Zustandsüberwachung und Predictive Maintenance
Zustandsüberwachung erfasst systematisch Messgrössen wie Schwingung, Temperatur oder Ölqualität, um den technischen Zustand von Maschinen laufend zu beurteilen und Instandhaltungsmassnahmen vorausschauend statt reaktiv zu planen.
Vom Kalender zur Kennzahl
Während zeit- oder laufleistungsbasierte Instandhaltung Wartungsintervalle unabhängig vom tatsächlichen Zustand festlegt, misst Zustandsüberwachung fortlaufend Parameter wie Schwingung, Lager- und Wickeltemperatur, Ölanalytik oder elektrische Kennwerte und vergleicht sie mit Referenz- und Alarmwerten. Dadurch werden Instandhaltungsmassnahmen ausgelöst, wenn ein tatsächlicher Verschleiss- oder Fehlertrend erkennbar ist, statt nach einem starren Kalenderplan.
Aufbau eines Überwachungsprogramms
Ein wirksames Programm beginnt mit einer Kritikalitätsanalyse, die festlegt, welche Aggregate aufgrund ihrer Bedeutung für Betrieb und Sicherheit eine kontinuierliche oder periodische Überwachung rechtfertigen. Für jede Messgrösse werden Erfassungsmethode, Messintervall sowie Warn- und Abschaltgrenzwerte definiert; die Datenauswertung reicht von einfachen Trendkurven bis zu automatisierten Diagnosealgorithmen, die Fehlerursachen eingrenzen. Thermografie ist dabei eine von mehreren Einzeltechniken innerhalb eines umfassenden Zustandsüberwachungsprogramms.
Versicherungsrelevanz
Ein dokumentiertes Zustandsüberwachungsprogramm mit nachvollziehbaren Auslösekriterien für Instandhaltungsmassnahmen ist für Maschinen- und Betriebsunterbrechungsversicherer ein starkes Indiz für ein systematisch geführtes Risiko, insbesondere bei kritischen Einzelaggregaten ohne Redundanz. Fehlt eine solche Überwachung an Schlüsselmaschinen, wird dies bei der Risikoprüfung regelmässig als Schwachstelle vermerkt.
Normen und Regelwerke
- ISO 17359:2018 – Zustandsüberwachung und Diagnostik von Maschinen, Allgemeine Anleitungen