Risikomerkmal

Wertsachenwert

Von Experten geprüft Aktualisiert: 2026-09-03 Fachlich geprüft: 2026-09-04 (Guido Hesse, Hesse Group Holding AG) Version 0.1.0

Der Wertsachenwert ist der deklarierte oder geschätzte Gesamtwert von Schmuck, Uhren, Pelzen, Kunstgegenständen und anderen individuell wertvollen Gegenständen eines Haushalts und bildet die Grundlage für Sublimiten und Sicherungsauflagen in der Wertsachenversicherung.

Kategorie
Privatbereich · CHF
Datentyp
Zahl
Risikotreiber
Schadenhöhe, Kumul, Moral Hazard
Wirkung auf Underwriting
Prämie, Sublimite, Auflage/Obliegenheit

Typische Antragsfragen

  • Wie hoch ist der deklarierte Gesamtwert von Schmuck, Uhren, Pelzen und anderen individuell wertvollen Gegenständen, die versichert werden sollen?
  • Welche Einzelstücke übersteigen die standardmässige Einzellimite, und liegen dafür Wertgutachten oder Kaufbelege vor?
  • Wie und wo werden die Wertsachen gelagert und gesichert, wenn sie nicht getragen oder benutzt werden?

Nachweise

  • Detaillierte Wertsachenliste
  • Wertgutachten oder Kaufbeleg je hochwertigem Gegenstand
  • Fotos der Gegenstände und, falls vorhanden, des Aufbewahrungstresors

Warum relevant für das Underwriting

Wertsachen wie Schmuck, Uhren, Pelze und Kunstgegenstände konzentrieren einen überproportionalen Anteil des versicherten Werts eines Haushalts auf eine kleine, leicht transportierbare und leicht verwertbare Kategorie von Gegenständen, was sie zu einem bevorzugten Einbruchsziel und zu einer häufigen Quelle von Streitigkeiten über den Wert im Schadenfall macht. Anders als sperrige Möbel oder Geräte kann eine Einbrecherin oder ein Einbrecher eine ganze Wertsachensammlung innerhalb von Sekunden entwenden, und gestohlene Stücke werden nur selten wiedergefunden, sodass die Schadenhöhe eines Wertsachenschadens einen deutlich grösseren Hausratschaden aus demselben Ereignis übersteigen kann. Underwriter benötigen den deklarierten Wertsachenwert sowie dessen Zusammensetzung nach Einzelstücken, um eine angemessene Gesamtsublimite und Einzellimiten innerhalb der weiter gefassten Hausrat- oder eigenständigen Wertsachenpolice festzulegen und den Betrieb entsprechend der tatsächlichen Konzentration, Mobilität und Identifizierbarkeit des Risikos zu bepreisen.

Erfassung und Nachweise

Antragsformulare fragen nach dem Gesamtwert der zu versichernden Wertsachen und, ab einem festgelegten Schwellenwert, nach einer detaillierten Liste jedes bedeutenden Einzelstücks mit Beschreibung, geschätztem Wert und, wo verfügbar, einem Foto. Underwriter überprüfen die Angaben anhand von Wertgutachten oder Kaufbelegen für Gegenstände, die die standardmässige Einzellimite übersteigen, sowie anhand von Fotos und einer Beschreibung des Aufbewahrungsorts und der Nutzung im Alltag und auf Reisen, da die Aufbewahrungspraxis das mit dem deklarierten Wert verbundene Diebstahlrisiko wesentlich beeinflusst. Für Erbstücke ohne Kaufbeleg wird üblicherweise ein unabhängiges Wertgutachten einer anerkannten Fachperson verlangt, bevor das Stück zum angegebenen Wert aufgenommen werden kann.

Wirkung auf Deckung, Prämie und Bedingungen

Der deklarierte Wertsachenwert legt die Gesamtsublimite und die Einzellimite je Gegenstand fest; nicht einzeln aufgeführte Gegenstände sind meist auf eine bescheidene Standardlimite begrenzt, unabhängig von ihrem tatsächlichen Wert, was für Versicherte, die annahmen, ein einzelnes Erbstück sei automatisch zum vollen Wert gedeckt, eine unangenehme Überraschung sein kann. Höhere Wertsachensummen führen üblicherweise zu einer Auflage zur Tresorlagerung ab einem definierten Schwellenwert, und im Schadenfall entdeckte, nicht deklarierte hochwertige Gegenstände unterliegen häufig einer gekürzten Entschädigung, einer Sublimitenbegrenzung oder in manchen Fällen einem vollständigen Ausschluss, falls ihre Existenz bei Vertragsabschluss nie offengelegt wurde.

Massnahmen

Versicherte reduzieren das Bewertungs- und Diebstahlrisiko, indem sie Wertgutachten und Kaufbelege aktuell halten, individuell wertvolle Gegenstände einzeln deklarieren statt sich auf die bescheidene Standardlimite zu verlassen, und Wertsachen bei Nichtgebrauch oder auf Reisen in einem klassifizierten Tresor oder einem Bankschliessfach aufbewahren. Eine periodische Überprüfung der Wertgutachten, insbesondere bei Gegenständen mit schwankendem Marktwert wie Uhren, Edelmetallen oder zeitgenössischer Kunst, hält den deklarierten Wert im Einklang mit dem tatsächlichen Risiko und vermeidet eine unangenehme Überraschung im Schadenfall, wenn sich zeigt, dass ein Stück deutlich mehr oder weniger wert ist als zuletzt deklariert.

Normen und Regelwerke

  • ISO 31000:2018 – Risk management, Guidelines