Morbiditätsrisiko (Morbidity Risk)
Das Morbiditätsrisiko ist die Gefahr, dass die tatsächliche Erkrankungshäufigkeit oder -schwere eines Versichertenkollektivs von den bei der Prämienkalkulation zugrunde gelegten Annahmen abweicht.
Begriff
Das Morbiditätsrisiko bezeichnet die Gefahr, dass die tatsächliche Häufigkeit, Schwere oder Dauer von Erkrankungen innerhalb eines Versichertenkollektivs von den bei der Prämienkalkulation zugrunde gelegten Annahmen abweicht. Es ist die zentrale biometrische Risikokategorie der Krankenversicherung und tritt zudem in der Berufsunfähigkeits- und Pflegeversicherung auf, in denen Leistungen an den Eintritt einer Erkrankung oder Invalidität geknüpft sind.
Ursachen für Abweichungen
Abweichungen der tatsächlichen Morbidität von den kalkulierten Annahmen können durch medizinischen Fortschritt (der einerseits die Behandlungskosten erhöht, andererseits aber auch die Lebenserwartung von Erkrankten verlängert), durch demografische Verschiebungen, durch verändertes Gesundheitsverhalten der Bevölkerung oder durch epidemiologische Ereignisse wie Pandemien verursacht werden.
Bedeutung für die Kalkulation
Im Gegensatz zum Mortalitätsrisiko, bei dem der Tod ein eindeutig feststellbares und einmaliges Ereignis ist, ist die Modellierung des Morbiditätsrisikos komplexer, da Krankheitsverläufe unterschiedliche Schweregrade, Wiederholungen und variable Behandlungsdauern aufweisen können; Versicherer begrenzen dieses Risiko unter anderem durch Beitragsanpassungsklauseln, die eine nachträgliche Korrektur der Prämie bei einer signifikanten Abweichung der tatsächlichen von der kalkulierten Morbidität ermöglichen.