Selbstentzündung
Selbstentzündung ist die Entstehung eines Brandes durch eine im Material selbst ablaufende exotherme Oxidations- oder Zersetzungs- reaktion, die sich ohne äussere Zündquelle bis zur Zündtemperatur aufschaukelt.
Gefährdungsbild
Bestimmte Materialien setzen bei ihrer chemischen Zersetzung oder Oxidation kontinuierlich Wärme frei; wird diese Wärme nicht durch Luftzirkulation abgeführt, steigt die Temperatur im Materialinnern allmählich an, bis die Zündtemperatur erreicht wird – ganz ohne Funken, offene Flamme oder andere äussere Zündquelle. Typische Risikomaterialien sind öl- oder lackgetränkte Putzlappen, Heu und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse, Kohle, ölhaltige Ölsaaten sowie bestimmte Chemikalien und Abfallstoffe; grosse, dicht gelagerte Haufen wirken dabei wie eine Wärmedämmung, die die Selbsterhitzung begünstigt.
Schutzmassnahmen
Die wirksamste Massnahme ist eine konsequente Betriebshygiene: getränkte Putzlappen und ähnliche Abfälle gehören in geschlossene, nichtbrennbare Behälter und sind regelmässig, mindestens täglich, aus dem Betrieb zu entfernen. Grössere Mengen selbsterhitzungsgefährdeter Schüttgüter erfordern eine Begrenzung der Haufengrösse, ausreichende Belüftung und regelmässige Temperaturüberwachung, insbesondere bei Materialien, die im Transportrecht als selbstentzündliche Stoffe der Klasse 4.2 eingestuft sind. Eine Trennung von anderen Brandlasten begrenzt zudem die Folgen, falls es doch zur Entzündung kommt.
Versicherungsrelevanz
Selbstentzündungsbrände entstehen häufig ausserhalb der Betriebszeiten und werden erst spät entdeckt, da keine äussere Zündquelle vorausgeht, die auf eine Gefährdung hindeutet. Sachversicherer bewerten deshalb bei Betrieben mit entsprechenden Materialien gezielt die Abfall- und Lagerhygiene sowie die Einhaltung von Haufengrössen- und Belüftungsvorgaben als Indikator für ein systematisch geführtes Risiko.