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Kapitalanlage

Von Experten geprüft 20 Begriffe Aktualisiert: 2026-08-31

Kapitalanlage: 20 Fachbegriffe kurz erklärt – Definition, Synonyme und gesetzliche Grundlage.

Aktienrisiko

Synonyme: Equity Risk, Aktienkursrisiko

Das Aktienrisiko ist das Risiko von Wertverlusten aus Aktienanlagen infolge von Kursschwankungen an den Kapitalmärkten und ein Teilrisiko des Marktrisikomoduls unter Solvency II.

Begriff

Das Aktienrisiko bezeichnet das Risiko, dass sich der Wert der Aktienanlagen eines Versicherungsunternehmens infolge von Kursschwankungen an den Kapitalmärkten nachteilig verändert. Es zählt zu den wesentlichen Teilrisiken des Marktrisikos.

Behandlung unter Solvency II

Im Rahmen der Solvenzkapitalanforderung (SCR) nach Solvency II wird das Aktienrisiko im Marktrisikomodul separat quantifiziert. Dabei wird zwischen “Typ 1”-Aktien (börsennotierte Aktien aus OECD- und EWR-Mitgliedstaaten) und “Typ 2”-Aktien (übrige Aktien, einschliesslich nicht börsennotierter und alternativer Anlagen) unterschieden, für die unterschiedliche Stressfaktoren gelten.

Steuerung

Versicherer steuern das Aktienrisiko durch Diversifikation über Branchen und Regionen, durch Absicherungsstrategien mittels Derivaten sowie durch die Festlegung einer der Risikotragfähigkeit entsprechenden strategischen Aktienquote im Rahmen der Asset Allocation.

Gesetzliche Grundlage: EU: Solvency II Delegated Regulation (EU) 2015/35

Asset Allocation

Synonyme: Vermögensaufteilung, Anlageallokation

Asset Allocation ist die strategische Aufteilung eines Kapitalanlage- portfolios auf verschiedene Anlageklassen zur Optimierung von Rendite und Risiko.

Begriff

Asset Allocation bezeichnet die strategische Verteilung des Kapitalanlagevermögens eines Investors – etwa eines Versicherungsunternehmens – auf unterschiedliche Anlageklassen wie Anleihen, Aktien, Immobilien und alternative Anlagen. Ziel ist es, ein für das jeweilige Rendite-Risiko-Profil optimales Portfolio zu bilden.

Strategische versus taktische Asset Allocation

Man unterscheidet die strategische Asset Allocation, die langfristige Zielquoten je Anlageklasse festlegt, von der taktischen Asset Allocation, die kurzfristige Abweichungen von diesen Zielquoten zur Ausnutzung von Marktchancen vorsieht.

Bedeutung für Versicherer

Bei Versicherungsunternehmen wird die Asset Allocation massgeblich durch die Struktur der Verbindlichkeiten (Duration, Liquiditätsbedarf, Garantien) sowie durch regulatorische Solvabilitätsanforderungen bestimmt und ist eng mit dem Asset Liability Management verzahnt.

Asset Backed Securities (ABS)

Synonyme: ABS, Forderungsbesicherte Wertpapiere

Asset Backed Securities sind Wertpapiere, die durch einen Pool von Forderungen oder anderen Vermögenswerten besichert und deren Zahlungsströme daraus bedient werden.

Begriff

Asset Backed Securities (ABS) sind strukturierte Wertpapiere, die durch einen Pool von Vermögenswerten – zum Beispiel Kreditforderungen, Leasingforderungen oder Kreditkartenforderungen – besichert sind. Die Zins- und Tilgungszahlungen an die Investoren werden aus den Zahlungsströmen dieser zugrunde liegenden Forderungen bedient.

Struktur

Im Rahmen einer Verbriefungstransaktion werden die Forderungen typischerweise auf eine eigens hierfür gegründete Zweckgesellschaft (Special Purpose Vehicle) übertragen, welche die ABS emittiert. Dies trennt das Kreditrisiko der zugrunde liegenden Forderungen vom Bilanzrisiko des ursprünglichen Forderungsinhabers.

