Geschossanzahl
Die Geschossanzahl erfasst die vertikale Ausdehnung eines Gebäudes über und unter Terrain und wird in Sachversicherungsanträgen abgefragt, weil sie das Brand- und Rauchverhalten, die Evakuierung und den Feuerwehrzugang beeinflusst.
- Kategorie
- Gebäude
- Datentyp
- Zahl
- Risikotreiber
- Schadenhöhe, Schadenhäufigkeit
- Wirkung auf Underwriting
- Prämie, Auflage/Obliegenheit, Ausschluss
Typische Antragsfragen
- Wie viele Geschosse hat das Gebäude oberirdisch und wie viele unterirdisch?
- Wie hoch ist der höchste Gebäudeteil?
- Übersteigt die Geschossanzahl den Grenzwert, ab dem das Gebäude nach den örtlichen Brandschutzvorschriften als Hochhaus gilt?
Nachweise
- Baubewilligung oder Architekturpläne
- Risk-Engineering-Begehungsbericht
- Brandschutzkonzept
Warum relevant für das Underwriting
Die Geschossanzahl bestimmt, wie sich Rauch, Wärme und Brandgase im Gebäude ausbreiten und wie schnell Personen evakuieren und die Feuerwehr Zugang erhalten kann. Mehrgeschossige Gebäude, insbesondere solche, die nach den örtlichen Brandschutzvorschriften als Hochhaus gelten, sind deutlich stärker auf technische Rauch- und Wärmeabzugsanlagen, geschützte Treppenhäuser und vertikale Brandabschnittsbildung angewiesen als eingeschossige Bauten, da eine Löschung von aussen ab einer bestimmten Höhe nicht mehr möglich ist. Underwriter nutzen die Geschossanzahl als frühen Indikator dafür, welche Brandschutztechnik vorhanden sein sollte und welchem Evakuierungs- und Betriebsunterbrechungsrisiko der Standort ausgesetzt ist.
Erfassung und Nachweise
Antragsformulare fragen nach der Anzahl der Geschosse über und unter Terrain sowie, sofern relevant, nach der Gesamthöhe des Gebäudes, da örtliche Hochhausgrenzwerte meist in Metern und nicht allein in Geschossen definiert sind. Architekturpläne, die Baubewilligung und das Brandschutzkonzept bestätigen die deklarierten Angaben; bei höheren oder komplexeren Gebäuden wird üblicherweise eine Risk-Engineering-Begehung verlangt, um zu prüfen, ob die vertikalen Brandschutzmassnahmen der tatsächlichen Höhe entsprechen.
Wirkung auf Deckung, Prämie und Bedingungen
Niedrige Gebäude mit einfachen Fluchtwegen erhalten in der Regel Standardbedingungen. Mit zunehmender Geschossanzahl und Höhe wenden Versicherer häufiger Prämienzuschläge an, verlangen dokumentierte Rauch- und Wärmeabzugsanlagen oder druckbelüftete Treppenhäuser als Deckungsvoraussetzung und können Sublimiten oder Ausschlüsse vorsehen, wenn einem Hochhaus ein angemessenes Brandschutzkonzept fehlt oder Untergeschosse ein erhöhtes Überflutungs- oder Kontaminationskumulrisiko darstellen.
Massnahmen
Für höhere oder mehrgeschossige Gebäude empfehlen Versicherer und Risk Engineers üblicherweise technische Rauch- und Wärmeabzugsanlagen, geschützte und druckbelüftete Fluchttreppenhäuser, eine vertikale Brandabschnittsbildung zwischen den Geschossen sowie ein dokumentiertes, regelmässig geprüftes Brandschutz- und Evakuierungskonzept, das der Gebäudehöhe angemessen ist.
Normen und Regelwerke
- ISO 31000:2018 – Risk management, Guidelines