Risikomerkmal

Fahrleistung pro Jahr

Von Experten geprüft Aktualisiert: 2026-09-03 Fachlich geprüft: 2026-09-04 (Guido Hesse, Hesse Group Holding AG) Version 0.1.0

Die Fahrleistung pro Jahr erfasst die für ein Fahrzeug oder eine Flotte erwartete jährliche Fahrstrecke – eine in Motorfahrzeugversicherungs- anträgen abgefragte Angabe, da sie direkt die Häufigkeitsexposition gegenüber Unfällen beeinflusst.

Kategorie
Fahrzeuge/Transport · km
Datentyp
Zahl
Risikotreiber
Schadenhäufigkeit, Kumul
Wirkung auf Underwriting
Prämie, Auflage/Obliegenheit

Typische Antragsfragen

  • Wie hoch ist die geschätzte jährliche Fahrleistung pro Fahrzeug oder im Flottendurchschnitt?
  • Wird das Fahrzeug überwiegend für kurze innerstädtische Fahrten, für Langstrecken oder für eine Mischung aus beidem eingesetzt?
  • Wie wird die Fahrleistung erfasst und überprüft (Kilometerstand, Telematik, Tankkartendaten)?

Nachweise

  • Kilometerstände bei Vertragsbeginn und -erneuerung
  • Telematik- oder Flottenmanagement-Fahrleistungsberichte
  • Verbrauchsdaten von Tank- oder Ladekarten

Warum relevant für das Underwriting

Die jährliche Fahrleistung ist einer der direktesten Prädiktoren für die Unfallhäufigkeit in der Motorfahrzeugversicherung: Mehr Zeit auf der Strasse führt mechanisch zu einer höheren Exposition gegenüber Haftpflicht- und Eigenschadenereignissen, unabhängig von der Fahrqualität. Underwriter nutzen deklarierte Fahrleistungsbänder, um Risiken innerhalb ansonsten ähnlicher Fahrzeugkategorien zu segmentieren und Betriebe zu erkennen, deren tatsächliches Nutzungsmuster – etwa überwiegend Autobahnpendelverkehr statt innerstädtischer Kurzfahrten – deutlich von einer oberflächlich vergleichbaren Vergleichsgruppe abweicht.

Erfassung und Nachweise

Antragsformulare fragen nach einer geschätzten jährlichen Fahrleistung pro Fahrzeug oder als Flottendurchschnitt sowie nach einer groben Aufteilung zwischen innerstädtischer Fahrt, Überlandfahrt und Autobahnnutzung. Versicherer überprüfen die Angabe anhand der bei Vertragsbeginn und -erneuerung erfassten Kilometerstände, bei grösseren Konten anhand von Telematik- oder Flottenmanagement-Exporten und, soweit verfügbar, anhand von Verbrauchsdaten der Tank- oder Ladekarten, da niedrig deklarierte, später widerlegte Fahrleistungen bei der Erneuerung häufig zu Prämienanpassungen führen.

Wirkung auf Deckung, Prämie und Bedingungen

Fahrleistungsbänder sind ein zentraler Bewertungsfaktor: Fahrzeuge mit geringer Fahrleistung erhalten innerhalb derselben Fahrzeugkategorie in der Regel deutlich tiefere Prämien als Fahrzeuge mit hoher Fahrleistung, und viele Versicherer bieten kilometerabhängige oder telematikbasierte Tarife an, welche die Fahrleistung dynamisch bepreisen. Eine wesentliche, nicht deklarierte Erhöhung der Fahrleistung während der Vertragslaufzeit kann eine unterjährige Prämienanpassung auslösen oder, bei schwerwiegender Falschangabe, die Schadenregulierung beeinflussen.

Massnahmen

Flotten können die fahrleistungsbedingte Exposition durch Routenoptimierung, die Bündelung von Lieferungen und die Verlagerung geeigneter Strecken auf die Schiene oder andere Verkehrsträger reduzieren. Eine telematikbasierte Erfassung der Fahrleistung mit automatisierter Meldung an den Versicherer verbessert die Genauigkeit der Bewertung und verringert das Risiko von Streitigkeiten über deklarierte gegenüber tatsächlicher Nutzung.