Bonität/Rating
Bonität/Rating erfasst die externe oder interne Bewertung der Kreditwürdigkeit eines Antragstellers oder seiner Geschäftspartner – eine in Kredit-, Kautions- und D&O-Anträgen regelmässig abgefragte Angabe.
- Kategorie
- Finanzen/Governance
- Datentyp
- Auswahl
- Risikotreiber
- Schadenhöhe, Schadenhäufigkeit, Kumul
- Wirkung auf Underwriting
- Prämie, Selbstbehalt, Sublimite, Ablehnung
Typische Antragsfragen
- Welches externe Rating besitzt der Antragsteller aktuell, und von welcher Agentur wurde es vergeben?
- Wurde das Rating innerhalb der letzten 24 Monate herabgestuft, mit negativem Ausblick versehen oder entzogen?
- Welches interne Scoring-Modell wird zur Bewertung wesentlicher Debitoren oder Geschäftspartner eingesetzt?
Nachweise
- Rating-Agentur-Report
- Jüngster geprüfter Jahresabschluss
- Dokumentation des internen Kreditscorings
Warum relevant für das Underwriting
Das Rating ist ein direkter Indikator für die Ausfallwahrscheinlichkeit und beeinflusst mehrere Sparten gleichzeitig: Es steuert die Limitenvergabe in der Kreditversicherung, fliesst in die Beurteilung der Stärke eines Kautionsnehmers ein und prägt die eingeschätzte Wahrscheinlichkeit insolvenzbedingter D&O-Ansprüche. Eine Herabstufung ist oft das erste Signal einer sich verschlechternden Lage, lange vor einem formellen Ausfall, was das Rating zu einem vorlaufenden Indikator für Preis- und Limitenentscheide macht.
Erfassung und Nachweise
Antragsformulare fragen, welche Agentur den Antragsteller oder dessen wesentliche Debitoren bewertet, welches Rating und welcher Ausblick vorliegen und ob jüngst eine Rating-Massnahme erfolgt ist. Fehlt ein externes Rating, stützen sich Underwriter auf interne Scoring-Modelle auf Basis von Bilanzkennzahlen und Zahlungsverhalten. Als Nachweise dienen der Rating-Agentur-Report, der jüngste geprüfte Jahresabschluss sowie das eigene Scoring-Ergebnis des Versicherers für wesentliche Debitoren.
Wirkung auf Deckung, Prämie und Bedingungen
Investment-Grade- oder stabile Ratings unterstützen breitere Limiten, tiefere Prämiensätze und weniger debitorenspezifische Ausschlüsse. Sub-Investment-Grade-Ratings, jüngste Herabstufungen oder ein fehlendes überprüfbares Rating führen zu engeren Limiten, höheren Selbstbehalten, Überwachungsauflagen oder zur Ablehnung der am stärksten exponierten Gegenparteien, insbesondere in der Kredit- und Kautionsversicherung.
Massnahmen
Antragsteller stärken ihre Position, indem sie ein aktives, aktuelles Rating pflegen, Rating-Massnahmen zeitnah offenlegen und ihre Forderungen diversifizieren, sodass eine einzelne Herabstufung das Gesamtportfolio nicht wesentlich belastet. Bei volatilen Ratings können Versicherer häufigere Finanzberichterstattung oder kürzere Überprüfungszyklen verlangen, um die Prämiengestaltung an die aktuelle Bonität anzupassen.
Normen und Regelwerke
- ISO 31000:2018 – Risk management, Guidelines