehmend bereits vor Aufnahme einer neuen Geschäftsbeziehung durchgeführt, um die Solidität der Geschäftsprozesse eines künftigen Zedenten frühzeitig zu prüfen, bevor Kapazität zugesagt wird.
Aufbauprovision
Synonyme: Ceding Commission (Aufbau)
Die Aufbauprovision ist eine zusätzliche Provision, mit der der Rückversicherer dem Erstversicherer eine Verwaltungskosten-Überdeckung zum Aufbau seines Geschäftsbetriebs leistet.
Begriff
Die Aufbauprovision ist eine zusätzliche Provisionsart in der Rückversicherung, mit der der Rückversicherer dem Erstversicherer eine Verwaltungskosten-Überdeckung zum Aufbau von dessen Geschäftsbetrieb leistet.
Einsatzbereich
Sie kommt insbesondere bei jungen oder stark wachsenden Erstversicherern zum Einsatz, deren anfangs überdurchschnittlich hohe Abschluss- und Verwaltungsaufwendungen einen erheblichen Finanzierungsbedarf erzeugen können. Die Aufbauprovision wirkt dabei liquiditäts- und ergebnisentlastend, indem sie einen Teil dieser Kosten über die Rückversicherung finanziert.
Verwandtschaft
Die Aufbauprovision ist eng verwandt mit Konzepten der Abschlusskostenfinanzierung und wird häufig im Rahmen speziell ausgestalteter Quotenrückversicherungsverträge (sogenannte Aufbauquoten) vereinbart.
Bardepot
Synonyme: Cash Deposit
Ein Bardepot ist eine Barsicherheit, die ein Rückversicherer beim Zedenten hinterlegt, um dessen Forderungen aus dem Rückversicherungsvertrag abzusichern.
Begriff
Ein Bardepot ist eine Barsicherheit, die ein Rückversicherer beim Zedenten hinterlegt oder auf einem gesperrten Konto zugunsten des Zedenten hält, um dessen künftige Forderungen aus dem Rückversicherungsvertrag – insbesondere Schadenzahlungen – abzusichern.
Bedeutung für nicht zugelassene Rückversicherer
Bardepots sind insbesondere bei Rückversicherern relevant, die in der Jurisdiktion des Zedenten aufsichtsrechtlich nicht zugelassen sind: Viele Aufsichtsregime verlangen für die bilanzielle Anerkennung der Rückversicherung bei solchen Rückversicherern eine vollständige Besicherung durch Bardepots, Trust Funds oder Letters of Credit.
Abgrenzung zu anderen Sicherheiten
Im Vergleich zu Letters of Credit bietet das Bardepot dem Zedenten eine unmittelbarere, weniger von der Bonität eines Drittinstituts abhängige Sicherheit, bindet jedoch zugleich Liquidität des Rückversicherers, die diesem für die eigene Kapitalanlage nicht zur Verfügung steht, weshalb Rückversicherer Letters of Credit oder Trust Funds häufig bevorzugen.
Basisrisiko
Synonyme: Basis Risk
Basisrisiko ist die Gefahr, dass eine Absicherung – insbesondere ein parametrisches oder indexbasiertes Instrument – nicht exakt mit dem tatsächlich erlittenen Schaden übereinstimmt.
Begriff
Basisrisiko bezeichnet die Gefahr, dass die Leistung aus einem Absicherungsinstrument – insbesondere aus parametrischen oder indexbasierten Deckungen – nicht exakt dem tatsächlich erlittenen wirtschaftlichen Schaden des Versicherten entspricht.
Ursachen
Basisrisiko entsteht typischerweise, wenn ein Absicherungsinstrument an einen Näherungswert (Proxy), etwa einen Windgeschwindigkeitsindex oder einen Marktindex, anknüpft, anstatt den individuellen Schaden direkt zu messen; die Diskrepanz zwischen Index und tatsächlichem Schaden bildet das Basisrisiko.
Bedeutung für parametrische Versicherungen
Insbesondere bei parametrischen Versicherungslösungen und Katastrophenanleihen (Cat Bonds) ist das Basisrisiko ein zentrales Gestaltungsthema: Ein enger, gut korrelierter Auslöseparameter reduziert das Basisrisiko, erhöht jedoch häufig die Modellierungskomplexität und Kosten, während einfachere Parameter das Basisrisiko für den Versicherten erhöhen können.
Bindungsfrist
Synonyme: Binding Period
Die Bindungsfrist ist der Zeitraum, innerhalb dessen ein Angebot oder die Zeichnung eines Rückversicherers verbindlich bleibt, bevor es ohne Annahme erlischt.
Begriff
Die Bindungsfrist ist der vereinbarte oder gesetzlich vorgegebene Zeitraum, innerhalb dessen ein Angebot, eine Zeichnungszusage oder eine Deckungszusage verbindlich bleibt, bevor sie ohne fristgerechte Annahme automatisch erlischt.
Bedeutung in der fakultativen Rückversicherung
In der fakultativen Rückversicherung setzen Rückversicherer bei der Zeichnung eines Einzelrisikos häufig eine Bindungsfrist, innerhalb derer der Zedent die angebotene Deckung verbindlich annehmen oder ablehnen muss; nach Ablauf der Frist ist der Rückversicherer nicht mehr an sein Angebot gebunden.
Bedeutung für die Marktpraxis
Die Bindungsfrist schafft für beide Vertragsparteien Planungssicherheit, da der Rückversicherer seine gebundene Kapazität nur für einen begrenzten Zeitraum reservieren muss und der Zedent innerhalb der Frist Vergleichsangebote einholen und eine informierte Entscheidung treffen kann.
Bordereau
Synonyme: Reinsurance Bordereau
Ein Bordereau ist eine periodische Aufstellung, mit der ein Zedent seinem Rückversicherer Angaben zu einzelnen zedierten Risiken, Prämien oder Schäden übermittelt.
Begriff
Ein Bordereau ist eine periodische, meist monatliche oder quartalsweise erstellte Aufstellung, mit der ein Zedent seinem Rückversicherer detaillierte Angaben zu einzelnen im Rahmen eines Rückversicherungsvertrags zedierten Risiken, Prämien oder Schäden übermittelt.
