Rückstau- und Oberflächenwassergefahr
Rückstau- und Oberflächenwassergefahr erfasst die Exposition eines Standorts gegenüber Starkregen-Überflutung und Kanalisationsrückstau unabhängig von Fluss- oder Seehochwasser und wird in Sachversicherungsanträgen zur Beurteilung der Starkregengefahr abgefragt.
- Kategorie
- Standort
- Datentyp
- Auswahl
- Risikotreiber
- Schadenhöhe, Schadenhäufigkeit, Kumul
- Wirkung auf Underwriting
- Prämie, Selbstbehalt, Sublimite, Auflage/Obliegenheit
Typische Antragsfragen
- Welche Oberflächenwasser- bzw. Starkregen-Gefahrenklasse ist dem Standort gemäss der massgebenden Gefahrenkarte oder Zonierung zugewiesen?
- Sind Kelleröffnungen, Lichtschächte oder Rampen bei Starkregen von Wasseransammlung bedroht, und sind Rückstauklappen an den Abwasseranschlüssen installiert?
- Gab es am Standort bereits Schäden durch Oberflächenwasser oder Kanalisationsrückstau?
Nachweise
- Oberflächenwasser-Gefahrenkarte oder ZÜRS-Zonenabfrage
- Prüfbericht zu Entwässerung und Rückstauklappen
- Historische Schadendaten für den Standort
Warum relevant für das Underwriting
Lokale Starkregenüberflutungen und Kanalisationsrückstau können erhebliche Schäden verursachen, völlig unabhängig von der Nähe zu einem Fluss oder See, da das Wasser durch die lokale Topografie und das Kanalisationsnetz einfach nicht schnell genug abfliessen kann. Keller, Lichtschächte, Tiefgaragen und tiefliegende Eingänge sind besonders anfällig, und diese Gefahr hat mit der zunehmenden Häufigkeit kurzer, intensiver Regenereignisse an Bedeutung gewonnen. Underwriter behandeln Oberflächenwasser und Rückstau als eigenständige Gefahrenklasse gegenüber Fluss- oder Seehochwasser, da sich Treiber, gefährdete Bauteile und verfügbare Massnahmen wesentlich unterscheiden.
Erfassung und Nachweise
Antragsformulare fragen nach der Oberflächenwasser- bzw. Starkregen-Gefahrenklasse des Standorts, die üblicherweise aus einer dedizierten Gefahrenkarte oder einem Zonierungssystem wie ZÜRS abgeleitet wird, zusammen mit einer Beschreibung gefährdeter Öffnungen wie Kellerlichtschächte, Rampen und tiefliegende Eingänge. Underwriter überprüfen die Selbstauskunft anhand des amtlichen Kartenauszugs, eines Prüfberichts zu Entwässerung und Rückstauklappen, der die Installation und Funktionsfähigkeit der Schutzvorrichtungen bestätigt, sowie historischer Schaden- oder Schadenfalldaten für die Adresse.
Wirkung auf Deckung, Prämie und Bedingungen
Standorte mit geringer Oberflächenwasser-Gefahrenklasse und wirksamem Rückstauschutz werden in der Regel zu Standardbedingungen bepreist und gedeckt. Höhere Gefahrenklassen oder das Fehlen von Rückstauklappen an der Kellerentwässerung führen häufig zu Prämienzuschlägen, rückstauspezifischen Selbstbehalten oder Sublimiten für Kellerinhalt und -einrichtungen sowie zu Bedingungen, die den Einbau oder die Instandhaltung des Rückstauschutzes verlangen.
Massnahmen
Bei erhöhter Exposition empfehlen Versicherer und Risk Engineers üblicherweise den Einbau oder die Nachrüstung von Rückstauklappen an allen unterhalb der Rückstauebene liegenden Entwässerungsanschlüssen, die Erhöhung oder Absicherung gefährdeter Öffnungen wie Lichtschächte und Rampen sowie die Instandhaltung von Standortentwässerung und Dachrinnen, um Wasseransammlungen bei Starkregen zu reduzieren.
Normen und Regelwerke
- ISO 31000:2018 – Risk management, Guidelines