Zweitwohnsitz
Zweitwohnsitz erfasst, ob es sich beim versicherten Objekt um eine Ferienwohnung oder eine andere nur teilweise im Jahr genutzte Zweitwohnung handelt, im Unterschied zum Hauptwohnsitz der versicherten Person, was sowohl die Gebäude- als auch die Privathaftpflichtbeurteilung beeinflusst.
- Kategorie
- Privatbereich
- Datentyp
- Ja/Nein
- Risikotreiber
- Schadenhäufigkeit, Schadenhöhe
- Wirkung auf Underwriting
- Prämie, Auflage/Obliegenheit, Ausschluss
Typische Antragsfragen
- Wird das Objekt als Zweit- oder Ferienwohnsitz und nicht als Hauptwohnsitz der versicherten Person genutzt, und wie viele Wochen pro Jahr ist es typischerweise bewohnt?
- Gibt es eine Hauswartung, Nachbarschaft oder Verwaltung, welche das Objekt während längerer Abwesenheiten kontrolliert?
- Muss die Privathaftpflichtversicherung auch Gäste oder Mieter einschliessen, die den Zweitwohnsitz nutzen?
Nachweise
- Nachweis des Hauptwohnsitzes
- Belegungs- und Nutzungserklärung
- Hauswartungs- oder Verwaltungsvereinbarung, falls vorhanden
Warum relevant für das Underwriting
Ein Objekt, das über längere Zeiträume im Jahr leer steht, weist ein deutlich anderes Risikoprofil auf als eine dauerhaft bewohnte Wohnung: Einbrüche bleiben länger unentdeckt, weil niemand ein zerbrochenes Fenster oder eine aufgebrochene Tür bemerkt, Wasserschäden durch ein geborstenes Rohr können wochenlang unbemerkt weiterlaufen und dabei weit grössere Zerstörung anrichten als derselbe Wasseraustritt in einer bewohnten Wohnung, und gewöhnliche Mängel wie ein langsames Dachleck oder ein ausfallendes Gerät, die normalerweise frühzeitig entdeckt würden, entwickeln sich eher zu einem Grossschaden, bevor sie überhaupt auffallen. Underwriter müssen wissen, ob ein Objekt ein Zweitwohnsitz ist, um die Gebäude- und Hausratdeckung entsprechend zu bepreisen, und weil sich auch die Haftpflichtexposition verändert, wenn Gäste, Mieter oder eine Hauswartung ein Objekt nutzen, das die versicherte Person nicht dauerhaft bewohnt, wodurch sich der Kreis der Personen erweitert, deren Handlungen die Haftpflichtpolice abdecken muss.
Erfassung und Nachweise
Antragsformulare fragen, ob das Objekt der Hauptwohnsitz oder ein Zweitwohnsitz der versicherten Person ist, wie viele Wochen pro Jahr es typischerweise bewohnt wird und ob es über längere Zeiträume, etwa eine ganze Winter- oder Sommersaison, vollständig unbeaufsichtigt bleibt. Underwriter überprüfen die Angabe anhand eines Nachweises des Hauptwohnsitzes, einer Belegungs- und Nutzungserklärung, die das typische Nutzungsmuster über das Jahr beschreibt, sowie, falls relevant, Angaben zu einer Hauswartungs- oder Verwaltungsvereinbarung, die während Abwesenheiten regelmässige Kontrollen sicherstellt, da das Vorhandensein oder Fehlen einer solchen Vereinbarung massgeblich beeinflusst, wie schnell ein entstehendes Problem entdeckt würde.
Wirkung auf Deckung, Prämie und Bedingungen
Zweitwohnsitze führen üblicherweise zu einem Prämienzuschlag, der die erweiterte Leerstandsexposition im Vergleich zu einem täglich kontrollierten Hauptwohnsitz widerspiegelt. Versicherer sehen häufig eine Leerstandsklausel vor, welche Wasserschaden- und Einbruchdeckung ausschliesst oder einschränkt, sobald das Objekt eine definierte Anzahl aufeinanderfolgender Tage vollständig leer steht, ausser Bedingungen wie regelmässige Kontrollen durch eine benannte Drittperson oder eine abgestellte Wasserzufuhr sind erfüllt und können im Schadenfall nachgewiesen werden. Die Privathaftpflichtdeckung muss unter Umständen ausdrücklich auf den Standort des Zweitwohnsitzes erweitert werden, insbesondere wenn dieser über eine Kantons- oder Landesgrenze vom Hauptwohnsitz entfernt liegt, da der Standard-Wortlaut nicht immer örtlich unbegrenzt gilt.
Massnahmen
Versicherte reduzieren die Leerstandsexposition, indem sie regelmässige Kontrollen durch eine Hauswartung, Verwaltung oder vertraute Nachbarschaft organisieren und deren Häufigkeit dokumentieren, die Wasserzufuhr vor längeren Abwesenheiten, insbesondere vor dem Winter, abstellen und Leitungen entleeren sowie einen intelligenten Wasserleck-Detektor oder eine Fernüberwachung installieren, wenn das Objekt über längere Zeit unbeaufsichtigt bleibt, damit ein entstehendes Problem einen Alarm auslöst statt erst Wochen später entdeckt zu werden. Eine wahrheitsgemässe Deklaration des tatsächlichen Belegungsmusters bei Vertragsabschluss, aktualisiert bei Nutzungsänderungen, vermeidet Streitigkeiten über die Leerstandsklausel genau dann, wenn ein Schaden beurteilt wird.
Normen und Regelwerke
- ISO 31000:2018 – Risk management, Guidelines