Bedeutung für Versicherer

Versicherungsunternehmen investieren als institutionelle Anleger in ABS, um ihr Anlageportfolio zu diversifizieren und zusätzliche Renditequellen zu erschliessen. Dabei sind eine sorgfältige Bonitäts- und Strukturprüfung sowie die regulatorische Behandlung nach Solvency II (Spread-Risiko, Verbriefungsquote) von besonderer Bedeutung.

Asset Liability Management (ALM)

Synonyme: ALM, Aktiv-Passiv-Management

Asset Liability Management ist die integrierte Steuerung von Kapitalanlagen und Verbindlichkeiten eines Versicherers zur Begrenzung von Zins-, Liquiditäts- und Fristigkeitsrisiken.

Begriff

Asset Liability Management (ALM) bezeichnet die integrierte, koordinierte Steuerung der Aktiv- und Passivseite der Bilanz eines Versicherungsunternehmens. Ziel ist es, Kapitalanlagen so zu strukturieren, dass sie den Charakteristika der Verbindlichkeiten – insbesondere hinsichtlich Zahlungszeitpunkten, Duration und Zinssensitivität – möglichst gut entsprechen.

Zielsetzung

Durch ein wirksames ALM sollen Zinsänderungsrisiken, Liquiditätsrisiken und Fristigkeitsinkongruenzen zwischen Kapitalanlagen und Verpflichtungen minimiert werden. Dies ist besonders in der Lebensversicherung mit langlaufenden Garantieverpflichtungen von zentraler Bedeutung.

Regulatorischer Bezug

Unter Solvency II fliessen ALM-Überlegungen unmittelbar in die Berechnung des Zinsänderungsrisikos und in das unternehmenseigene Risiko- und Solvabilitätsbeurteilungsverfahren (ORSA) ein. Ein robustes ALM-Rahmenwerk gilt als Kernbestandteil eines soliden Risikomanagementsystems.

Asset Liability Modelling

Synonyme: ALM-Modellierung

Asset Liability Modelling ist die simulationsgestützte Analyse des Zusammenspiels von Kapitalanlagen und Verbindlichkeiten eines Versicherers unter verschiedenen Kapitalmarkt- und Geschäftsszenarien.

Begriff

Asset Liability Modelling bezeichnet den Einsatz stochastischer und deterministischer Simulationsmodelle, um das Zusammenspiel von Kapitalanlagen und Verbindlichkeiten eines Versicherungsunternehmens unter unterschiedlichen Kapitalmarkt-, Zins- und versicherungstechnischen Szenarien zu analysieren.

Anwendung

Mithilfe von Asset-Liability-Modellen werden typischerweise Kennzahlen wie der künftige Solvenzkapitalbedarf, die Entwicklung von Überschussbeteiligungen oder die Auswirkungen von Stressszenarien auf die Eigenmittelausstattung projiziert. Die Modelle bilden häufig die technische Grundlage für das unternehmenseigene Risiko- und Solvabilitätsbeurteilungsverfahren (ORSA).

Bedeutung

Ein leistungsfähiges Asset Liability Modelling ermöglicht es dem Management, fundierte Entscheidungen über Kapitalanlagestrategie, Produktgestaltung und Rückversicherungsbedarf zu treffen und die langfristige finanzielle Stabilität des Unternehmens sicherzustellen.

Asset Management

Synonyme: Vermögensverwaltung, Kapitalanlagenmanagement

Asset Management ist die professionelle Verwaltung von Kapitalanlagen im Auftrag von Investoren, einschliesslich Anlageentscheidungen, Überwachung und Reporting.

Begriff

Asset Management bezeichnet die professionelle Verwaltung von Kapitalanlagen im Auftrag von Investoren, einschliesslich Anlageentscheidungen, laufender Überwachung, Risikosteuerung und Berichterstattung. Es kann sowohl intern durch eigene Kapitalanlageabteilungen als auch extern durch spezialisierte Vermögensverwalter erfolgen.

