Risikomerkmal

Baugrundrisiko

Von Experten geprüft Aktualisiert: 2026-09-03 Fachlich geprüft: 2026-09-04 (Guido Hesse, Hesse Group Holding AG) Version 0.1.0

Das Baugrundrisiko klassifiziert die geotechnischen und hydrogeologischen Eigenschaften einer Baustelle, etwa Bodentragfähigkeit, Grundwasserspiegel und Hochwasserexposition, wie sie in Anträgen zur Bauwesen- und Montageversicherung deklariert werden.

Kategorie
Bau/Projekt
Datentyp
Auswahl
Risikotreiber
Schadenhöhe, Schadenhäufigkeit
Wirkung auf Underwriting
Prämie, Selbstbehalt, Ausschluss, Auflage/Obliegenheit

Typische Antragsfragen

  • Was ergibt der geotechnische Baugrundbericht hinsichtlich Bodentragfähigkeit, Grundwasserspiegel und Setzungsrisiko?
  • Liegt die Baustelle in einer hochwassergefährdeten, Karst-, Rutsch- oder Setzungszone?
  • Welche Aushubtiefe ist relativ zum natürlichen Grundwasserspiegel und zu benachbarten Fundamenten geplant?

Nachweise

  • Geotechnisches Baugrundgutachten
  • Auszug aus der Gefahrenkarte
  • Grundwassermessdaten

Warum relevant für das Underwriting

Der Baugrund bestimmt weitgehend die Wahrscheinlichkeit fundamentbezogener Schäden wie übermässige Setzungen, Bodensenkungen, Böschungsbrüche oder Wassereintritt während des Aushubs – zu den häufigsten und teuersten Schadenursachen bei Bauprojekten zählend. Die Einstufung eines Standorts als beispielsweise stabiler Fels, weicher alluvialer Boden, Karstgelände oder ausgewiesene Hochwasserzone verändert sowohl die Eintrittswahrscheinlichkeit als auch das Schadenausmass, und sie beeinflusst zudem das Risiko für Nachbarbauten durch Erschütterungen, Wasserhaltung oder durch die Bauarbeiten verursachte Bodenbewegungen. Underwriter benötigen diese Einstufung frühzeitig, da das Baugrundrisiko weitgehend standortgebunden und, anders als viele andere Baurisikofaktoren, nach Wahl des Standorts nicht mehr veränderbar ist.

Erfassung und Nachweise

Antragsformulare bitten die Antragsteller in der Regel um eine Einstufung des Standorts nach vorherrschendem Bodentyp, Grundwassertiefe und bekannter Gefahreneinstufung (Hochwasser, Rutschung, Karst, bergbaubedingte Senkung). Underwriter untermauern die Selbstauskunft mit dem für das Projekt erstellten geotechnischen Baugrundgutachten, einem Auszug aus der amtlichen Gefahrenkarte sowie – falls eine Wasserhaltung geplant ist – mit auf oder nahe der Baustelle erhobenen Grundwassermessdaten.

Wirkung auf Deckung, Prämie und Bedingungen

Günstige Baugrundverhältnisse ermöglichen eine Standardtarifierung, während ungünstige Bedingungen wie hoher Grundwasserstand, weiche Böden oder Hochwasserexposition typischerweise zu erhöhten Selbstbehalten für Wasser- oder Setzungsschäden, Sublimiten für Überschwemmung oder einem spezifischen Ausschluss führen, wo das Risiko nicht angemessen bepreist werden kann. Versicherer verknüpfen die Deckung häufig mit Bedingungen wie einem unabhängigen geotechnischen Überwachungsprogramm, festgelegten Aushub- und Wasserhaltungsmethoden oder einer Obliegenheit zur laufenden Grundwasserüberwachung während kritischer Aushubphasen.

Massnahmen

Bei ungünstigem Baugrund umfassen geeignete Massnahmen eine detaillierte geotechnische Untersuchung vor Abschluss der Planung, bautechnische Lösungen wie Pfahlgründungen, Bodenverbesserung oder Spundwände, eine laufende Grundwasser- und Setzungsüberwachung während des Aushubs sowie die Abstimmung mit den für den Standort vorgesehenen operativen Hochwasserschutzmassnahmen.

Normen und Regelwerke

  • IEC/ISO 31010:2019 – Risk assessment techniques