Personalunterkünfte
Personalunterkünfte erfassen, ob der Arbeitgeber betriebseigene oder betriebsverwaltete Unterkünfte für Mitarbeitende bereitstellt – relevant für die Sach- und Haftpflichtexposition, wo sich Wohn- und Betriebsrisiko überlagern.
- Kategorie
- Personen
- Datentyp
- Ja/Nein
- Risikotreiber
- Schadenhöhe, Kumul
- Wirkung auf Underwriting
- Prämie, Sublimite, Auflage/Obliegenheit
Typische Antragsfragen
- Stellt das Unternehmen betriebseigene oder betriebsverwaltete Unterkünfte für Mitarbeitende bereit, und wie viele Personen wohnen dort?
- Befinden sich die Unterkünfte auf demselben Gelände wie betriebliche oder gefährliche Tätigkeiten oder an einem separaten Standort?
- Welche Brandschutz-, Evakuierungs- und Gebäudeunterhaltsstandards gelten für die Unterkünfte?
Nachweise
- Lageplan mit Darstellung der Unterkünfte im Verhältnis zu den Betriebsbereichen
- Brandschutzzertifikat und Evakuierungsplan des Gebäudes
- Belegungsregister der Personalunterkünfte
Warum relevant für das Underwriting
Betriebseigene oder betriebsverwaltete Personalunterkünfte führen eine Wohnnutzung in ein häufig gewerblich oder industriell geprägtes Sachrisikoprofil ein, was sowohl die brandschutztechnischen Annahmen als auch das Potenzial für einen Personenschaden mit schweren Haftpflichtfolgen verändert, wenn betriebliche Gefahren, etwa brennbare Materialien oder gefährliche Prozesse, in unmittelbarer Nähe zu Schlafbereichen liegen. Zudem konzentriert sie einen erheblichen Teil der Belegschaft ausserhalb der Arbeitszeit an einem einzigen Standort, was eine Kumulexposition schafft, die bei unabhängigem, verteiltem Wohnen der Mitarbeitenden nicht bestehen würde.
Erfassung und Nachweise
Underwriter fragen, ob Personalunterkünfte bestehen, wie viele Mitarbeitende dort wohnen und, entscheidend, in welchem räumlichen Verhältnis die Unterkünfte zu Betriebs- oder Gefahrenbereichen am selben Standort stehen. Ein Lageplan mit der relativen Lage von Unterkünften und Betriebsgebäuden, das Brandschutzzertifikat und der Evakuierungsplan des Gebäudes sowie ein Belegungsregister mit typischen Bewohnerzahlen sind die üblich verlangten Nachweise, insbesondere bei abgelegenen oder industriellen Standorten wie Baustellenlagern, Bergbaubetrieben oder saisonalen Unterkünften für Hotel-/Gastgewerbepersonal.
Wirkung auf Deckung, Prämie und Bedingungen
Unterkünfte in der Nähe von oder innerhalb von Betriebsgefahrenbereichen erhöhen in der Regel die Sachprämie und können Sublimiten auslösen, welche die Wertkonzentration und die Personenschadenexposition am Standort widerspiegeln, zusammen mit Bedingungen zu Abstandsflächen, feuerbeständiger Bauweise oder speziellen Evakuierungsverfahren für die Bewohner. Auch die Haftpflichtexposition steigt, wenn der Arbeitgeber als faktischer Vermieter Gebäudeunterhalts- und Bewohnbarkeitspflichten gegenüber dem untergebrachten Personal trägt.
Massnahmen
Empfohlene Massnahmen umfassen die physische Trennung der Unterkünfte von gefährlichen Betriebsbereichen, soweit machbar, die Instandhaltung der Unterkünfte nach den geltenden Brandschutz- und Baustandards mit einem erprobten Evakuierungsplan, ein genaues Belegungsregister sowie die periodische Überprüfung, ob Belegungsdichte und Standort der Unterkünfte mit der Entwicklung des Betriebs angemessen bleiben.
Normen und Regelwerke
- ISO 31000:2018 – Risk management, Guidelines