Asset Management bei Versicherern

Versicherungsunternehmen betreiben Asset Management, um die ihnen anvertrauten Prämiengelder und Rückstellungen ertragreich und gleichzeitig sicher anzulegen. Häufig gründen grössere Versicherungsgruppen eigene Asset-Management-Gesellschaften, die sowohl das konzerneigene Kapital als auch Gelder Dritter verwalten.

Regulatorischer Rahmen

Das Asset Management von Versicherern unterliegt dem aufsichtsrechtlichen Grundsatz der unternehmerischen Vorsicht (“Prudent Person Principle”) gemäss Solvency II, wonach Kapitalanlagen so zu tätigen sind, dass Sicherheit, Liquidität und Rentabilität des Gesamtportfolios gewährleistet bleiben.

Asset-Liability-Mismatch-Risiko

Synonyme: Fristeninkongruenzrisiko

Das Asset-Liability-Mismatch-Risiko ist das Risiko, dass Kapitalanlagen und Verbindlichkeiten eines Versicherers hinsichtlich Fristigkeit, Zinsbindung oder Währung nicht ausreichend übereinstimmen.

Begriff

Das Asset-Liability-Mismatch-Risiko beschreibt die Gefahr, dass die Fälligkeitsstruktur, Zinsbindung oder Währung der Kapitalanlagen eines Versicherungsunternehmens nicht hinreichend mit derjenigen seiner Verbindlichkeiten übereinstimmt. Eine solche Inkongruenz kann dazu führen, dass Zahlungsverpflichtungen nicht termingerecht oder nur unter Verlusten erfüllt werden können.

Ursachen

Mismatch-Risiken entstehen unter anderem durch unterschiedliche Durationen von Aktiva und Passiva, durch Zinsgarantien in Lebensversicherungsverträgen, die nicht durch entsprechend langlaufende Kapitalanlagen gedeckt sind, oder durch Währungsinkongruenzen bei internationalem Geschäft.

Steuerung

Versicherer begegnen dem Asset-Liability-Mismatch-Risiko durch ein aktives Asset Liability Management, den Einsatz von Zins- und Währungsderivaten zur Absicherung sowie durch eine an der Struktur der Verbindlichkeiten ausgerichtete Kapitalanlagestrategie. Unter Solvency II wird dieses Risiko im Marktrisikomodul quantifiziert.

Barreserve

Synonyme: Cash Reserve, Liquidity Reserve

Die Barreserve ist der Bestand an sofort verfügbaren Zahlungsmitteln, den ein Versicherer zur Deckung kurzfristiger Zahlungsverpflichtungen vorhält.

Begriff

Die Barreserve ist der Bestand an Bargeld und sofort oder kurzfristig verfügbaren Zahlungsmitteln, den ein Versicherer vorhält, um laufende und kurzfristig fällige Zahlungsverpflichtungen, insbesondere Schadenzahlungen, jederzeit erfüllen zu können.

Bedeutung für das Liquiditätsmanagement

Die angemessene Bemessung der Barreserve ist zentraler Bestandteil des Liquiditätsmanagements eines Versicherers: Eine zu niedrige Barreserve birgt das Risiko, Kapitalanlagen zu einem ungünstigen Zeitpunkt veräussern zu müssen, um Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen, während eine übermässig hohe Barreserve die Kapitalanlageperformance beeinträchtigt, da Bargeld regelmässig geringer verzinst wird als andere Anlageklassen.

Bedeutung bei Grossschadenereignissen

Bei Naturkatastrophen oder anderen Grossschadenereignissen mit einer Vielzahl gleichzeitig eintretender Zahlungsverpflichtungen ist eine ausreichende Barreserve besonders wichtig, um die Zahlungsfähigkeit des Versicherers auch unter Stressbedingungen sicherzustellen, weshalb Liquiditätsplanung regelmässig Bestandteil des Risikomanagements und der Stresstests eines Versicherers ist.