Arten
Man unterscheidet insbesondere das Prämienbordereau, das die im Berichtszeitraum zedierten Prämien einzelrisikoscharf auflistet, und das Schadenbordereau, das die im Berichtszeitraum gemeldeten oder gezahlten Schäden auflistet. Bordereaus sind insbesondere bei der fakultativen Rückversicherung und bei proportionalen Vertragsrückversicherungen mit Einzelrisikoberichterstattung üblich.
Bedeutung für die Rückversicherungssteuerung
Bordereaus sind für den Rückversicherer die zentrale Informationsquelle zur laufenden Überwachung des zedierten Bestands, zur Reserveschätzung und zur Rechnungsstellung; unvollständige oder verspätete Bordereaus können zu erheblichen Informationsasymmetrien und Streitigkeiten zwischen Zedent und Rückversicherer führen.
Burning Cost
Synonyme: Erfahrungstarifierung
Burning Cost ist eine erfahrungsbasierte Methode der Rückversicherungspreisfindung, bei der die historische Schadenlast eines Bestands ins Verhältnis zur Prämienbasis gesetzt wird.
Begriff
Burning Cost ist eine erfahrungsbasierte Methode der Rückversicherungspreisfindung, bei der die historischen Schäden eines zedierten Bestands über einen mehrjährigen Beobachtungszeitraum ins Verhältnis zur entsprechenden Prämienbasis gesetzt werden, um eine risikoadäquate Rückversicherungsprämie abzuleiten.
Berechnung
Die Burning-Cost-Rate ergibt sich typischerweise aus der Summe der auf die rückversicherte Schicht entfallenden historischen Schäden dividiert durch die Summe der Bruttoprämien des Beobachtungszeitraums, häufig ergänzt um eine Trendbereinigung (Inflationsanpassung) und eine angemessene Marge für Schwankungen und Grossschäden.
Grenzen der Methode
Die Burning-Cost-Methode eignet sich vor allem für Bestände mit stabiler, gut dokumentierter Schadenhistorie und mittlerem Layer, ist jedoch bei sehr hohen Layern mit wenig historischen Schäden (Excess-of-Loss-Deckungen für Grossschäden) weniger aussagekräftig, sodass hier häufig ergänzend exponierungsbasierte Modelle herangezogen werden.
Cash Call
Synonyme: Barabruf
Ein Cash Call ist die vorzeitige Aufforderung eines Zedenten an seinen Rückversicherer, einen bereits absehbaren Schadenanteil vor der regulären Abrechnung sofort auszuzahlen.
Begriff
Ein Cash Call ist die Aufforderung eines Zedenten an seinen Rückversicherer, einen bereits absehbaren, üblicherweise erheblichen Schadenanteil vorzeitig und ausserhalb des regulären Abrechnungszyklus auszuzahlen, um die eigene Liquidität nach einem Grossschadenereignis sicherzustellen.
Anwendungsfälle
Cash Calls sind insbesondere nach schweren Naturkatastrophen oder anderen Grossschadenereignissen verbreitet, bei denen der Zedent kurzfristig erhebliche Beträge an seine Versicherten auszahlen muss, während die endgültige Schadenhöhe und damit die reguläre Abrechnung mit dem Rückversicherer noch nicht abschliessend feststeht.
Vertragliche Regelung
Die Möglichkeit und die Voraussetzungen eines Cash Calls werden üblicherweise bereits im Rückversicherungsvertrag geregelt, etwa durch Festlegung eines Mindestschadenbetrags, ab dem ein Cash Call zulässig ist, sowie durch Fristen, innerhalb derer der Rückversicherer der Zahlungsaufforderung nachkommen muss.
Catastrophe Excess of Loss (Cat XL)
Synonyme: Cat XL, Naturkatastrophen-Exzedentenvertrag
Ein Cat XL ist ein nichtproportionaler Rückversicherungsvertrag, der einen Zedenten gegen die kumulierte Schadenlast aus einem einzigen Naturkatastrophenereignis absichert.
Begriff
Ein Catastrophe Excess of Loss (Cat XL) ist ein nichtproportionaler Rückversicherungsvertrag, der den Zedenten gegen die kumulierte Schadenlast aus einer Vielzahl von Einzelschäden absichert, die auf ein einziges Naturkatastrophenereignis (etwa einen Sturm, ein Erdbeben oder eine Flut) zurückzuführen sind.
Struktur
Ein Cat XL definiert einen Selbstbehalt (Priorität) und eine Deckungssumme (Kapazität) je Schadenereignis; übersteigt die aggregierte Schadenlast des Zedenten aus einem einzelnen Katastrophenereignis den Selbstbehalt, übernimmt der Rückversicherer den überschiessenden Betrag bis zur vereinbarten Kapazitätsgrenze. Cat XL-Programme sind häufig in mehreren aufeinander aufbauenden Schichten (Layern) mit unterschiedlichen Rückversicherern strukturiert.
Bedeutung für die Solvenz des Zedenten
Der Cat XL ist für die meisten Sachversicherer die wichtigste Rückversicherungsdeckung zur Absicherung der Solvenz gegen extreme Naturkatastrophenereignisse und wird üblicherweise auf Basis von Cat-Model-Ausgaben zur 100- bis 250-jährlichen Wiederkehrperiode (Return Period) bemessen.
Clash Cover
Synonyme: Kumulschadendeckung
Ein Clash Cover schützt einen Rückversicherer oder Zedenten vor der Kumulation von Schäden aus mehreren Sparten oder Policen, die durch dasselbe Schadenereignis ausgelöst werden.
Begriff
Ein Clash Cover ist eine Rückversicherungsdeckung, die einen Zedenten oder Rückversicherer vor der Kumulation von Schäden schützt, die aus mehreren, eigentlich unabhängigen Sparten, Policen oder Verträgen resultieren, aber durch dasselbe zugrunde liegende Schadenereignis ausgelöst werden.
Typischer Anwendungsfall
Ein klassisches Beispiel ist ein Grossschadenereignis, das gleichzeitig Ansprüche aus der Betriebshaftpflicht-, der D&O- und der Umwelthaftpflichtversicherung mehrerer Versicherungsnehmer eines Zedenten auslöst; ohne Clash Cover würde jede einzelne Police getrennt für sich betrachtet, wodurch die tatsächliche Kumulwirkung des Ereignisses für den Zedenten unterschätzt werden könnte.
