Risikomerkmal

Explosionsschutzkonzept (ATEX)

Von Experten geprüft Aktualisiert: 2026-09-03 Fachlich geprüft: 2026-09-04 (Guido Hesse, Hesse Group Holding AG) Version 0.1.0

Das Explosionsschutzkonzept bestätigt, ob Standorte mit brennbaren Gasen, Dämpfen oder brennbaren Stäuben über ein dokumentiertes, ATEX-konformes Explosionsschutzkonzept mit Zoneneinteilung verfügen – eine in Sachversicherungsanträgen regelmässig abgefragte Angabe.

Kategorie
Brandschutz
Datentyp
Ja/Nein
Risikotreiber
Schadenhöhe, Kumul
Wirkung auf Underwriting
Prämie, Auflage/Obliegenheit, Ausschluss, Ablehnung

Typische Antragsfragen

  • Verfügt der Standort über ein dokumentiertes Explosionsschutzkonzept mit Zoneneinteilung für Bereiche mit brennbaren Gasen, Dämpfen oder brennbaren Stäuben?
  • Ist die in den klassifizierten Zonen installierte Ausrüstung entsprechend der jeweiligen ATEX-Kategorie zertifiziert, und ist dies in einem Geräteverzeichnis dokumentiert?
  • Sind primäre und sekundäre Explosionsschutzmassnahmen (z.B. Explosionsdruckentlastung, -unterdrückung, -entkopplung) umgesetzt, wo die Vermeidung allein nicht ausreicht?

Nachweise

  • Explosionsschutzdokument / Zoneneinteilungspläne
  • Konformitätszertifikate der Ausrüstung (ATEX-Kennzeichnung)
  • Auslegungsunterlagen für Explosionsdruckentlastungs- oder -unterdrückungsanlagen

Warum relevant für das Underwriting

Wo brennbare Gase, Dämpfe oder brennbare Stäube vorhanden sind, kann eine Zündquelle, die anderswo harmlos wäre, eine Explosion auslösen, die ein Gebäude augenblicklich zerstören und zu einer lang andauernden Betriebsunterbrechung führen kann – weit über das hinaus, was ein vergleichbarer Brandschaden verursachen würde. Ein dokumentiertes Explosionsschutzkonzept, das auf einer systematischen Zoneneinteilung aufbaut, ist der wichtigste Nachweis dafür, dass ein Versicherungsnehmer erkannt hat, wo solche Atmosphären auftreten können, und Ausrüstung, Zündquellen und Schutzmassnahmen entsprechend abgestimmt hat, statt sich auf informelle Einschätzungen zu verlassen.

Erfassung und Nachweise

Antragsformulare fragen, ob Bereiche mit brennbaren Gasen, Dämpfen oder Stäuben klassifiziert und dokumentiert wurden, ob die installierte Ausrüstung für ihre Zone ATEX-zertifiziert ist und ob Druckentlastungs-, Unterdrückungs- oder Entkopplungsmassnahmen vorhanden sind, wo eine reine Vermeidung nicht ausreicht. Underwriter verlangen das Explosionsschutzdokument mit Zoneneinteilungsplänen, das Konformitätsverzeichnis der Ausrüstung sowie Auslegungsunterlagen für allfällige Druckentlastungs- oder Unterdrückungsanlagen, da eine Zoneneinteilung ohne passend zertifizierte Ausrüstung die eigentliche Gefahr weitgehend unkontrolliert lässt.

Wirkung auf Deckung, Prämie und Bedingungen

Ein aktuelles, vollständiges Konzept mit zertifizierter Ausrüstung und geeignetem sekundärem Schutz unterstützt eine normale Prämienbildung für ansonsten gefährdete Nutzungen und belegt ein aktiv gemanagtes Risiko. Ein fehlendes oder veraltetes Konzept, nicht zertifizierte Ausrüstung in klassifizierten Zonen oder das Fehlen erforderlicher sekundärer Schutzmassnahmen führen häufig zu einer Auflage mit Frist zur Nachbesserung, zu explosionsspezifischen Ausschlüssen oder bei besonders gefährlichen Prozessen ohne jegliches dokumentiertes Konzept bis zur Behebung zur Ablehnung.

Massnahmen

Fehlt ein Konzept, ist es unvollständig oder veraltet, empfehlen Versicherer und Risk Engineers üblicherweise die Beauftragung einer Zoneneinteilung durch einen qualifizierten Fachbetrieb, den Austausch oder die Zertifizierung der Ausrüstung passend zu den klassifizierten Zonen sowie die Installation sekundärer Schutzmassnahmen wie Explosionsdruckentlastung, -unterdrückung oder -entkopplung, wo die primäre Vermeidung allein das Risiko nicht ausreichend beherrscht.

Normen und Regelwerke

  • ISO 31000:2018 – Risk management, Guidelines
  • IEC/ISO 31010:2019 – Risk assessment techniques