Benchmark

Synonyme: Benchmark Index

Eine Benchmark ist ein Vergleichsmassstab, meist ein Index, an dem die Wertentwicklung einer Kapitalanlage oder eines Portfolios gemessen wird.

Begriff

Eine Benchmark ist ein Vergleichsmassstab, in der Regel ein Marktindex oder ein aus mehreren Indizes zusammengesetztes Referenzportfolio, anhand dessen die relative Wertentwicklung und das Risikoprofil einer Kapitalanlage oder eines Anlageportfolios gemessen und beurteilt wird.

Bedeutung für die Kapitalanlagesteuerung

Versicherer legen für ihre strategische Asset Allocation üblicherweise für jede Anlageklasse eine spezifische Benchmark fest (etwa einen Aktienindex für die Aktienquote oder einen Anleihenindex für die Rentenquote), gegen die die tatsächliche Portfolioperformance regelmässig verglichen wird.

Aktives versus passives Management

Die Benchmark ist zugleich Ausgangspunkt für die Unterscheidung zwischen aktivem Management, das eine Outperformance gegenüber der Benchmark anstrebt, und passivem Management, das die Wertentwicklung der Benchmark möglichst genau nachbilden soll; die Differenz zwischen tatsächlicher Portfolioperformance und Benchmarkperformance wird als Tracking Error oder Alpha bezeichnet.

Bewertungsreserve

Synonyme: Valuation Reserve, Hidden Reserve

Eine Bewertungsreserve ist die stille Reserve, die entsteht, wenn der Marktwert einer Kapitalanlage ihren niedrigeren handelsrechtlichen Buchwert übersteigt.

Begriff

Eine Bewertungsreserve ist die Differenz zwischen dem aktuellen Marktwert (Zeitwert) einer Kapitalanlage und ihrem niedrigeren, nach dem Anschaffungskostenprinzip ermittelten handelsrechtlichen Buchwert; sie stellt eine stille, in der Bilanz nicht ausgewiesene Reserve dar.

Entstehung

Bewertungsreserven entstehen typischerweise bei Anleihen, wenn das aktuelle Marktzinsniveau unter dem Nominalzins der Anleihe liegt, sowie bei Aktien und Immobilien, deren Marktwert seit dem Erwerb gestiegen ist, während der Buchwert unverändert die historischen Anschaffungskosten abzüglich Abschreibungen widerspiegelt.

Beteiligung der Versicherten in der Lebensversicherung

In der deutschen Lebensversicherung sind Versicherungsnehmer nach § 153 VVG grundsätzlich an den Bewertungsreserven der Kapitalanlagen zu beteiligen, die dem jeweiligen Vertrag zuzurechnen sind; diese Beteiligung wird bei Fälligkeit, Kündigung oder Tod ausgezahlt und war in Phasen niedriger Zinsen ein politisch stark diskutiertes Thema, da die Auszahlung an ausscheidende Versicherte zulasten des verbleibenden Bestands gehen kann.

Bonität

Synonyme: Creditworthiness

Bonität ist die Fähigkeit und Bereitschaft eines Schuldners, seinen finanziellen Verpflichtungen fristgerecht und vollständig nachzukommen, und Grundlage von Rating und Kreditrisikoeinschätzung.

Begriff

Bonität bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft eines Schuldners – etwa eines Anleiheemittenten, eines Vertragspartners oder eines Kreditnehmers – seinen finanziellen Verpflichtungen vollständig und fristgerecht nachzukommen.

Messung der Bonität

Die Bonität wird häufig durch externe Ratingagenturen anhand standardisierter Ratingskalen (etwa AAA bis D) bewertet, wobei Kennzahlen wie Verschuldungsgrad, Zinsdeckungsgrad, Liquidität und Ertragskraft sowie qualitative Faktoren wie Managementqualität und Marktposition einfliessen.