Bedeutung für das Kumulmanagement
Clash Cover sind ein wichtiges Instrument des Kumulmanagements in der Haftpflicht- und Rückversicherung, da traditionelle Exzedenten-Rückversicherungsverträge häufig pro Vertrag oder pro Risiko strukturiert sind und daher schadenereignisübergreifende Kumulationen nicht automatisch erfassen.
Contract Certainty
Synonyme: Vertragssicherheit
Contract Certainty bezeichnet den Grundsatz, dass alle wesentlichen Vertragsbedingungen bereits vor oder unmittelbar bei Beginn des Versicherungsschutzes vollständig vereinbart und dokumentiert sein sollen.
Begriff
Contract Certainty bezeichnet den Grundsatz, wonach sämtliche wesentlichen Bedingungen eines Versicherungs- oder Rückversicherungsvertrags bereits vor oder spätestens unmittelbar bei Beginn des Versicherungsschutzes vollständig verhandelt, vereinbart und in einem endgültigen Vertragsdokument festgehalten sein sollen.
Historischer Hintergrund
Die Contract-Certainty-Initiative wurde insbesondere im Londoner Markt (Lloyd’s) nach aufsichtsrechtlicher Kritik an der verbreiteten Praxis eingeführt, Deckung bereits auf Basis vorläufiger Bedingungen (“slip”) zu gewähren, während die endgültige Vertragsdokumentation erst deutlich später fertiggestellt wurde, was zu erheblicher Rechtsunsicherheit im Schadenfall führen konnte.
Bedeutung für die Marktpraxis
Contract Certainty soll sicherstellen, dass sowohl Zedent als auch Rückversicherer bereits bei Risikobeginn Klarheit über den genauen Deckungsumfang, die Prämie und alle sonstigen Vertragsbedingungen haben, wodurch Streitigkeiten über die Vertragsauslegung im Schadenfall reduziert und die Effizienz der Schadenregulierung erhöht werden sollen.
Deklarationsverfahren
Synonyme: Bordereau-Verfahren
Das Deklarationsverfahren ist die periodische Meldung der vom Zedenten im Rahmen eines proportionalen Rückversicherungsvertrags gezeichneten Einzelrisiken an den Rückversicherer.
Begriff
Das Deklarationsverfahren ist das periodische Melde- und Abrechnungsverfahren, mit dem ein Zedent im Rahmen eines proportionalen Rückversicherungsvertrags (etwa einer Quoten- oder Summenexzedenten-Rückversicherung) dem Rückversicherer die gezeichneten Einzelrisiken sowie die zugehörigen Prämien und Schäden meldet.
Ablauf
Die Deklaration erfolgt üblicherweise in Form eines Bordereaus, das für jedes einzelne im Deklarationszeitraum (meist quartalsweise) gezeichnete Risiko die massgeblichen Angaben wie Versicherungsnehmer, Deckungssumme, Selbstbehalt des Zedenten, abgetretenen Anteil und Prämie enthält, sodass der Rückversicherer die auf ihn entfallende Prämie und Haftung nachvollziehen kann.
Bedeutung für die Vertragsabwicklung
Ein funktionierendes Deklarationsverfahren ist Voraussetzung für eine korrekte Abrechnung proportionaler Rückversicherungsverträge und für die Fähigkeit des Rückversicherers, sein übernommenes Portfolio nachzuvollziehen und angemessen zu bepreisen; Verzögerungen oder Unvollständigkeiten in der Deklaration können zu erheblichen Abstimmungsproblemen zwischen Zedent und Rückversicherer führen.
Drop Down Cover
Synonyme: Drop Down Cover
Ein Drop Down Cover ist eine Klausel, nach der eine Exzedenten- schicht in tiefere, bereits erschöpfte Schichten eintritt, wenn die darunterliegende Deckung ausgeschöpft oder nicht verfügbar ist.
Begriff
Ein Drop Down Cover ist eine vertragliche Klausel in einem mehrschichtigen Exzedenten- oder Haftpflichtprogramm, nach der eine höhere Deckungsschicht automatisch in eine tiefere Schicht “herabsinkt” und deren Deckungslücke schliesst, wenn die eigentlich vorgesehene tiefere Deckung erschöpft, ungültig oder aus anderen Gründen nicht verfügbar ist.
Anwendungsfall
Ein typisches Beispiel ist ein mehrschichtiges Haftpflichtprogramm, bei dem die Kapazität einer mittleren Schicht bereits durch einen vorangegangenen Schaden innerhalb desselben Versicherungsjahres aufgebraucht wurde; eine Drop-Down-Klausel in der darüberliegenden Schicht kann in diesem Fall vorsehen, dass diese Schicht ab dem ursprünglichen Attachment Point der erschöpften Schicht eintritt, um eine Deckungslücke im Gesamtprogramm zu vermeiden.
Bedeutung für die Programmstruktur
Drop Down Cover ist ein wichtiges Instrument zur Vermeidung von Deckungslücken in komplexen, mehrschichtigen Versicherungs- und Rückversicherungsprogrammen, erfordert jedoch eine präzise vertragliche Ausgestaltung, um Unklarheiten über den genauen Auslösemechanismus und den Umfang der eintretenden Deckung zu vermeiden.
Erschöpfungsklausel (Exhaustion Clause)
Synonyme: Exhaustion Clause
Die Erschöpfungsklausel regelt die Rechtsfolgen, wenn die Kapazität einer Versicherungs- oder Rückversicherungsschicht durch bereits eingetretene Schäden vollständig aufgebraucht ist.
Begriff
Die Erschöpfungsklausel ist eine vertragliche Regelung, die festlegt, welche Rechtsfolgen eintreten, wenn die Kapazität einer bestimmten Versicherungs- oder Rückversicherungsschicht durch bereits eingetretene und abgerechnete Schäden vollständig aufgebraucht (erschöpft) ist.
Wiederauffüllung der Kapazität
Viele Excess-of-Loss-Verträge sehen für den Fall der Erschöpfung einer Schicht eine sogenannte Reinstatement-Klausel vor, nach der die ursprüngliche Kapazität gegen Zahlung einer zusätzlichen Prämie (Reinstatement-Prämie) für die restliche Vertragslaufzeit wiederhergestellt wird; ohne eine solche Klausel steht nach Erschöpfung der Kapazität für weitere Schäden innerhalb der Vertragsperiode kein Versicherungsschutz mehr zur Verfügung.
