Risikomerkmal

Grundwasser und Wasserhaltung

Von Experten geprüft Aktualisiert: 2026-09-03 Fachlich geprüft: 2026-09-04 (Guido Hesse, Hesse Group Holding AG) Version 0.1.0

Grundwasser und Wasserhaltung erfasst, ob Aushubarbeiten eine aktive Grundwasserabsenkung erfordern und mit welchem Verfahren, wie sie in Anträgen zur Bauwesen- und Montageversicherung deklariert wird.

Kategorie
Bau/Projekt
Datentyp
Ja/Nein
Risikotreiber
Schadenhöhe, Schadenhäufigkeit, Kumul
Wirkung auf Underwriting
Prämie, Selbstbehalt, Auflage/Obliegenheit

Typische Antragsfragen

  • Reicht der Aushub unter den natürlichen Grundwasserspiegel und erfordert er eine aktive Wasserhaltung?
  • Welches Wasserhaltungsverfahren ist geplant (z.B. Vakuumbrunnen, Tiefbrunnen, Spundwandkasten) und für welche Dauer?
  • Wurde die Auswirkung der Wasserhaltung auf den Grundwasserspiegel unter Nachbargebäuden abgeklärt?

Nachweise

  • Wasserhaltungskonzept / Methodenbeschrieb
  • Grundwasserüberwachungskonzept
  • Bewilligung für Grundwasserentnahme/-einleitung

Warum relevant für das Underwriting

Aushubarbeiten, die unter den natürlichen Grundwasserspiegel reichen, erfordern eine aktive Wasserhaltung, um die Baugrube trocken und standsicher zu halten, wobei das gewählte Verfahren ein eigenes Schadenpotenzial mit sich bringt: Ein Ausfall von Pumpen oder Vakuumbrunnen kann zu einer plötzlichen Überflutung der Baugrube führen, während eine anhaltende Grundwasserabsenkung Setzungen bei Nachbargebäuden verursachen kann, die auf demselben Grundwasserleiter gegründet sind. Underwriter behandeln die Wasserhaltung als deutlich risikoreichere Tätigkeit als den trockenen Aushub, da sie eine direkte Bedrohung der Bauleistung mit einer erheblichen Haftpflichtexposition gegenüber Dritten verbindet, die sich oft erst Wochen oder Monate nach Pumpbeginn zeigt, sobald kumulierte Setzungen erkennbar werden.

Erfassung und Nachweise

Antragsformulare fragen, ob der Aushub eine aktive Wasserhaltung erfordert und, falls ja, welches Verfahren zum Einsatz kommt und wie lange gepumpt werden soll. Underwriter prüfen das vom Spezialunternehmer erstellte Wasserhaltungskonzept bzw. den Methodenbeschrieb, das Grundwasserüberwachungskonzept, das beschreibt, wie die Wasserstände während des Pumpens verfolgt werden, sowie die von der zuständigen Wasserbehörde erteilte Bewilligung für Grundwasserentnahme oder -einleitung, die üblicherweise Auflagen zur maximalen Absenkung enthält.

Wirkung auf Deckung, Prämie und Bedingungen

Ist eine Wasserhaltung erforderlich, wenden Versicherer in der Regel einen Prämienzuschlag an und legen häufig einen spezifischen Selbstbehalt für Wassereintritts- oder Setzungsschäden im Zusammenhang mit der Wasserhaltung fest. Übliche Bedingungen umfassen eine Obliegenheit, die Wasserhaltung gemäss genehmigtem Methodenbeschrieb durchzuführen, eine laufende Grundwasserüberwachung mit festgelegten Handlungsschwellen sowie eine Reservepumpenkapazität, um die Wasserhaltung bei Ausfall der Hauptpumpe aufrechtzuerhalten.

Massnahmen

Das Wasserhaltungsrisiko wird gemindert, indem ein Spezialunternehmer mit der Auslegung und dem Betrieb des Systems beauftragt wird, Reservepumpen und eine Notstromversorgung installiert werden, um Unterbrüche zu vermeiden, die Grundwasserstände sowohl in der Baugrube als auch unter Nachbarbauten laufend überwacht werden und die Auflagen der Wasserhaltungsbewilligung mit der Beweissicherung der angrenzenden Gebäude abgestimmt werden.

Normen und Regelwerke

  • IEC/ISO 31010:2019 – Risk assessment techniques