Bedeutung für Versicherer

Für Versicherer ist die Bonitätsbewertung sowohl bei der Kapitalanlage (Ausfallrisiko von Anleihen und sonstigen Forderungen) als auch bei der Kreditversicherung (Zahlungsfähigkeit der Abnehmer der versicherten Unternehmen) sowie bei der Beurteilung von Rückversicherern und Vertragspartnern von zentraler Bedeutung und fliesst zudem in die Kapitalanforderungen nach Solvency II ein.

Cash Flow Matching

Synonyme: Zahlungsstromabgleich

Cash Flow Matching ist eine Anlagestrategie, bei der die Zahlungsströme von Kapitalanlagen zeitlich und betragsmässig auf die erwarteten künftigen Versicherungsleistungen abgestimmt werden.

Begriff

Cash Flow Matching ist eine Anlagestrategie im Asset-Liability-Management, bei der die zeitliche Struktur und Höhe der erwarteten Zahlungsströme aus Kapitalanlagen (Zinszahlungen und Tilgungen) möglichst genau auf die erwarteten künftigen Zahlungsverpflichtungen aus Versicherungsverträgen abgestimmt werden.

Funktionsweise

Anders als beim Duration Matching, das lediglich die durchschnittliche Zinssensitivität von Aktiva und Passiva ausgleicht, zielt Cash Flow Matching auf eine möglichst exakte Übereinstimmung einzelner Zahlungstermine und -beträge ab, sodass fällige Kapitalanlagen die jeweils anfallenden Versicherungsleistungen unmittelbar decken, ohne dass Vermögenswerte vorzeitig veräussert oder zusätzliche Mittel beschafft werden müssen.

Anwendungsbereiche und Grenzen

Cash Flow Matching wird insbesondere bei Rentenversicherungen mit gut vorhersehbaren Zahlungsverpflichtungen eingesetzt; die praktische Umsetzung ist jedoch durch die begrenzte Verfügbarkeit von Kapitalanlagen mit exakt passenden Laufzeiten und durch Unsicherheiten in der Prognose der versicherungstechnischen Zahlungsströme (etwa Storno- oder Langlebigkeitsrisiko) eingeschränkt, sodass in der Praxis häufig eine Kombination aus Cash Flow Matching und Duration Matching verwendet wird.

Covered Bond (Pfandbrief)

Synonyme: Gedeckte Schuldverschreibung, Pfandbrief

Ein Covered Bond ist eine besicherte Anleihe, die zusätzlich zur Emittentenhaftung durch einen gesondert abgesicherten Deckungsstock aus hochwertigen Vermögenswerten geschützt ist.

Begriff

Ein Covered Bond ist eine von einem Kreditinstitut begebene, besicherte Anleihe, bei der Investoren nicht nur einen Anspruch gegen den Emittenten haben, sondern zusätzlich durch einen gesondert von der übrigen Bilanz abgesicherten Deckungsstock (Cover Pool) aus hochwertigen Vermögenswerten, meist Hypothekendarlehen oder öffentliche Kredite, geschützt sind.

Doppelter Rückgriff (Dual Recourse)

Das zentrale Merkmal von Covered Bonds ist das Prinzip des doppelten Rückgriffs: Im Insolvenzfall des Emittenten haben die Anleihegläubiger vorrangigen Zugriff auf den Deckungsstock, während sie gleichzeitig weiterhin als gewöhnliche Gläubiger gegen die verbleibende Insolvenzmasse des Emittenten vorgehen können, was Covered Bonds im Vergleich zu unbesicherten Anleihen ein deutlich geringeres Ausfallrisiko verleiht.

Bedeutung für die Kapitalanlage von Versicherern

Covered Bonds wie der deutsche Pfandbrief zählen aufgrund ihres geringen Ausfallrisikos und der günstigen aufsichtsrechtlichen Behandlung unter Solvency II zu den bevorzugten Anlageinstrumenten von Versicherern, die langfristig sichere, gut planbare Kapitalanlagen zur Bedeckung ihrer versicherungstechnischen Verpflichtungen benötigen.

