Risikomerkmal

Deckungsbeitrag/Bruttogewinn

Von Experten geprüft Aktualisiert: 2026-09-03 Fachlich geprüft: 2026-09-04 (Guido Hesse, Hesse Group Holding AG) Version 0.1.0

Die Deckungsbeitragsbasis erfasst die vom Versicherungsnehmer angegebene Bruttogewinnmarge (Bruttogewinn in Prozent des Umsatzes), die der Versicherungssumme einer Betriebsunterbrechungspolice zugrunde liegt – eine in Sach- und BU-Anträgen regelmässig abgefragte Angabe.

Kategorie
Betriebsunterbrechung/Lieferkette · %
Datentyp
Zahl
Risikotreiber
Schadenhöhe, Moral Hazard
Wirkung auf Underwriting
Prämie, Auflage/Obliegenheit

Typische Antragsfragen

  • Wie hoch war die deklarierte Bruttogewinnmarge (Bruttogewinn in Prozent des Umsatzes) in den letzten drei Geschäftsjahren?
  • Wie wird der Bruttogewinn in der Police definiert – Umsatz abzüglich nicht versicherter Betriebskosten, oder Reingewinn plus fixe Kosten?
  • Spiegelt die deklarierte Marge die jüngsten geprüften Jahresabschlüsse sowie ein allfälliges Umsatzwachstum über die Haftzeit wider?

Nachweise

  • Geprüfte Jahresabschlüsse
  • Management-Reporting und Budgetplanung
  • Berechnungsblatt zur Versicherungssumme

Warum relevant für das Underwriting

Die deklarierte Bruttogewinnmarge legt genau fest, was eine Betriebsunterbrechungspolice entschädigen soll. Eine Abweichung zwischen der deklarierten Marge und der tatsächlichen Kosten- und Ertragsstruktur des Versicherungsnehmers ist eine der häufigsten Ursachen für Unterversicherung bei BU-Schäden. Underwriter benötigen die Marge, um zu beurteilen, ob die Versicherungssumme die Exponierung realistisch abbildet, um den maximal wahrscheinlichen Schaden im Verhältnis zum Umsatz einzuschätzen und um die Prämie über Betriebe mit unterschiedlichen Ertragsstrukturen innerhalb derselben Branche konsistent zu vergleichen.

Erfassung und Nachweise

Antragsformulare fragen nach der Bruttogewinnmarge der letzten ein bis drei Geschäftsjahre sowie danach, wie der Versicherungsnehmer den Bruttogewinn in seiner eigenen Rechnungslegung definiert – üblicherweise Umsatz abzüglich nicht versicherter Betriebskosten, oder Reingewinn plus fixe Kosten, entsprechend den Standarddefinitionen der gängigen BU-Bedingungswerke. Underwriter überprüfen die Angabe anhand der geprüften Jahresabschlüsse, des Management-Reportings und des vom Versicherungsnehmer erstellten Berechnungsblatts zur Versicherungssumme und achten darauf, dass historische Geschäftsergebnisse sowie ein allfälliges Wachstum über die Haftzeit korrekt berücksichtigt sind.

Wirkung auf Deckung, Prämie und Bedingungen

Eine klar dokumentierte, plausible und regelmässig anhand aktueller Abschlüsse aktualisierte Marge unterstützt Standardbedingungen und eine faire, vergleichbare Prämie. Eine veraltete, unbelegte oder unplausibel hohe Marge erhöht das Unterversicherungsrisiko und kann im Schadenfall Unterversicherungsklauseln auslösen, einen Zuschlag zur Abdeckung der Berechnungsunsicherheit nach sich ziehen oder eine Bedingung erfordern, wonach vor Erneuerung ein Bestätigungsschreiben des Wirtschaftsprüfers vorzulegen ist.

Massnahmen

Versicherer und Broker empfehlen üblicherweise eine jährliche Überprüfung der deklarierten Marge anhand der aktuellsten geprüften Abschlüsse, die Nutzung einer deklarationsgebundenen oder indexierten Basis, um eine Drift zwischen den Erneuerungen zu vermeiden, sowie die regelmässige Einbindung des Wirtschaftsprüfers des Versicherungsnehmers oder eines spezialisierten Ertragsausfall-Beraters, um sicherzustellen, dass die Berechnungsbasis mit der Weiterentwicklung des Geschäfts Schritt hält.

Normen und Regelwerke

  • ISO 31000:2018 – Risk management, Guidelines