Sicherungsstandard der Wohnung
Der Sicherungsstandard der Wohnung erfasst das Niveau einbruchhemmender Schlösser, Türen, Fenster und, falls vorhanden, Alarmanlagen, die eine Wohnung schützen – eine in Hausrat- und Wertsachenversicherungsanträgen abgefragte Angabe.
- Kategorie
- Privatbereich
- Datentyp
- Auswahl
- Risikotreiber
- Schadenhöhe, Schadenhäufigkeit
- Wirkung auf Underwriting
- Prämie, Auflage/Obliegenheit, Sublimite
Typische Antragsfragen
- Welche Schlösser sind an den Haupteingangstüren verbaut, und verfügen Fenster und Terrassentüren in zugänglichen Geschossen über zusätzliche einbruchhemmende Beschläge?
- Ist die Wohnung durch eine Einbruchmeldeanlage geschützt, und wird diese überwacht?
- Bestehen bekannte Schwachstellen, etwa ungesicherte Kellerfenster, Dachfenster oder Nebeneingänge?
Nachweise
- Spezifikation oder Rechnung der Schlösser und Beschläge
- Installationszertifikat der Alarmanlage
- Fotos der Zugangspunkte und Sicherungseinrichtungen
Warum relevant für das Underwriting
Der physische Sicherungsstandard einer Wohnung ist einer der stärksten Prädiktoren für die Einbruchshäufigkeit, da die meisten Einbrüche opportunistisch und nicht professionell geplant erfolgen und bereits durch den zusätzlichen Zeitaufwand und Lärm, den widerstandsfähige Schlösser, verstärkte Türen und überwachte Alarmanlagen verursachen, abgeschreckt werden, weil ein Einbrecher üblicherweise innerhalb wenigen Minuten wieder verschwunden sein will. Derselbe Standard beeinflusst auch die Schadenhöhe: Wer schwache Zugangspunkte überwindet, hat ungehinderten Zugriff auf die gesamte Wohnung, während widerstandsfähige Beschläge, die einen Angriff bereits am Eintrittspunkt verzögern, tendenziell auch begrenzen, wie weit sich ein Einbruch ausdehnt, bevor er unterbrochen wird. Underwriter nutzen den deklarierten Sicherungsstandard, um das Einbruchsrisiko für Hausrat- und Wertsachendeckungen zu bepreisen und zu beurteilen, ob die beantragten Versicherungssummen mit dem tatsächlich vorhandenen Schutz übereinstimmen, insbesondere sobald Wertsachensublimiten über einen bescheidenen Schwellenwert hinausgehen und der mögliche Verlust aus einem einzigen erfolgreichen Einbruch für den Vertrag erheblich wird.
Erfassung und Nachweise
Antragsformulare fragen, ob Eingangstüren, Fenster und andere zugängliche Öffnungen im Erd- und Kellergeschoss mit Standard- oder einbruchhemmenden Schlössern und Beschlägen ausgestattet sind und ob die Liegenschaft durch eine überwachte oder unüberwachte Einbruchmeldeanlage geschützt ist. Underwriter überprüfen Selbstauskünfte anhand von Rechnungen oder Spezifikationen für Schlösser und Beschläge, Installationszertifikaten für Alarmanlagen und, bei höherwertigen Risiken, Fotos der Zugangspunkte sowie bekannter Schwachstellen wie zugänglicher Dachfenster oder Nebeneingänge; bei Wertsachensublimiten, die im Verhältnis zum deklarierten Sicherungsstandard erheblich sind, kann eine Besichtigung oder eine Risk-Engineering-Begehung verlangt werden, da ein Missverhältnis hier zu den häufigsten Feststellungen gehört, die erst bei genauerer Prüfung auffallen.
Wirkung auf Deckung, Prämie und Bedingungen
Eine Wohnung mit widerstandsfähigen Schlössern, verstärkten zugänglichen Öffnungen und überwachter Alarmanlage qualifiziert sich üblicherweise für tiefere Einbruchsprämiensätze und höhere Wertsachensublimiten, was der deutlich verringerten Wahrscheinlichkeit und dem begrenzten Ausmass eines erfolgreichen Einbruchs entspricht. Standardschlösser ohne Verstärkung und ohne Alarmschutz begrenzen meist die verfügbare Wertsachensublimite unabhängig von der beantragten Summe, und ein Missverhältnis zwischen einem hoch deklarierten Wertsachenwert und einem niedrigen Sicherungsstandard löst häufig eine Auflage aus, die Sicherheitsnachrüstungen verlangt, bevor die volle Deckung oder eine beantragte Sublimitenerhöhung wirksam wird, statt zu einer generellen Ablehnung des Risikos zu führen.
Massnahmen
Ist der Sicherungsstandard für den zu schützenden Wert unzureichend, empfehlen Versicherer und Sicherheitsfachleute üblicherweise die Nachrüstung mit einbruchhemmenden Schlössern und Beschlägen an allen zugänglichen Eingängen, das Schliessen bekannter Schwachstellen wie ungesicherter Kellerfenster oder Dachfenster sowie die Installation einer überwachten Einbruchmeldeanlage, wenn die Wertsachensublimiten die zusätzlichen Kosten rechtfertigen. Die Kombination mechanischer Nachrüstungen mit einfachen Verhaltensmassnahmen, etwa dem konsequenten Schliessen und Verriegeln von Fenstern bei Abwesenheit, reduziert die verbleibende Exposition bereits deutlich, bevor grössere Sicherheitsinvestitionen getätigt werden.
Normen und Regelwerke
- ISO 31000:2018 – Risk management, Guidelines