Bedeutung für die Programmstruktur
Die genaue Ausgestaltung der Erschöpfungsklausel, insbesondere die Anzahl der zulässigen Reinstatements und die Höhe der Reinstatement-Prämie, ist ein zentraler Verhandlungspunkt bei der Gestaltung von Rückversicherungsprogrammen, da sie massgeblich beeinflusst, in welchem Umfang der Zedent nach einem oder mehreren Grossschäden innerhalb einer Periode weiterhin geschützt bleibt.
Exposure Rating
Synonyme: Exposure-basierte Tarifierung
Exposure Rating ist eine Methode zur Bepreisung von Rückversicherungsverträgen, die auf der Grundlage von Portfoliokennzahlen und Schadenverteilungskurven statt tatsächlicher Schadenerfahrung erfolgt.
Begriff
Exposure Rating ist eine Methode zur Bepreisung von Rückversicherungsverträgen, insbesondere von Excess-of-Loss-Verträgen, die nicht primär auf der tatsächlichen historischen Schadenerfahrung des Zedenten beruht, sondern auf Portfoliokennzahlen (etwa der Gesamtprämie und Risikostruktur) sowie auf branchenweiten oder marktüblichen Schadenverteilungskurven, die die erwartete Verteilung der Schadenhöhen abbilden.
Abgrenzung zum Experience Rating
Im Gegensatz zum Experience Rating, das die vergangene Schadenerfahrung des konkreten Zedenten zur Preisfindung heranzieht, nutzt Exposure Rating exponierungsbasierte Verfahren, die insbesondere dann von Vorteil sind, wenn die verfügbare Schadenhistorie des Zedenten zu kurz, zu volatil oder aufgrund veränderter Geschäftsstruktur nicht repräsentativ ist.
Anwendung und Grenzen
Exposure Rating kommt häufig bei neu strukturierten Rückversicherungsprogrammen, bei Zedenten mit begrenzter Schadenhistorie oder in Kombination mit dem Experience Rating im Rahmen eines gewichteten Ansatzes zur Anwendung; die Genauigkeit des Exposure Ratings hängt massgeblich von der Qualität und Repräsentativität der verwendeten Schadenverteilungskurven für die jeweilige Sparte und Region ab.
Fakultative Rückversicherung
Synonyme: Fakultative Deckung, Facultative Reinsurance
Die fakultative Rückversicherung ist die einzelfallbezogene Rückdeckung eines bestimmten Risikos, das der Rückversicherer nach individueller Prüfung annehmen oder ablehnen kann.
Einsatzbereich
Fakultative Rückversicherung kommt zum Einsatz, wenn ein Einzelrisiko die Kapazität der bestehenden Verträge übersteigt, vom Treaty ausgeschlossen ist oder eine besondere Risikoqualität aufweist – typisch bei Grossindustrie, Spezialrisiken oder exponierten Naturgefahrenstandorten.
Ablauf
Der Zedent bietet das Einzelrisiko mit vollständigen Underwriting-Informationen an; der Rückversicherer prüft und entscheidet frei über Annahme, Anteil und Konditionen. Beide Seiten behalten volle Zeichnungsfreiheit.
Vor- und Nachteile
Fakultative Deckungen sind flexibel und risikogerecht, aber administrativ aufwendig und in Preis wie Verfügbarkeit marktabhängig. Sie ergänzen Treaties, ersetzen sie aber nicht.
Funds Withheld
Synonyme: Funds Withheld Account
Funds Withheld bezeichnet eine Vereinbarung, nach der der Zedent die eigentlich an den Rückversicherer zu übertragenden Vermögenswerte einbehält und selbst verwaltet.
Begriff
Funds Withheld bezeichnet eine Vereinbarung innerhalb eines Rückversicherungsvertrags, nach der der Zedent Vermögenswerte, die wirtschaftlich dem Rückversicherer zustehen und normalerweise an diesen übertragen würden, in einem eigenen Konto einbehält und dort verwaltet, statt sie tatsächlich zu übertragen.
Funktionsweise
Der Zedent führt ein separates Konto (Funds Withheld Account), auf dem die dem Rückversicherer zustehenden Beträge, verzinst mit einem vertraglich vereinbarten Zinssatz, verbucht werden; im Abwicklungsfall oder bei Vertragsende werden die einbehaltenen Mittel entsprechend den vertraglichen Vereinbarungen an den Rückversicherer ausgezahlt oder mit dessen Verpflichtungen verrechnet.
Vorteile für Zedent und Rückversicherer
Funds-Withheld-Strukturen ermöglichen es dem Zedenten, die Kapitalanlage der betreffenden Mittel selbst zu steuern und von deren Anlageertrag zu profitieren, während sie dem Rückversicherer gleichzeitig das Kreditrisiko des Zedenten aussetzen, da die Mittel im Gegensatz zu einem klassischen Rückversicherungsdepot beim Zedenten selbst verbleiben; solche Strukturen kommen häufig bei Finite-Risk- und anderen alternativen Rückversicherungslösungen zum Einsatz.
Gewinnbeteiligung (Profit Commission)
Synonyme: Profit Commission
Die Gewinnbeteiligung ist eine zusätzliche Vergütung, die der Rückversicherer dem Zedenten bei günstigem Schadenverlauf eines Rückversicherungsvertrags gewährt.
Begriff
Die Gewinnbeteiligung ist eine zusätzliche, ergebnisabhängige Vergütung, die der Rückversicherer dem Zedenten zahlt, wenn der tatsächliche Schadenverlauf eines Rückversicherungsvertrags günstiger ausfällt als bei der Prämienkalkulation angenommen, und die dem Zedenten einen Teil des daraus entstehenden Überschusses zuweist.
Berechnung
Die Höhe der Gewinnbeteiligung berechnet sich üblicherweise als vereinbarter Prozentsatz des rechnerischen Gewinns aus dem Rückversicherungsvertrag, der sich aus der verdienten Rückversicherungsprämie abzüglich der gezahlten Schäden, der Verwaltungskostenpauschale des Rückversicherers und gegebenenfalls eines Verlustvortrags aus Vorjahren ergibt; ein negativer Saldo (Verlust) wird häufig als Verlustvortrag in die Berechnung künftiger Perioden übernommen.
