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Risikofinanzierung

Von Experten geprüft 3 Begriffe Aktualisiert: 2026-08-31

Risikofinanzierung: 3 Fachbegriffe kurz erklärt – Definition, Synonyme und gesetzliche Grundlage.

Captive

Synonyme: Eigenversicherer, Captive Insurance Company

Eine Captive ist eine konzerneigene Versicherungs- oder Rückversicherungsgesellschaft, die primär Risiken der eigenen Unternehmensgruppe zeichnet und so den strukturierten Eigenbehalt finanziert.

Zweck und Nutzen

Captives machen Eigenbehalte finanzierbar und planbar: Prämien bleiben in der Gruppe, Schadenverläufe werden über Jahre geglättet, und gute Risikoqualität schlägt sich direkt im Ergebnis nieder. Zudem verschaffen sie Zugang zum Rückversicherungsmarkt und Verhandlungsmacht gegenüber Erstversicherern.

Formen

Verbreitet sind Direct Captives (zeichnen direkt), Reinsurance Captives (hinter einem Fronter) sowie für kleinere Unternehmen Zellstrukturen in Protected-Cell-Companies oder Rent-a-Captive-Lösungen.

Voraussetzungen

Eine Captive lohnt sich bei ausreichendem Prämienvolumen, stabiler Schadenerfahrung und professionellem Risikomanagement. Substanzanforderungen, Governance und Steuerthemen (Ort der tatsächlichen Verwaltung) sind sorgfältig zu strukturieren.

Eigenbehalt (Retention)

Synonyme: Retention, Nettoselbstbehalt

Der Eigenbehalt bezeichnet den Teil des Risikos, den ein Erstversicherer oder ein Unternehmen bewusst auf eigene Rechnung behält, statt ihn zu versichern oder rückzuversichern.

Abgrenzung zum Selbstbehalt

Während der Selbstbehalt die Beteiligung des Versicherungsnehmers an einem versicherten Schaden regelt, beschreibt der Eigenbehalt die strategische Entscheidung, welchen Risikoanteil eine Organisation gar nicht an den (Rück-)Versicherungsmarkt transferiert.

Bedeutung in der Rückversicherung

In der Rückversicherung ist die Retention der Anteil, den der Zedent pro Risiko oder Ereignis selbst trägt – etwa die Priorität in einem Schadenexzedenten-Vertrag oder der Selbstbehaltsanteil in einer Quote. Die Höhe richtet sich nach Kapitalstärke, Zeichnungspolitik und Diversifikation des Portefeuilles.

Steuerungsinstrument

Ein bewusst gesetzter Eigenbehalt senkt Transferkosten und hält Zeichnungsgewinne im Unternehmen. Instrumente wie Captives erlauben es, Eigenbehalte strukturiert zu finanzieren und über mehrere Jahre zu glätten.

Fronting

Synonyme: Fronting-Versicherer

Fronting bezeichnet die Konstruktion, bei der ein lizenzierter Versicherer eine Police ausstellt und das Risiko ganz oder überwiegend an einen anderen Risikoträger – häufig eine Captive – weitergibt.

Warum Fronting?

Captives besitzen oft keine Lizenzen für alle Länder, in denen der Konzern Policen benötigt. Ein Fronter mit lokalen Zulassungen stellt die rechtsgültigen Policen aus, erfüllt lokale Regulierungs- und Steuerpflichten und zediert das Risiko per Rückversicherung an die Captive.

Kosten und Sicherheiten

Der Fronter trägt das Gegenparteirisiko der Captive und verlangt dafür Fronting-Gebühren sowie Sicherheiten (Letters of Credit, Trust-Konten, Prämienrückbehalte). Umfang und Kosten der Kollateralisierung sind zentrale Verhandlungspunkte.

Rechtliche Einordnung

Gegenüber dem Versicherungsnehmer haftet allein der Fronter aus der Police; die Weitergabe an die Captive ist reine Rückversicherung im Innenverhältnis.