Schadenschätzung (MFL/EML)
Die Schadenschätzung (MFL/EML) ist die risikoingenieurtechnische Methodik, mit der für ein Sach- und Betriebsunterbrechungsrisiko der grösste realistischerweise zu erwartende Schaden hergeleitet wird, und bildet damit die fachliche Grundlage für den Höchstschaden-Begriff (PML).
Begriffe und Abgrenzung
Der Maximum Foreseeable Loss (MFL) unterstellt den vollständigen Ausfall aller Schutzeinrichtungen – Sprinkler, Brandmauern, Werkfeuerwehr – und bildet den theoretischen Extremfall. Der Estimated Maximum Loss (EML), in vielen Märkten sinngemäss mit dem Höchstschaden (PML) gleichgesetzt, geht von einem realistisch ungünstigen Szenario aus, bei dem wesentliche, aber nicht alle Schutzmassnahmen wirken. Für die Betriebsunterbrechung tritt die Normal Loss Expectancy als Ertragsausfall-Pendant hinzu.
Vorgehen
Grundlage ist die Risikobesichtigung: Brandabschnittsgrössen, Abstände, Sprinklerdichte sowie Wiederbeschaffungs- und Wiederanlaufzeiten werden zu einem Schadenszenario verdichtet. Für die Betriebsunterbrechung ergänzt eine Worst-Case-Analyse der Haftzeit die Sachschadenschätzung; Interdependenzschäden zwischen Konzerngesellschaften und kritischen Lieferanten werden gesondert quantifiziert.
Versicherungsrelevanz
Die Ergebnisse bestimmen Zeichnungskapazität, Mitversicherungsanteile, Rückversicherungsstruktur und Selbstbehalte je Standort. Systematisch zu niedrig angesetzte Versicherungssummen oder Haftzeiten zeigen sich regelmässig erst im Grossschadenfall als Deckungslücke.
Normen und Regelwerke
- ISO 31000:2018 – Risk management — Guidelines