Bedeutung für die Vertragsbeziehung
Die Gewinnbeteiligung stärkt die Interessenausrichtung zwischen Zedent und Rückversicherer, da der Zedent auch nach der Prämienzahlung ein finanzielles Interesse an einer sorgfältigen Risikoauswahl und einem effektiven Schadenmanagement behält; sie ist insbesondere in der proportionalen Rückversicherung verbreitet und wird häufig mit weiteren ergebnisabhängigen Vergütungselementen wie einer gleitenden Provision kombiniert.
Gleitende Provision (Sliding Scale Commission)
Synonyme: Sliding Scale Commission
Die gleitende Provision ist eine Vergütungsstruktur in der proportionalen Rückversicherung, bei der der Provisionssatz innerhalb festgelegter Grenzen umgekehrt proportional zur Schadenquote verläuft.
Begriff
Die gleitende Provision ist eine Vergütungsstruktur in der proportionalen Rückversicherung, bei der der vom Rückversicherer an den Zedenten gezahlte Provisionssatz innerhalb vertraglich festgelegter Grenzen (Mindest- und Höchstprovision) umgekehrt proportional zur tatsächlichen Schadenquote des Vertrags verläuft.
Funktionsweise
Verläuft die Schadenquote günstig (niedrig), steigt die gleitende Provision bis zu einem vereinbarten Höchstsatz an, während sie bei ungünstigem (hohem) Schadenverlauf entsprechend bis zu einem vereinbarten Mindestsatz absinkt; innerhalb dieser Bandbreite passt sich die Provision linear oder nach einer vertraglich festgelegten Formel an die jeweilige Schadenquote an.
Abgrenzung zur Gewinnbeteiligung
Anders als die Gewinnbeteiligung, die als zusätzliche, nachträglich berechnete Zahlung neben der Grundprovision gewährt wird, ersetzt die gleitende Provision die feste Provision vollständig durch einen variablen, unmittelbar an die Schadenquote gekoppelten Satz; beide Instrumente verfolgen jedoch dasselbe Ziel, nämlich die Interessen von Zedent und Rückversicherer durch eine ergebnisabhängige Vergütungskomponente stärker aufeinander abzustimmen.
Ground-Up Cover
Synonyme: Ground-Up Coverage
Ground-Up Cover bezeichnet eine Rückversicherungsdeckung, die bereits ab dem ersten Euro eines Schadens greift, ohne dass der Zedent einen Selbstbehalt trägt.
Begriff
Ground-Up Cover bezeichnet eine Rückversicherungsdeckung, die bereits ab dem ersten Euro eines Schadens greift, ohne dass der Zedent einen eigenen Selbstbehalt (Priorität) zu tragen hat, im Gegensatz zur klassischen Excess-of-Loss-Deckung, die erst oberhalb einer vereinbarten Schwelle einsetzt.
Anwendungsfälle
Ground-Up Cover wird typischerweise dann eingesetzt, wenn der Zedent aus regulatorischen, strategischen oder Kapazitätsgründen keine eigene Risikoretention wünscht oder wenn es sich um besonders spezialisierte, kleinvolumige Programme handelt, bei denen eine vollständige Risikoübertragung wirtschaftlich sinnvoller ist als die Einrichtung eines eigenen Selbstbehalts.
Prämiengestaltung
Da der Rückversicherer bei einer Ground-Up Cover das gesamte Schadenpotenzial übernimmt, einschliesslich der häufigeren und in der Höhe gut vorhersehbaren kleineren Schäden, fällt die Rückversicherungsprämie im Verhältnis zur übertragenen Deckungssumme regelmässig deutlich höher aus als bei einer Excess-of-Loss-Deckung mit substanzieller Selbstbeteiligung des Zedenten.
Hartmarkt/Weichmarkt (Hard Market/Soft Market)
Synonyme: Hard Market/Soft Market, Versicherungszyklus, Underwriting Cycle
Hartmarkt und Weichmarkt beschreiben die zyklischen Phasen des Versicherungs- und Rückversicherungsmarkts, in denen Kapazität, Prämienniveau und Konditionen sich entgegengesetzt zu Angebot und Nachfrage entwickeln.
Begriff
Der Versicherungs- und Rückversicherungsmarkt durchläuft zyklische Phasen, die als “Hartmarkt” (Hard Market) und “Weichmarkt” (Soft Market) bezeichnet werden. In einem Hartmarkt ist die verfügbare Zeichnungskapazität knapp, Prämien steigen, Bedingungen werden restriktiver und Zeichner können strengere Selektionskriterien anwenden. In einem Weichmarkt besteht hingegen ein Kapazitätsüberschuss, der zu sinkenden Prämien, grosszügigeren Bedingungen und intensivem Wettbewerb führt.
Ursachen und Dynamik
Der Zyklus wird typischerweise durch Grossschadenereignisse (Naturkatastrophen, Marktschocks), Veränderungen im verfügbaren Kapital (z. B. durch Investmentergebnisse oder alternativen Kapitalmarktzugang wie ILS) sowie durch Wettbewerbsverhalten der Marktteilnehmer angetrieben. Nach signifikanten Verlustereignissen verhärtet sich der Markt häufig, da Kapazität durch Schadenzahlungen aufgezehrt wird und Rückversicherer ihre Risikoappetite neu kalibrieren.
Bedeutung für Underwriting und Kapitalallokation
Zeichnungsstrategien, Erneuerungsverhandlungen und die Kapitalallokation von Erst- und Rückversicherern orientieren sich massgeblich an der jeweiligen Marktphase; in Weichmarktphasen wird häufiger auf alternative Ertragsquellen (z. B. Diversifikation, neue Marktsegmente) zurückgegriffen, um trotz sinkender Prämienraten die Renditeziele zu erreichen.
Kumulklausel (Hours Clause / Event Definition Clause)
Synonyme: Event Definition Clause, Serienschadenklausel
Die Kumulklausel definiert in einem Rückversicherungsvertrag, wie mehrere Einzelschäden aus demselben Ereignis zeitlich und sachlich zu einem einzigen Schadenereignis zusammengefasst werden, das der Priorität und Haftungslimitierung zugrunde liegt.
Begriff
Die Kumulklausel legt vertraglich fest, unter welchen zeitlichen und sachlichen Voraussetzungen mehrere Einzelschäden, die auf dieselbe Ursache zurückgehen, für Zwecke der Rückversicherung als ein einziges Schadenereignis behandelt werden. Diese Zusammenfassung ist entscheidend dafür, wie oft die vereinbarte Priorität (Selbstbehalt) und Haftstrecke (Layer) eines Exzedentenvertrags in Anspruch genommen werden kann.
