Störlichtbogen (Arc Flash)
Ein Störlichtbogen entsteht durch einen unkontrollierten Lichtbogen in elektrischen Anlagen und setzt innerhalb von Millisekunden Temperaturen von mehreren Tausend Grad, eine Druckwelle und geschmolzenes Metall frei, was sowohl Personen als auch die Anlage selbst massiv gefährdet.
Entstehung und Auswirkung
Ein Störlichtbogen entsteht, wenn eine Isolationsschwäche, ein Fremdkörper oder ein Bedienfehler bei ausreichender Kurzschlussleistung einen Lichtbogen zwischen Leitern oder gegen Erde zündet. Die dabei freigesetzte Energie erzeugt Temperaturen, die die Sonnenoberfläche übersteigen können, verdampft Metall explosionsartig und erzeugt eine Druckwelle mit Splitterwirkung. Die Schadenhöhe hängt massgeblich von der verfügbaren Kurzschlussleistung am Fehlerort und der Abschaltzeit der vorgeschalteten Schutzorgane ab.
Risikominderung
Zur Begrenzung der Auswirkungen dienen eine dokumentierte Kurzschluss- und Selektivitätsstudie, die auf schnelle Fehlerklärung ausgelegte Schutzkoordination, konstruktive Massnahmen wie Lichtbogen-Fehlerortungssysteme oder abgeschottete Sammelschienensysteme sowie organisatorische Massnahmen wie Arbeiten unter Spannung nur nach Freischaltung und mit geeigneter persönlicher Schutzausrüstung. Eine Berechnung der Störlichtbogenenergie nach anerkannten Methoden liefert die Grundlage für die Festlegung von Gefahrenbereichen und Schutzmassnahmen.
Versicherungsrelevanz
Störlichtbogenereignisse verursachen neben Personenschäden regelmässig hohe Sachschäden an Schaltanlagen und lange Wiederbeschaffungszeiten für Spezialkomponenten. Für Sach- und Maschinenversicherer ist deshalb relevant, ob eine aktuelle Kurzschlussstudie vorliegt, ob Schutzorgane auf schnelle Abschaltung ausgelegt sind und ob Instandhaltungsarbeiten konsequent im spannungsfreien Zustand erfolgen.