Stresstest (Stress Test)
Ein Stresstest untersucht, wie sich die finanzielle Lage eines Versicherers unter einem hypothetischen, aussergewöhnlich ungünstigen Szenario entwickeln würde, um Widerstandsfähigkeit und Kapitalausstattung zu prüfen.
Begriff
Ein Stresstest untersucht anhand eines hypothetischen, aussergewöhnlich ungünstigen Szenarios – etwa eines starken Zinsrückgangs, eines Kapitalmarkteinbruchs oder einer aussergewöhnlichen Häufung von Grossschäden –, wie sich die Eigenmittel, die Liquidität und die Solvabilitätsquote eines Versicherers unter diesen Bedingungen entwickeln würden. Anders als bei einer Sensitivitätsanalyse, die die isolierte Wirkung einzelner Parameteränderungen betrachtet, kombiniert ein Stresstest in der Regel mehrere ungünstige Entwicklungen gleichzeitig zu einem konsistenten Gesamtszenario.
Aufsichtsrechtliche und unternehmensinterne Stresstests
Neben regelmässigen, europaweit koordinierten Stresstests, die von der Aufsichtsbehörde für den gesamten Versicherungssektor durchgeführt und ausgewertet werden, um systemische Risiken frühzeitig zu erkennen, sind Versicherer im Rahmen ihres eigenen Risikomanagementsystems verpflichtet, unternehmensspezifische Stresstests durchzuführen, die auf die individuelle Risikostruktur und die für das Unternehmen wesentlichen Risikofaktoren zugeschnitten sind.
Bedeutung für ORSA und Kapitalplanung
Stresstests bilden einen zentralen Bestandteil des unternehmenseigenen Risiko- und Solvabilitätsbeurteilungsprozesses (ORSA), da sie der Unternehmensleitung aufzeigen, ob die vorhandene Kapitalausstattung auch unter deutlich ungünstigeren als den erwarteten Bedingungen ausreicht; die Ergebnisse fliessen regelmässig in die strategische Kapital- und Geschäftsplanung sowie in die Festlegung von Risikotoleranzgrenzen ein.