Typische Ausgestaltung
Häufige Ausprägungen sind die Stundenklausel (Hours Clause), die für Sturm- und Erdbebenschäden ein festes Zeitfenster (z. B. 72 oder 168 Stunden) definiert, innerhalb dessen alle Schäden als ein Ereignis gelten, sowie allgemeinere Serienschadenklauseln, die auf einen gemeinsamen Auslöser statt auf eine feste Zeitspanne abstellen.
Bedeutung für Zedent und Rückversicherer
Die Ausgestaltung der Kumulklausel hat erheblichen Einfluss auf die tatsächliche Deckungswirkung eines Rückversicherungsvertrags: Eine grosszügige Ereignisdefinition begünstigt den Zedenten, da mehr Einzelschäden gemeinsam abgerechnet werden können und die Priorität dadurch effektiv nur einmal überschritten werden muss, während eine enge Definition das Risiko stärker beim Zedenten belässt.
Kumulrisiko (Accumulation Risk)
Synonyme: Accumulation Risk, Kumulgefahr
Das Kumulrisiko ist die Gefahr, dass ein einzelnes Ereignis gleichzeitig mehrere versicherte Risiken betrifft und dadurch zu einem für den Versicherer wirtschaftlich bedeutsamen Gesamtschaden führt.
Begriff
Das Kumulrisiko beschreibt die Möglichkeit, dass ein einzelnes schadenverursachendes Ereignis (z. B. eine Naturkatastrophe, ein Grossbrand oder ein systemisches Cyberereignis) gleichzeitig mehrere vom selben Versicherer gezeichnete Risiken oder Policen betrifft und dadurch einen im Verhältnis zur Einzelrisikoexposition überproportionalen Gesamtschaden verursacht.
Kategorien von Kumulereignissen
Kumulrisiken lassen sich nach ihrer Ursache unterscheiden: Natürliche Kumule entstehen durch Naturkatastrophen mit räumlich weiter Ausdehnung (Sturm, Erdbeben, Flut); technische bzw. man-made Kumule entstehen etwa durch Grossschadenereignisse an eng benachbarten Risiken oder durch systemische Ausfälle vernetzter Infrastruktur (z. B. Cyber-Kumule oder Pandemierisiken).
Bedeutung für Kumulkontrolle und Rückversicherung
Versicherer und Rückversicherer betreiben ein systematisches Kumulmanagement, um geografische und sachliche Risikokonzentrationen frühzeitig zu identifizieren und durch Zeichnungslimits, geografische Diversifikation und den Einsatz von Kumulklauseln sowie Katastrophen-Rückversicherungsprogrammen zu begrenzen.
Nettoretention (Net Retention)
Synonyme: Net Retention, Eigenbehalt
Die Nettoretention ist der Anteil eines übernommenen Risikos, den ein Versicherer oder Rückversicherer nach Berücksichtigung aller vorhandenen Rückversicherungsschutzmassnahmen tatsächlich auf eigene Rechnung trägt.
Begriff
Die Nettoretention bezeichnet den Anteil eines von einem Versicherer oder Rückversicherer übernommenen Risikos, den dieser nach Abzug sämtlicher vorhandener Rückversicherungsschutzmassnahmen tatsächlich auf eigene Rechnung trägt. Sie unterscheidet sich von der Bruttozeichnung, die das ursprünglich übernommene, noch nicht rückversicherte Risiko beschreibt.
Bedeutung für das Risikomanagement
Die Festlegung einer angemessenen Nettoretention ist eine zentrale strategische Entscheidung im Risikomanagement eines Versicherers: Eine zu hohe Nettoretention kann bei Grossschäden die Solvabilität und Ertragslage des Unternehmens erheblich belasten, während eine zu niedrige Nettoretention einen unverhältnismässig grossen Anteil der Prämienerträge an Rückversicherer abgibt und die eigene Ertragskraft schmälert.
Berücksichtigung mehrerer Rückversicherungsebenen
Die Nettoretention ergibt sich häufig aus dem Zusammenspiel mehrerer Rückversicherungsinstrumente, etwa einer proportionalen Rückversicherung zur Glättung der Bilanzvolatilität kombiniert mit einer nichtproportionalen Deckung zur Absicherung gegen Grossschäden und Kumulereignisse; die tatsächliche Nettoretention kann sich dabei je nach Schadenhöhe und betroffener Sparte innerhalb des Gesamtprogramms unterscheiden.
Retrozession (Retrocession)
Synonyme: Retrocession
Retrozession bezeichnet die Weiterübertragung eines von einem Rückversicherer übernommenen Risikos an einen weiteren Rückversicherer, den sogenannten Retrozessionär.
Begriff
Retrozession bezeichnet die Übertragung eines von einem Rückversicherer bereits übernommenen Risikos auf einen weiteren Rückversicherer, den sogenannten Retrozessionär. Sie funktioniert nach denselben Grundprinzipien wie die klassische Rückversicherung zwischen Erstversicherer und Rückversicherer, nur eine Stufe weiter in der Risikotransferkette.
Funktion innerhalb der Rückversicherungskette
Rückversicherer nutzen die Retrozession, um ihr eigenes, aus einer Vielzahl von Erstversicherern akkumuliertes Risikoportfolio weiter zu diversifizieren, ihre Kapazität für die Übernahme zusätzlicher Geschäfte zu erhöhen und ihre eigene Solvabilität und Bonität zu schützen; die Retrozession kann dabei sowohl proportional als auch nicht-proportional, etwa in Form von Retrozessions-Exzedentenverträgen, ausgestaltet sein.
Bedeutung für die globale Risikoverteilung
Da Retrozessionsverträge häufig zwischen international tätigen Rückversicherern und spezialisierten Rückversicherungsmärkten abgeschlossen werden, trägt die Retrozession massgeblich zur weltweiten Verteilung grosser Katastrophenrisiken bei; gleichzeitig kann eine mehrstufige Retrozessionskette zu einem sogenannten Spiralrisiko führen, bei dem dasselbe zugrunde liegende Risiko über mehrere Rückversicherungsstufen hinweg mehrfach in unterschiedlichen Portfolios auftaucht.
