Feuerwiderstand von Bauteilen
Der Feuerwiderstand von Bauteilen bezeichnet die genormte Zeitspanne, über die Wände, Decken, Stützen und andere Bauteile ihre Tragfähigkeit, ihren Raumabschluss und ihre Wärmedämmung im Brandfall aufrechterhalten.
Klassifizierung
Bauteile werden nach Feuerwiderstandsdauer (z.B. 30, 60, 90 oder 180 Minuten) sowie nach ihrer Funktion – tragend, raumabschliessend, beides – klassifiziert. Massgeblich sind genormte Prüfungen, in denen Prüfkörper einem definierten Temperaturverlauf ausgesetzt werden, bis Tragfähigkeit, Raumabschluss oder Wärmedämmung versagen. Die national teils unterschiedlichen Klassenbezeichnungen (F90, R90, REI 90) lassen sich über internationale Klassifizierungsnormen einander zuordnen.
Bedeutung für Bauwerk und Nutzung
Die geforderte Feuerwiderstandsklasse eines Bauteils ergibt sich aus Gebäudehöhe, Nutzung, Fluchtwegkonzept und Brandabschnittsgrösse. Nachträgliche Eingriffe – zusätzliche Durchbrüche, Verkleidungen aus brennbaren Materialien, unsachgemäss reparierte Putzschichten – können den geprüften Feuerwiderstand deutlich reduzieren, ohne dass dies äusserlich erkennbar ist.
Versicherungsrelevanz
Für die Risikoprüfung ist der dokumentierte Feuerwiderstand tragender und trennender Bauteile eine zentrale Grösse zur Einschätzung von Brandausbreitung und Schadenpotenzial. Fehlt eine Nachweisdokumentation, insbesondere bei älteren oder mehrfach umgebauten Gebäuden, ist der tatsächliche Feuerwiderstand oft nur mit Unsicherheit einzuschätzen und wird konservativ bewertet.
Normen und Regelwerke
- VdS 6048 – Bauaufsichtliche Anforderungen, Zuordnung der Baustoff- und Feuerwiderstandsklassen (international)