Risk Engineering

Stillstands- und Anfahrrisiken

Von Experten geprüft Aktualisiert: 2026-09-01 Fachlich geprüft: 2026-09-04 (Guido Hesse, Hesse Group Holding AG) Version 0.1.0

Stillstands- und Anfahrrisiken entstehen, wenn Betriebe oder Anlagenteile vorübergehend ausser Betrieb genommen oder wieder angefahren werden, da in dieser Phase Überwachung, Schutzeinrichtungen und eingespielte Abläufe reduziert sind.

Warum Stillstand und Anfahrt kritisch sind

Bei Betriebsferien, saisonalen Stillständen oder der Aufgabe von Betriebsteilen entfallen zwar die produktionsspezifischen Risiken, gleichzeitig entstehen aber neue Gefahren: Eine frühe Branderkennung durch Personal ist nicht zu erwarten, da niemand ständig anwesend ist, während Brandstiftung, Diebstahl und Vandalismus zusätzliche Angriffsflächen finden. Beim Wiederanfahren von Prozessanlagen treten überproportional viele Störfälle auf, weil Anlagenzustände von den Bedingungen des Normalbetriebs abweichen und Betriebspersonal ungewohnte Handgriffe unter Zeitdruck ausführt.

Schutzmassnahmen

Vor einer Stilllegung sind Zündquellen und Brandlasten zu minimieren, die Funktionsbereitschaft aller Sicherheitseinrichtungen sicherzustellen und der Versicherer über die geplante Massnahme zu informieren, damit die Gefährdungseinschätzung überprüft werden kann. Die stillgelegte Betriebsstätte ist regelmässig zu begehen und zu bewachen. Vor dem Wiederanfahren stellt eine Pre-Startup-Sicherheitsprüfung sicher, dass Anlagenzustand, Schutzeinrichtungen und Dokumentation dem freigegebenen Sollzustand entsprechen, bevor der Prozess wieder in Betrieb geht.

Versicherungsrelevanz

Sachversicherer verlangen bei geplanten längeren Stillständen frühzeitige Meldung und angepasste Sicherheitsmassnahmen, da unbewachte, stillgelegte Betriebsstätten und unkontrollierte Wiederanfahrten überdurchschnittlich häufig zu Grossschäden führen.

Normen und Regelwerke

  • VdS 2000-S1 – Betriebsstilllegung (Themenspezifische Ergänzung des Leitfadens zum Brandschutz im Betrieb – VdS 2000)