Rückversicherer
Synonyme: Zessionär, Übernehmendes Unternehmen
Der Rückversicherer ist das Unternehmen, das gegen Prämie Risiken oder Risikoanteile von einem Erstversicherer (Zedent) übernimmt und diesem im Schadenfall anteilig Deckung gewährt.
Stellung im Rückversicherungsvertrag
Der Rückversicherer tritt ausschliesslich im Innenverhältnis zum Zedenten auf; er hat grundsätzlich keine vertragliche Beziehung zum ursprünglichen Versicherungsnehmer. In der fachsprachlichen Terminologie wird der Rückversicherer als Zessionär bezeichnet, weil er das vom Zedenten zedierte Risiko übernimmt.
Übernahmeformen
Im Vertragsrückversicherungsgeschäft übernimmt der Rückversicherer automatisch alle Risiken innerhalb eines vereinbarten Bestands. In der fakultativen Rückversicherung entscheidet er dagegen von Fall zu Fall über Annahme, Anteil und Bedingungen jedes Einzelrisikos.
Retrozession
Gibt ein Rückversicherer übernommene Risiken seinerseits an einen weiteren Rückversicherer weiter, wird er selbst zum Retrozedenten; sein Vertragspartner ist dann der Retrozessionär. Solche Ketten dienen der weiteren Diversifikation von Grossrisiken und Kumulschäden über den globalen Rückversicherungsmarkt.
Rückversicherungsdepot (Reinsurance Deposit)
Synonyme: Reinsurance Deposit, Depotverfahren
Das Rückversicherungsdepot ist ein vom Zedenten einbehaltener oder vom Rückversicherer hinterlegter Sicherheitsbetrag zur Absicherung offener Verpflichtungen aus dem Rückversicherungsvertrag.
Begriff
Das Rückversicherungsdepot ist ein Sicherheitsbetrag, der zur Absicherung der Verpflichtungen aus einem Rückversicherungsvertrag entweder vom Zedenten von der an den Rückversicherer abzuführenden Prämie einbehalten oder vom Rückversicherer bei einer dritten Stelle (etwa einer Bank oder einem Treuhänder) hinterlegt wird.
Zweck des Depotverfahrens
Das Depotverfahren dient dazu, den Zedenten gegen das Ausfallrisiko des Rückversicherers abzusichern, insbesondere wenn der Rückversicherer keine ausreichende Bonität besitzt oder in einer anderen Aufsichtsjurisdiktion ansässig ist, in der die aufsichtsrechtliche Durchsetzbarkeit von Zahlungsansprüchen weniger verlässlich erscheint; im Schadenfall kann der Zedent auf das Depot zugreifen, ohne auf die tatsächliche Zahlung durch den Rückversicherer warten zu müssen.
Bilanzielle Behandlung
Das Rückversicherungsdepot wird bilanziell regelmässig als Verbindlichkeit des Zedenten gegenüber dem Rückversicherer (bei einbehaltenem Depot) oder als Forderung des Zedenten gegenüber einer dritten Verwahrstelle ausgewiesen und unterliegt je nach Rechnungslegungsstandard spezifischen Ausweis- und Bewertungsvorschriften.
Rückversicherungsmakler
Synonyme: Reinsurance Broker
Der Rückversicherungsmakler vermittelt und strukturiert im Auftrag eines Zedenten Rückversicherungsverträge und begleitet deren Platzierung am Markt.
Begriff
Der Rückversicherungsmakler ist ein unabhängiger Vermittler, der im Auftrag eines Zedenten (Erstversicherer oder Rückversicherer) den Bedarf an Rückversicherungsschutz analysiert, geeignete Vertragsstrukturen entwickelt und deren Platzierung am nationalen und internationalen Rückversicherungsmarkt organisiert.
Aufgaben
Zu den Aufgaben des Rückversicherungsmaklers zählen die Aufbereitung von Risikoinformationen (Submission), die Ansprache geeigneter Rückversicherer, die Verhandlung von Konditionen und Klauseln, die Koordination der Zeichnung durch mehrere Rückversicherer sowie häufig die laufende Vertragsverwaltung einschliesslich Bordereau- und Abrechnungswesen.
Vergütung und Interessenkonflikte
Rückversicherungsmakler werden regelmässig durch eine Courtage vergütet, die vom platzierten Rückversicherer an den Makler gezahlt wird, was in der Praxis potenzielle Interessenkonflikte mit sich bringt und Transparenzanforderungen an die Offenlegung der Vergütungsstruktur gegenüber dem Zedenten begründet.
Vertragsrückversicherung (Treaty)
Synonyme: Treaty Reinsurance, Obligatorische Rückversicherung
Die Vertragsrückversicherung ist eine Rückversicherungsform, bei der der Rückversicherer verpflichtet ist, alle Risiken eines definierten Portefeuilles des Zedenten automatisch zu übernehmen.
Funktionsweise
Im Treaty definieren Zedent und Rückversicherer vorab ein Portefeuille (etwa eine Sparte, ein Segment oder ein geografischer Bestand). Alle darunter fallenden Risiken sind automatisch rückgedeckt – ohne Einzelfallprüfung. Das gibt dem Erstversicherer planbare Kapazität und stabile Zeichnungsmöglichkeiten.
Proportional und nicht-proportional
Proportionale Formen (Quote, Summenexzedent) teilen Prämien und Schäden in einem festgelegten Verhältnis. Nicht-proportionale Formen (Schadenexzedent, Stop Loss) greifen erst oberhalb einer Priorität und schützen vor Gross- und Kumulschäden.
Abgrenzung
Für Einzelrisiken ausserhalb des Treaty-Rahmens oder oberhalb der Vertragskapazität wird fakultative Rückversicherung eingesetzt.
Zedent
Synonyme: Zedierendes Unternehmen, Ceding Company
Der Zedent ist der Erstversicherer, der Risiken aus seinem Bestand ganz oder teilweise an einen Rückversicherer abgibt (zediert).
Rolle im Risikotransfer
Der Zedent bleibt gegenüber dem Versicherungsnehmer allein leistungspflichtig; die Rückversicherung wirkt nur im Innenverhältnis. Der Versicherungsnehmer hat grundsätzlich keinen direkten Anspruch gegen den Rückversicherer – Ausnahmen schaffen Cut-Through-Klauseln.
