ORSA (Own Risk and Solvency Assessment)
Der ORSA ist der von jedem Versicherer unter Solvency II durchzuführende, unternehmensindividuelle Prozess zur Beurteilung seines Gesamtsolvabilitätsbedarfs unter Berücksichtigung seines spezifischen Risikoprofils.
Begriff
Der ORSA (Own Risk and Solvency Assessment) ist ein zentraler Bestandteil des Governance-Systems unter Solvency II, im Rahmen dessen jedes Versicherungsunternehmen mindestens einmal jährlich seinen unternehmensindividuellen Gesamtsolvabilitätsbedarf unter Berücksichtigung seines spezifischen Risikoprofils, seiner Risikotoleranzschwellen und seiner Geschäftsstrategie beurteilen muss.
Abgrenzung zur Standardformel
Während die aufsichtsrechtliche Solvenzkapitalanforderung (SCR) nach der Standardformel oder einem internen Modell primär eine regulatorische Mindestkapitalgrösse liefert, verlangt der ORSA eine darüber hinausgehende, zukunftsgerichtete und unternehmensspezifische Einschätzung, ob die vorhandenen Eigenmittel angesichts der individuellen Risikosituation und der geplanten Geschäftsentwicklung dauerhaft angemessen sind; der ORSA kann dabei zu einem höheren oder niedrigeren wirtschaftlichen Kapitalbedarf als die aufsichtsrechtliche SCR führen.
Bedeutung für das Risikomanagement
Der ORSA-Prozess ist eng in das Risikomanagementsystem des Unternehmens sowie in die Geschäfts- und Kapitalplanung eingebettet und muss regelmässig auch Stressszenarien und Sensitivitätsanalysen einbeziehen; die Ergebnisse werden der Geschäftsleitung zur strategischen Entscheidungsfindung vorgelegt und in einem Bericht dokumentiert, der der Aufsichtsbehörde zur Verfügung gestellt wird.