Klausel

Lohn- und Gehaltsklausel (Payroll)

Von Experten geprüft Aktualisiert: 2026-09-03 Fachlich geprüft: 2026-09-04 (Guido Hesse, Hesse Group Holding AG) Version 0.1.0

Die Payroll-Klausel regelt, in welchem Umfang und für welchen Zeitraum Lohn- und Gehaltskosten nach einem versicherten Sachschaden im Rahmen der Betriebsunterbrechungsversicherung als fortlaufende Kosten ersetzt werden.

Art der Klausel
Definition
Herkunft/Markt
Internationales Programm
Begünstigt
Versicherer
Verhandelbarkeit
Verhandelbar

Zweck

Löhne und Gehälter sind in der Regel ein fixer, in der Betriebsunterbrechungssumme mitversicherter Kostenblock, da Unternehmen ihr Personal nach einem Schaden meist nicht sofort entlassen wollen oder können. Die Payroll-Klausel legt fest, wie diese Personalkosten während der Haftzeit behandelt werden, und bietet dazu unterschiedliche Modelle: die vollständige Einbeziehung aller Löhne in die Bruttogewinn-Deckung, eine zeitlich befristete Kürzung für nicht schlüsselrelevantes Personal (“Ordinary Payroll Limitation”) oder eine gestaffelte Deckung nach dem “Dual-Wages”-Modell.

Wirkung und Grenzen

Beim Dual-Wages-Modell wird eine Anfangsperiode (häufig einige Wochen) mit vollem Lohnersatz von einer Restperiode unterschieden, in der nur ein reduzierter Prozentsatz des Lohns (z.B. 40 Prozent) für die zur Aufrechterhaltung des Kernbetriebs benötigten Mitarbeitenden ersetzt wird. Ziel ist eine Prämienersparnis gegenüber der vollen Lohnversicherung, verbunden mit der Erwartung, dass ein Teil der Belegschaft bei längeren Unterbrechungen freigesetzt wird. In der Praxis zeigt sich jedoch regelmässig, dass dieses Modell den tatsächlichen Personalaufwand bei längeren Schadenfällen nicht vollständig abdeckt, da Schlüsselpersonal oft länger gehalten werden muss als kalkuliert.

Verhandlung und Praxis

Die Wahl zwischen voller Lohnversicherung und Dual-Wages-Modell sollte sich an der tatsächlichen Personalstruktur und den arbeitsrechtlichen Kündigungsmodalitäten im jeweiligen Rechtsraum orientieren, nicht allein an der Prämienersparnis. Bei Wahl des Dual-Wages-Modells ist die Berechnung des Schadens deutlich aufwendiger als bei vollständiger Lohnversicherung, weshalb eine ausreichende Sublimite für Kosten der Schadenaufbereitung (“Claims Preparation”) empfehlenswert ist.