Pflichten
Den Zedenten treffen vorvertragliche Informationspflichten über das zedierte Geschäft, laufende Bordereau- und Abrechnungspflichten sowie – je nach Vertrag – Mitwirkungspflichten in der Schadenbearbeitung. Grundlage ist das Prinzip von Treu und Glauben (utmost good faith).
Retrozession
Gibt ein Rückversicherer übernommene Risiken seinerseits weiter, wird er zum Retrozedenten; der übernehmende Rückversicherer ist Retrozessionar.
Zeichnungsjahr
Synonyme: Underwriting Year
Das Zeichnungsjahr ist das Jahr, in dem die Risikotragung eines Vertrags beginnt, und dient als Bezugsgrösse für Zeichnung, Reservierung und Ergebnisanalyse im Erst- und Rückversicherungsgeschäft.
Bedeutung als Bezugsgrösse
Bei einer Rückversicherung auf Zeichnungsjahrbasis übernimmt der Rückversicherer die Deckung für alle Risiken, deren Vertragsbeginn in das betreffende Jahr fällt – unabhängig davon, wann Schäden später eintreten oder gemeldet werden. Das Zeichnungsjahr bleibt damit über die gesamte Abwicklungsdauer eines Vertrags die massgebliche Zuordnungsgrösse.
Abgrenzung zu anderen Bilanzierungsbasen
Alternativ zur Zeichnungsjahrbasis existieren die Schadenjahrbasis (Zuordnung nach Schadeneintritt) und die Geschäftsjahrbasis (Zuordnung nach Buchungsjahr). Die Wahl der Basis beeinflusst massgeblich, wie schnell ein Rückversicherungsergebnis als abgeschlossen gilt und wie IBNR-Reserven gebildet werden.
Praxisrelevanz
Zeichnungsjahrergebnisse werden über mehrere Jahre nachbeobachtet (“Run-off”), bevor sie als final gelten. Für die Steuerung von Rückversicherungsprogrammen sind Entwicklungsdreiecke je Zeichnungsjahr ein zentrales Instrument der Ergebnis- und Reserveanalyse.
Zession
Synonyme: Risikoabtretung
Die Zession ist die Abtretung eines Risikos oder Risikoanteils durch den Erstversicherer (Zedent) an einen Rückversicherer (Zessionär) gegen Zahlung einer Rückversicherungsprämie.
Rechtsnatur
Die Zession vollzieht sich ausschliesslich im Innenverhältnis zwischen Zedent und Rückversicherer; der ursprüngliche Versicherungsvertrag mit dem Versicherungsnehmer bleibt davon unberührt. Gegenstand der Zession ist stets ein bereits vom Zedenten gezeichnetes Risiko oder ein definierter Anteil daran, nicht das Originalrisiko selbst.
Formen
Die Zession kann fakultativ (Einzelrisiko) oder im Rahmen eines Vertragsrückversicherungsvertrags automatisch erfolgen. In der proportionalen Rückversicherung wird ein fester Anteil an Prämie und Schäden zediert, in der nichtproportionalen Rückversicherung wird stattdessen eine Priorität vereinbart.
Retrozession
Gibt ein Rückversicherer seinerseits übernommene Risiken weiter, spricht man von Retrozession; der abgebende Rückversicherer wird zum Retrozedenten, der übernehmende zum Retrozessionär. Solche Kettenzessionen dienen der weiteren Diversifikation von Grossrisiken über den globalen Markt.
Zessionslimit
Synonyme: Zessionsgrenze
Das Zessionslimit ist die zwischen Zedent und Rückversicherer vereinbarte maximale Beteiligungshöhe eines Rückversicherers an einem Risiko oder Vertrag.
Funktion
Das Zessionslimit begrenzt, welchen Anteil eines Risikos ein Rückversicherer im Rahmen eines Vertragsrückversicherungsvertrags maximal übernimmt. Es schützt den Rückversicherer vor unkontrollierter Risikokumulation innerhalb eines automatisch gezeichneten Bestands und ist damit ein zentraler Parameter der Vertragsgestaltung.
Ausgestaltung nach Vertragsform
In der Quotenrückversicherung entspricht das Zessionslimit pro Risiko meist der vereinbarten maximalen Versicherungssumme beziehungsweise – in der Sachversicherung – dem Höchstschaden (PML). In der Summenexzedenten-Rückversicherung wird das Zessionslimit dagegen als ganzzahliges Vielfaches des Selbstbehalts des Zedenten berechnet und bildet damit die Anzahl der gezeichneten Linien ab.
Praxishinweis
Risiken, deren Versicherungssumme oder Schadenpotenzial das vereinbarte Zessionslimit übersteigt, fallen aus dem Vertrag und müssen fakultativ platziert werden. Eine korrekte Einschätzung des Zessionslimits setzt daher eine belastbare Exponierungs- und PML-Analyse voraus.
Zweitrisikodeckung
Synonyme: Excess Cover, Höherdeckung
Die Zweitrisikodeckung ist eine nachgelagerte, allein vom Rückversicherer getragene Deckung, die erst nach Verbrauch der vorangehenden, vom Erstversicherer getragenen Deckung (erstes Risiko) einsetzt.
Funktionsweise
Bei der Zweitrisikodeckung übernimmt der Erstversicherer nur die erste, untere Schicht eines Risikos (“erstes Risiko”). Übersteigt der Schaden diese Schicht, greift eine nachgelagerte Deckung, die ausschliesslich vom Rückversicherer getragen wird. Der Erstversicherer selbst haftet für diese Höherdeckung nicht.
Prämienverteilung
Das vom Versicherungsnehmer für die nachgelagerte Deckung entrichtete Entgelt erhält der Rückversicherer vom Erstversicherer vollständig, abzüglich der Vertriebsaufwendungen des Erstversicherers. Dies unterscheidet die Zweitrisikodeckung von klassischer Summenexzedenten-Rückversicherung, bei der der Erstversicherer selbst an der oberen Schicht mithaftet.
Praxisrelevanz
Zweitrisikodeckungen kommen vor allem bei Grossrisiken zum Einsatz, deren Gesamtversicherungssumme die Zeichnungskapazität oder das Zessionslimit des Erstversicherers deutlich übersteigt. Sie ermöglichen eine klare Trennung von Erst- und Rückversicherungshaftung entlang der Schadenhöhe.