Deckung

Pflegeversicherung (Long-Term Care Insurance)

Von Experten geprüft Aktualisiert: 2026-09-03 Fachlich geprüft: 2026-09-04 (Guido Hesse, Hesse Group Holding AG) Version 0.2.0

Die Pflegeversicherung deckt das finanzielle Risiko der Pflegebedürftigkeit ab und leistet je nach Ausgestaltung Kostenerstattung, Pflegegeld oder eine vereinbarte Tagegeldzahlung.

Vergleichsprofil

Trigger
Summenversicherung
Versichertes Interesse
Die finanziellen Kosten der Pflegebedürftigkeit infolge einer dauerhaften körperlichen, geistigen oder psychischen Beeinträchtigung, versichert als private Ergänzung zu einer allfälligen sozialen oder gesetzlichen Pflegevorsorge.
Bemessungsgrundlage
Alter bei Vertragsbeginn, Gesundheitsdeklaration, Gewählte Pflegegradstufung und zugehörige Leistungsprozentsätze, Gewählte Leistungsart (Kostenerstattung, Pflegegeld oder Tagegeld), Zahlungsart der Prämie
Typische Limiten
Die Leistungshöhe ist nach dem festgestellten Pflegegrad abgestuft, von Teilleistungen bei niedrigeren Graden bis zur vollen vereinbarten Tages- oder Pflegesumme beim höchsten Pflegegrad.
Typische Selbstbehalte
Vor Leistungsbeginn gilt meist eine Wartezeit von mehreren Monaten bis zu einigen Jahren, häufig kombiniert mit einer Mindestdauer der Beeinträchtigung.
Zielsegmente
Privatpersonen mit Vorsorge fürs Alter, Personen kurz vor der Pensionierung, Familien mit Sorge um die Pflegekostenlücke, Vermögende Privatkunden mit Interesse am Vermögenserhalt

Versicherte Ereignisse

  • Eintritt der Pflegebedürftigkeit, eingestuft nach Pflegegrad
  • Dauerhafte Angewiesenheit auf Hilfe Dritter im Alltag
  • Aufnahme in eine stationäre Pflegeeinrichtung
  • Bedarf an professioneller ambulanter Pflege

Kernausschlüsse

  • Bei Vertragsschluss bereits bestehende oder absehbare Pflegebedürftigkeit
  • Selbst zugefügte Beeinträchtigung
  • Krieg und kriegsähnliche Ereignisse
  • Pflegebedürftigkeit unterhalb des vereinbarten Mindestpflegegrads
  • Pflegebedürftigkeit innerhalb der Wartezeit

Begriff

Die Pflegeversicherung deckt das finanzielle Risiko ab, das entsteht, wenn eine versicherte Person aufgrund einer körperlichen, geistigen oder psychischen Beeinträchtigung dauerhaft auf die Hilfe Dritter bei der Bewältigung des Alltags angewiesen ist. Je nach Rechtsordnung und Produktausgestaltung erfolgt die Leistung entweder als Kostenerstattung für tatsächlich in Anspruch genommene Pflegeleistungen, als pauschales Pflegegeld oder als vertraglich vereinbartes Pflegetagegeld unabhängig vom Nachweis konkreter Kosten.

Soziale und private Pflegeversicherung

In vielen Ländern besteht neben einer gesetzlichen oder sozialen Pflegepflichtversicherung, die eine Grundabsicherung für die gesamte Bevölkerung bereitstellt, ergänzend die Möglichkeit einer privaten Pflegezusatzversicherung, die insbesondere die häufig erhebliche Deckungslücke zwischen den Leistungen der sozialen Pflegeversicherung und den tatsächlichen Kosten einer stationären oder ambulanten Pflege schliessen soll.

Demografische Relevanz

Aufgrund der demografischen Alterung vieler Gesellschaften und der damit verbundenen absehbaren Zunahme der Zahl pflegebedürftiger Personen gilt die Pflegeversicherung als eine der versicherungswirtschaftlich und sozialpolitisch bedeutsamsten Wachstumssparten der Personenversicherung; für Versicherer erfordert dies eine sorgfältige aktuarielle Modellierung des Morbiditätsrisikos über sehr lange Zeiträume hinweg.

Vergleich und Abgrenzung

Die Pflegeversicherung unterscheidet sich von der Berufsunfähigkeits- und der Krankenversicherung durch ihren Auslöser: Sie greift bei dauerhafter Pflegebedürftigkeit, die typischerweise erst in höherem Alter und meist nach der Pensionierung eintritt, statt bei der Unfähigkeit zur Berufsausübung oder bei Krankheitsbehandlungskosten während des Erwerbslebens. Während Berufsunfähigkeits- und Krankentagegeldversicherung das Einkommen während der Erwerbsphase absichern, schützt die Pflegeversicherung vor den Kosten der Alltagshilfe im Alter, wodurch sie diese früher im Lebenslauf greifenden Einkommens- und Krankendeckungen sinnvoll ergänzt statt sie zu ersetzen.