Liquiditätsrisiko (Liquidity Risk)
Das Liquiditätsrisiko ist die Gefahr, dass ein Versicherer nicht über ausreichend flüssige Mittel verfügt, um seinen kurzfristigen Zahlungsverpflichtungen, insbesondere aus Schadenzahlungen, fristgerecht nachzukommen.
Begriff
Das Liquiditätsrisiko bezeichnet die Gefahr, dass ein Versicherungsunternehmen zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht über ausreichend liquide Mittel verfügt, um fällige Zahlungsverpflichtungen – insbesondere Schadenzahlungen, Rückkaufsleistungen oder Kapitalanlageverpflichtungen – termingerecht zu erfüllen, selbst wenn das Unternehmen insgesamt über ausreichende Vermögenswerte verfügt.
Ursachen und Ausprägungen
Liquiditätsrisiken können durch unerwartet hohe oder zeitlich konzentrierte Schadenzahlungen (z. B. nach einer Naturkatastrophe), durch eine Häufung von Vertragskündigungen und Rückkäufen (Storno-Run) oder durch eine mangelnde Handelbarkeit bestimmter Kapitalanlagen in Stressphasen entstehen. Ein wesentlicher Unterschied zum Banksektor besteht darin, dass Versicherer aufgrund der Vorfinanzierung durch Prämieneinnahmen tendenziell einem geringeren, aber im Extremfall dennoch relevanten Liquiditätsrisiko unterliegen.
Steuerung und aufsichtsrechtliche Bedeutung
Versicherer steuern das Liquiditätsrisiko durch ein aktives Liquiditätsmanagement, das die Fälligkeitsstruktur von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten aufeinander abstimmt, ausreichende Bestände an hochliquiden Vermögenswerten vorhält und Stresstests für Extremszenarien durchführt; im Rahmen von Solvency II und im Zuge künftiger Regelwerke gewinnt die explizite aufsichtsrechtliche Bewertung des Liquiditätsrisikos zunehmend an Bedeutung.