Derivat

Synonyme: Derivative

Ein Derivat ist ein Finanzinstrument, dessen Wert sich von einem zugrunde liegenden Basiswert ableitet, und wird von Versicherern vor allem zur Absicherung von Kapitalanlagerisiken eingesetzt.

Begriff

Ein Derivat ist ein Finanzinstrument, dessen Wert sich von der Wertentwicklung eines zugrunde liegenden Basiswerts (etwa einer Aktie, einem Zinssatz, einem Index oder einer Währung) ableitet, ohne dass der Basiswert selbst unmittelbar erworben werden muss.

Gängige Derivatarten

Zu den in der Versicherungswirtschaft am häufigsten eingesetzten Derivaten zählen Zinsswaps zur Absicherung von Zinsänderungsrisiken, Devisentermingeschäfte zur Absicherung von Währungsrisiken bei internationalen Kapitalanlagen sowie Optionen zur Absicherung von Aktienkursrisiken, etwa im Zusammenhang mit garantierten Ablaufleistungen fondsgebundener Lebensversicherungen.

Regulatorische Behandlung

Der Einsatz von Derivaten durch Versicherer unterliegt aufsichtsrechtlichen Beschränkungen, die den Einsatz grundsätzlich auf Zwecke der Risikoreduktion und des effizienten Portfoliomanagements begrenzen; unter Solvency II wird das mit Derivatepositionen verbundene Risiko im Rahmen des Marktrisikomoduls der Standardformel oder eines internen Modells kapitalunterlegt, wobei der risikomindernde Effekt eines Hedge-Geschäfts unter bestimmten Voraussetzungen anerkannt werden kann.

Diversifikation

Synonyme: Diversification

Diversifikation reduziert das Gesamtrisiko eines Portfolios oder Versicherungsbestands durch die Streuung über wenig korrelierte Risiken, Anlageklassen oder Sparten.

Begriff

Diversifikation ist das Prinzip, das Gesamtrisiko eines Portfolios oder Versicherungsbestands durch die Streuung über eine Vielzahl von möglichst wenig korrelierten Einzelrisiken, Anlageklassen, Regionen oder Versicherungssparten zu reduzieren, sodass sich negative Entwicklungen in einem Teilbereich durch stabile oder positive Entwicklungen in anderen Teilbereichen zumindest teilweise ausgleichen.

Diversifikation in der Kapitalanlage

In der Kapitalanlage wird Diversifikation durch die Streuung über verschiedene Anlageklassen (Aktien, Anleihen, Immobilien), Regionen, Branchen und Emittenten erreicht, wodurch das unsystematische, unternehmensspezifische Risiko reduziert werden kann, während das systematische Marktrisiko durch Diversifikation nicht eliminierbar ist.

Diversifikation im Versicherungsgeschäft und unter Solvency II

Im Versicherungsgeschäft entsteht Diversifikation durch die Zusammenfassung einer grossen Anzahl unabhängiger oder wenig korrelierter Einzelrisiken innerhalb einer Sparte sowie durch die Streuung über mehrere Sparten und Regionen hinweg; das Standardmodell von Solvency II berücksichtigt Diversifikationseffekte explizit durch Korrelationsmatrizen bei der Aggregation der Kapitalanforderungen für die einzelnen Risikomodule, wodurch sich die Gesamtkapitalanforderung eines diversifizierten Versicherers reduziert.

Duration

Synonyme: Zinssensitivität

Die Duration misst die durchschnittliche Kapitalbindungsdauer eines festverzinslichen Wertpapiers oder eines Portfolios und dessen Sensitivität gegenüber Zinsänderungen.

Begriff

Die Duration ist eine Kennzahl, die die durchschnittliche, mit den Barwerten der Zahlungsströme gewichtete Kapitalbindungsdauer eines festverzinslichen Wertpapiers oder eines Portfolios misst und zugleich als Näherungsmass für dessen Sensitivität gegenüber Änderungen des Marktzinsniveaus dient.

