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Solvency II

Von Experten geprüft 3 Begriffe Aktualisiert: 2026-08-31

Solvency II: 3 Fachbegriffe kurz erklärt – Definition, Synonyme und gesetzliche Grundlage.

Bericht an die Aufsichtsbehörde (RSR)

Synonyme: Regular Supervisory Report (RSR)

Der Bericht an die Aufsichtsbehörde ist der vertrauliche, regelmässig einzureichende Solvency-II-Bericht eines Versicherers mit detaillierten Informationen ausschliesslich für die Aufsichtsbehörde.

Begriff

Der Bericht an die Aufsichtsbehörde (Regular Supervisory Report, RSR) ist ein vertraulicher, in der Regel alle drei Jahre in vollem Umfang und jährlich in verkürzter Form einzureichender Bericht, mit dem ein Solvency-II-Versicherer der zuständigen Aufsichtsbehörde detaillierte Informationen zu Geschäftstätigkeit, Governance, Risikoprofil und Kapitalausstattung übermittelt.

Abgrenzung zum SFCR

Anders als der öffentliche Bericht über Solvabilität und Finanzlage (SFCR) ist der RSR ausschliesslich für die Aufsichtsbehörde bestimmt und enthält daher deutlich detailliertere und sensiblere Informationen, etwa zu internen Kontrollmechanismen, Stresstestergebnissen und aufsichtsrechtlich relevanten Einzelrisiken.

Bedeutung für die laufende Aufsicht

Der RSR ist neben den quantitativen Meldebögen (QRT) und dem ORSA-Bericht ein zentraler Baustein der laufenden Aufsicht (Supervisory Review Process) nach Solvency II, mit dem die Aufsichtsbehörde ein umfassendes Bild von der Risikolage und der Unternehmensführung eines Versicherers gewinnt.

Bericht über Solvabilität und Finanzlage (SFCR)

Synonyme: Solvency and Financial Condition Report

Der SFCR ist der jährlich zu veröffentlichende Bericht eines Versicherers nach Solvency II, der Geschäftstätigkeit, Risikoprofil, Bewertung und Kapitalausstattung öffentlich offenlegt.

Begriff

Der Bericht über Solvabilität und Finanzlage (Solvency and Financial Condition Report, SFCR) ist ein von jedem Solvency-II-Versicherer jährlich zu veröffentlichender öffentlicher Bericht, der Auskunft über Geschäftstätigkeit, Risikoprofil, Bewertungsgrundlagen und Kapitalmanagement gibt.

Inhalt

Der SFCR umfasst insbesondere Angaben zu Geschäftsverlauf und -ergebnis, dem Governance-System, dem Risikoprofil (Versicherungs-, Markt-, Kredit-, Liquiditäts- und operationelles Risiko), der Bewertung von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten für Solvabilitätszwecke sowie zum Kapitalmanagement einschliesslich der Bedeckung der Solvenzkapitalanforderung (SCR) und der Mindestkapitalanforderung (MCR).

Bedeutung für Marktdisziplin

Der SFCR dient primär der Marktdisziplin, indem er dem Markt, Analysten, Ratingagenturen und interessierten Versicherten öffentlich zugängliche, standardisierte Informationen über die finanzielle Verfassung eines Versicherers zur Verfügung stellt und damit die reine Aufsichtsberichterstattung an die Behörden (den Bericht an die Aufsichtsbehörde, RSR) ergänzt.

Interne Modelle (Internal Models)

Synonyme: Internal Models, Internes Modell

Interne Modelle sind von einem Versicherer selbst entwickelte und von der Aufsicht genehmigte Risikomodelle zur Berechnung der Solvenzkapitalanforderung (SCR), die dessen individuelles Risikoprofil präziser abbilden als die Standardformel.

Begriff

Interne Modelle sind unternehmensspezifisch entwickelte Risikoquantifizierungsmodelle, die unter Solvency II als Alternative zur aufsichtlich vorgegebenen Standardformel zur Berechnung der Solvenzkapitalanforderung (SCR) verwendet werden dürfen. Ziel ist eine risikogerechtere Abbildung des individuellen Risikoprofils eines Versicherers, insbesondere wenn dieses signifikant von den Annahmen der Standardformel abweicht.

Genehmigungsverfahren

Der Einsatz eines internen Modells setzt ein aufwändiges aufsichtliches Genehmigungsverfahren voraus, in dem Aufsichtsbehörden die statistische Qualität, die Governance-Prozesse (Use Test, Validierungszyklus, Dokumentation) sowie die Integration des Modells in die Geschäftssteuerung des Unternehmens (“Use Test”) prüfen. Auch Partial Internal Models, die nur einzelne Risikomodule ersetzen, sind zulässig.

Vor- und Nachteile gegenüber der Standardformel

Interne Modelle ermöglichen häufig eine risikoadäquatere und damit oft geringere Kapitalanforderung als die pauschalere Standardformel, erfordern jedoch erhebliche Investitionen in Modellierungs- und Governance-Infrastruktur; grössere Versicherungsgruppen mit signifikanter Diversifikation über mehrere Geschäftsbereiche nutzen interne Modelle daher besonders häufig, um Diversifikationseffekte adäquat abzubilden.