Prozesssicherheitsmanagement (PSM)
Prozesssicherheitsmanagement ist ein systematisches Managementsystem zur Verhütung von Grossereignissen wie Freisetzungen, Bränden und Explosionen in verfahrenstechnischen Anlagen, das über einzelne technische Schutzmassnahmen hinausgeht.
Abgrenzung zum Gefährdungsprofil
Während das Gefährdungsprofil einer chemischen oder petrochemischen Anlage beschreibt, welche stofflichen Risiken vorliegen, beschreibt Prozesssicherheitsmanagement das methodische Vorgehen, mit dem diese Risiken über den gesamten Anlagenlebenszyklus systematisch identifiziert, bewertet und kontrolliert werden. PSM ist damit kein Ersatz für branchenspezifische Schutzkonzepte, sondern das übergeordnete Managementsystem, das deren konsequente Umsetzung sicherstellt – von der Auslegung über den Betrieb bis zur Stilllegung einer Anlage.
Kernelemente
Anerkannte PSM-Rahmenwerke gliedern sich typischerweise in Elemente wie Prozesswissen-Management, Gefährdungsidentifikation und Risikoanalyse, Änderungsmanagement, Betriebsanweisungen, Anlagenintegrität, Fremdfirmenmanagement, Notfallplanung sowie Vorfalluntersuchung und Audits. Entscheidend ist, dass diese Elemente nicht isoliert, sondern als zusammenhängendes System betrieben werden, da Grossereignisse in der Prozessindustrie regelmässig auf das Versagen mehrerer Barrieren gleichzeitig zurückzuführen sind.
Versicherungsrelevanz
Für Sach- und Betriebshaftpflichtversicherer ist der Reifegrad des Prozesssicherheitsmanagements ein wesentlicher, oft unterschätzter Faktor der Risikoeinschätzung, da er Aussagen über die Eintrittswahrscheinlichkeit von Grossereignissen erlaubt, die durch reine Objektbesichtigung nicht erkennbar sind. Ein dokumentiertes, gelebtes PSM-System – etwa nachgewiesen durch ein Managementsystem nach anerkannten Standards – wird bei der Risikobeurteilung entsprechend positiv berücksichtigt.
Gesetzliche Grundlage
- CH: SR 814.012
Normen und Regelwerke
- FM Data Sheet 7-43: Process Safety