Macaulay- und Modified Duration

Die Macaulay-Duration gibt die gewichtete durchschnittliche Restlaufzeit der Zahlungsströme in Jahren an, während die daraus abgeleitete Modified Duration die prozentuale Wertänderung eines Wertpapiers bei einer Änderung des Marktzinses um einen Prozentpunkt approximiert; je höher die Duration, desto stärker reagiert der Marktwert eines Wertpapiers auf Zinsänderungen.

Bedeutung für das Asset-Liability-Management

In der Lebensversicherung ist der Abgleich der Duration von Kapitalanlagen (Aktiva) mit der Duration der versicherungstechnischen Verpflichtungen (Passiva) ein zentrales Element des Asset-Liability-Managements, da eine Durationslücke (Duration Mismatch) das Unternehmen einem erheblichen Zinsänderungsrisiko aussetzt, das sich sowohl in der handelsrechtlichen als auch in der aufsichtsrechtlichen Bilanz nach Solvency II niederschlagen kann.

ESG (Environmental, Social, Governance)

Synonyme: Environmental Social Governance, Nachhaltigkeitskriterien

ESG bezeichnet Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungskriterien, die in der Kapitalanlage, im Underwriting und in der aufsichtsrechtlichen Offenlegung von Versicherern zunehmend berücksichtigt werden müssen.

Begriff

ESG steht für Environmental, Social und Governance und bezeichnet ein Bündel von Kriterien zur Bewertung der ökologischen, sozialen und unternehmensführungsbezogenen Nachhaltigkeit von Unternehmen, Kapitalanlagen und Geschäftsaktivitäten.

Bedeutung für die Kapitalanlage von Versicherern

In der Kapitalanlage werden ESG-Kriterien zunehmend systematisch in die Anlageentscheidung integriert, etwa durch den Ausschluss bestimmter Branchen (negative Screenings), die gezielte Bevorzugung nachhaltiger Anlagen (positive Screenings) oder die aktive Einflussnahme auf Unternehmen als Aktionär (Engagement); regulatorisch wird dies insbesondere durch die EU-Offenlegungsverordnung (SFDR) und die EU-Taxonomie-Verordnung flankiert.

Bedeutung für Underwriting und Governance

Über die reine Kapitalanlage hinaus gewinnen ESG-Kriterien auch im Underwriting an Bedeutung, etwa bei der Risikobewertung klimabedingter Naturgefahren oder beim bewussten Verzicht auf die Versicherung besonders klimaschädlicher Aktivitäten, sowie im Rahmen der Unternehmensführung, wo Aufsichtsbehörden zunehmend die Integration von Nachhaltigkeitsrisiken in das Risikomanagement- und Governance-System von Versicherern nach Solvency II einfordern.

Nettoverzinsung (Net Investment Return)

Synonyme: Net Investment Return, Nettoverzinsung der Kapitalanlagen

Die Nettoverzinsung ist die tatsächlich erzielte Kapitalanlagerendite eines Lebensversicherers nach Abzug der Kapitalanlageverwaltungskosten, bezogen auf den durchschnittlichen Bestand der Kapitalanlagen.

Begriff

Die Nettoverzinsung bezeichnet die tatsächlich erzielte Rendite eines Lebensversicherers auf seine gesamten Kapitalanlagen innerhalb eines Geschäftsjahres, berechnet als Verhältnis der Netto-Kapitalanlageerträge (nach Abzug der Kapitalanlageverwaltungskosten, aber vor Berücksichtigung von Bewertungsreserven) zum durchschnittlichen Bestand der Kapitalanlagen zu Buchwerten.

