Risikomerkmal

Chemikalienlagerung und -mengen

Von Experten geprüft Aktualisiert: 2026-09-03 Fachlich geprüft: 2026-09-04 (Guido Hesse, Hesse Group Holding AG) Version 0.1.0

Chemikalienlagerung und -mengen erfasst das Spektrum und die Menge der vom Versicherungsnehmer gehandhabten oder gelagerten chemischen Stoffe – eine in Sach- und Umwelthaftpflichtanträgen regelmässig abgefragte Angabe.

Kategorie
Gefahrstoffe
Datentyp
Liste
Risikotreiber
Schadenhöhe, Kumul, Moral Hazard
Wirkung auf Underwriting
Prämie, Sublimite, Auflage/Obliegenheit

Typische Antragsfragen

  • Welche chemischen Stoffe werden am Standort gehandhabt, verarbeitet oder gelagert, und in welchen typischen und maximalen Mengen?
  • Welche dieser Stoffe sind nach GHS/CLP als gefährlich eingestuft (brennbar, toxisch, ätzend, reaktiv, umweltgefährdend)?
  • Wie wird das Chemikalienverzeichnis aktuell gehalten, und wer ist für die Prüfung der Sicherheitsdatenblätter und der Lagerkompatibilität verantwortlich?

Nachweise

  • Chemikalienverzeichnis mit Mengen und Gefahreneinstufung
  • Sicherheitsdatenblätter (SDB) aller gelisteten Stoffe
  • Lagerkompatibilitätsmatrix

Warum relevant für das Underwriting

Ein vollständiges Chemikalienverzeichnis bildet die Grundlage für die Beurteilung von Brand-, Explosions- und Umweltexpositionen bei jedem Industrie- oder Laborrisiko: Dasselbe Gebäude kann je nach vorhandenen Stoffen, deren Mengen und deren Einstufung hinsichtlich Brennbarkeit, Toxizität, Ätzwirkung oder Umweltschädlichkeit von vernachlässigbar bis schwerwiegend gefährlich sein. Underwriter stützen sich auf das Verzeichnis, um inkompatible Lagerkombinationen zu erkennen, Worst-Case-Schadenszenarien zu bemessen und zu bestimmen, welche spezialisierten Deckungserweiterungen oder Ausschlüsse anzuwenden sind.

Erfassung und Nachweise

Antragsformulare verlangen üblicherweise eine Liste der gehandhabten, verarbeiteten oder gelagerten chemischen Stoffe zusammen mit typischen und maximalen Mengen sowie deren GHS/CLP-Gefahreneinstufung. Underwriter gleichen das deklarierte Verzeichnis mit den Sicherheitsdatenblättern der gelisteten Stoffe ab und verlangen bei grösseren oder komplexeren Standorten zusätzlich eine Lagerkompatibilitätsmatrix, die zeigt, wie inkompatible Stoffklassen getrennt werden; auch das Verfahren zur Aktualisierung des Verzeichnisses und die verantwortliche Person werden abgefragt, da ein veraltetes Verzeichnis die Verlässlichkeit der gesamten Deklaration untergräbt.

Wirkung auf Deckung, Prämie und Bedingungen

Ein gut dokumentiertes, aktuelles Verzeichnis mit klarer Gefahreneinstufung und kompatibler Lagerung unterstützt eine Standardbepreisung und einen breiteren Deckungsumfang. Unvollständige oder schlecht gepflegte Verzeichnisse oder das Vorhandensein hochreaktiver, toxischer oder umweltgefährdender Stoffe in erheblicher Menge führen typischerweise zu Prämienzuschlägen, Umwelthaftpflicht-Sublimiten oder Bedingungen zur periodischen Überprüfung des Verzeichnisses; eine nach einem Schaden festgestellte wesentliche Falschdeklaration kann zu Deckungsstreitigkeiten oder Leistungskürzungen führen.

Massnahmen

Empfohlene Massnahmen umfassen die Führung eines einzigen, regelmässig aktualisierten Chemikalienverzeichnisses mit Verknüpfung zu aktuellen Sicherheitsdatenblättern, eine konsistente Einstufung aller Stoffe nach GHS/CLP, die Verwendung einer dokumentierten Lagerkompatibilitätsmatrix zur Vermeidung gefährlicher Kombinationen sowie eine klare Verantwortlichkeit für die Genauigkeit des Verzeichnisses und das Änderungsmanagement bei Einführung neuer Stoffe.