Tätigkeitsbeschrieb
Der Tätigkeitsbeschrieb erfasst die genaue Art der am Versicherungsort oder durch die versicherte Unternehmung ausgeübten Geschäftstätigkeit und bildet damit die Grundlage für Risikoeinschätzung und Deckungsumfang im Versicherungsantrag.
- Kategorie
- Betrieb
- Datentyp
- Text
- Risikotreiber
- Schadenhöhe, Schadenhäufigkeit, Kumul
- Wirkung auf Underwriting
- Prämie, Ausschluss, Auflage/Obliegenheit, Ablehnung
Typische Antragsfragen
- Bitte beschreiben Sie detailliert die an jedem versicherten Standort hergestellten Güter, erbrachten Dienstleistungen oder ausgeübten Tätigkeiten.
- Umfassen die Tätigkeiten neben Herstellung oder Handel auch Planung, Montage, Reparatur oder Beratungsleistungen?
- Gab es in den letzten 12 Monaten wesentliche Änderungen der Geschäftstätigkeit oder sind solche geplant?
Nachweise
- Handelsregisterauszug
- Firmenwebsite oder Produktkatalog
- NOGA-Branchencode
Warum relevant für das Underwriting
Der Tätigkeitsbeschrieb ist der Ankerpunkt der gesamten Risikoprüfung: Alle weiteren Fragen zu Räumlichkeiten, Prozessen, Produkten und Exponierungen werden im Licht dessen ausgelegt, was die versicherte Unternehmung tatsächlich tut. Eine vage oder generische Beschreibung (“allgemeiner Handelsbetrieb”) kann Tätigkeiten verschleiern, die ein wesentlich höheres Haftpflicht-, Sach- oder Betriebsunterbrechungsrisiko bergen, als die Bezeichnung vermuten lässt, während eine zu enge Beschreibung tatsächlich ausgeübte Tätigkeiten aus dem vereinbarten Deckungsumfang ausschliessen kann. Underwriter nutzen den Beschrieb, um das Risiko einzustufen, es mit vergleichbaren Betrieben derselben Branche zu benchmarken und zu erkennen, ob Spezialdeckungen oder Ausschlüsse erforderlich sind.
Erfassung und Nachweise
Antragsformulare verlangen von den Antragstellern eine Beschreibung in eigenen Worten der an jedem Standort hergestellten Güter, erbrachten Dienstleistungen und Nebentätigkeiten, einschliesslich Planungs-, Montage-, Reparatur- oder Beratungsleistungen, die die Haftpflicht über die reine Warenlieferung hinaus erweitern können. Underwriter gleichen den deklarierten Beschrieb mit dem Handelsregisterauszug, der Firmenwebsite, Produktkatalogen und dem standardisierten NOGA-Branchencode ab und fragen gezielt nach jüngsten oder geplanten Änderungen der Tätigkeit, die das Risikoprofil während der Vertragslaufzeit verändern könnten.
Wirkung auf Deckung, Prämie und Bedingungen
Ein präziser, vollständiger Tätigkeitsbeschrieb erlaubt es dem Underwriter, die korrekte Tarifklasse und passende Deckungserweiterungen auf die tatsächliche Geschäftstätigkeit anzuwenden und so eine faire Prämienberechnung sicherzustellen. Tätigkeiten, die ausserhalb des deklarierten Beschriebs liegen, sind in der Regel nicht gedeckt; wird nach Vertragsabschluss eine nicht offengelegte, risikoreichere Tätigkeit entdeckt, führt dies häufig zu Prämiennachforderungen, einschränkenden Klauseln oder in schweren Fällen zur Ablehnung beziehungsweise Nichtigkeit der Deckung wegen Anzeigepflichtverletzung.
Massnahmen
Versicherte sollten den Tätigkeitsbeschrieb stets aktuell halten, den Versicherer proaktiv über jede Erweiterung der Produkte, Dienstleistungen oder Märkte informieren und die interne Risikodokumentation (Produktlisten, Prozessdiagramme) mit dem deklarierten Deckungsumfang abstimmen, damit Lücken erkannt und behoben werden, bevor sie sich im Schadenfall auswirken.