Bedeutung für die Überschussbeteiligung

Die Nettoverzinsung ist eine der wichtigsten Kennziffern zur Beurteilung der Ertragskraft eines Lebensversicherers, da sie unmittelbar die Fähigkeit des Unternehmens widerspiegelt, den Versicherten über den garantierten Rechnungszins hinaus eine attraktive Überschussbeteiligung zu gewähren. In einem anhaltenden Niedrigzinsumfeld gerät die Nettoverzinsung tendenziell unter Druck, insbesondere wenn ältere, höherverzinsliche Kapitalanlagen auslaufen und durch niedriger verzinste Neuanlagen ersetzt werden müssen.

Abgrenzung zur laufenden Durchschnittsverzinsung

Von der Nettoverzinsung ist die laufende Durchschnittsverzinsung abzugrenzen, die ausschliesslich die laufenden, wiederkehrenden Kapitalanlageerträge (z. B. Zinsen und Dividenden) ohne realisierte Gewinne und Verluste aus dem Verkauf von Kapitalanlagen berücksichtigt und damit einen stabileren, aber weniger vollständigen Indikator für die Ertragskraft der Kapitalanlagen darstellt.

Unternehmensanleihe (Corporate Bond)

Synonyme: Corporate Bond

Eine Unternehmensanleihe ist ein von einem Unternehmen begebenes festverzinsliches Wertpapier und eine der wichtigsten Anlageklassen im Kapitalanlagenportfolio von Versicherern.

Begriff

Eine Unternehmensanleihe ist ein festverzinsliches Wertpapier, mit dem sich ein Unternehmen am Kapitalmarkt Fremdkapital beschafft und sich im Gegenzug zur regelmässigen Zinszahlung sowie zur Rückzahlung des Nominalbetrags am Laufzeitende verpflichtet.

Bedeutung als Anlageklasse für Versicherer

Unternehmensanleihen zählen aufgrund ihrer im Vergleich zu Staatsanleihen höheren Verzinsung bei kalkulierbarem Risiko zu den bedeutendsten Anlageklassen im Kapitalanlagenportfolio von Versicherern, insbesondere in der Lebensversicherung, wo sie zur Erfüllung langfristiger Garantieverpflichtungen beitragen.

Bonitätsrisiko und Rating

Die Bonität des Emittenten ist massgeblich für das Ausfallrisiko einer Unternehmensanleihe; Ratingagenturen unterscheiden Investment-Grade-Anleihen (etwa BBB- oder besser) von High-Yield-Anleihen (Ratings unterhalb Investment Grade), wobei aufsichtsrechtliche Kapitalanforderungen nach Solvency II das Spread-Risiko von Unternehmensanleihen massgeblich in Abhängigkeit von deren Rating und Restlaufzeit bemessen.

Zinsträger

Synonyme: Interest-Bearing Assets

Zinsträger ist das Kapital eines Versicherungsunternehmens, das rentierlich angelegt werden kann; bilanziell umfasst es vor allem das Eigenkapital und die versicherungstechnischen Rückstellungen.

Begriff

Zinsträger bezeichnet das im Kapitalanlagegeschäft eines Versicherungsunternehmens zur rentierlichen Anlage zur Verfügung stehende Kapital. Bilanziell setzt es sich vor allem aus dem Eigenkapital und den versicherungstechnischen Rückstellungen – insbesondere der Deckungsrückstellung in der Lebensversicherung – zusammen.

Bedeutung für die Kapitalanlage

Der Umfang der Zinsträger bestimmt, in welchem Mass ein Versicherer Kapitalerträge erwirtschaften kann, um garantierte Leistungen zu finanzieren und Überschüsse zu erzielen. Je grösser die Zinsträger im Verhältnis zu den garantierten Verpflichtungen, desto grösser der Spielraum für Zinsgewinne.

Praxisrelevanz

In der Lebensversicherung wachsen die Zinsträger mit dem Bestand an Deckungsrückstellungen kontinuierlich an, was eine langfristig ausgerichtete Kapitalanlagestrategie mit Fokus auf Fristenkongruenz zwischen Aktiv- und Passivseite erfordert.