Bauzeit
Die Bauzeit ist die geplante Dauer vom Baubeginn auf der Baustelle bis zur Bauvollendung (sowie gegebenenfalls der anschliessenden Unterhaltsfrist), wie sie in Anträgen zur Bauwesen- und Montageversicherung deklariert wird.
- Kategorie
- Bau/Projekt · Monate
- Datentyp
- Zahl
- Risikotreiber
- Schadenhöhe, Schadenhäufigkeit, Kumul
- Wirkung auf Underwriting
- Prämie, Auflage/Obliegenheit, Ablehnung
Typische Antragsfragen
- Wie lauten das geplante Baubeginndatum und das vertragliche Fertigstellungsdatum?
- Umfasst die deklarierte Bauzeit eine separate Test-/Inbetriebnahmephase und eine Unterhaltsfrist?
- Welche Reserven wurden im Bauprogramm für Witterung, Lieferengpässe oder Bewilligungsverzögerungen eingeplant?
Nachweise
- Bauprogramm / Terminplan (Gantt-Chart)
- Bauvertrag mit Fertigstellungsterminen
- Baubewilligung mit Gültigkeitsdaten
Warum relevant für das Underwriting
Die Bauzeit definiert die Risikodauer einer CAR/EAR-Police, die üblicherweise für eine feste Laufzeit und nicht für einen Jahreszyklus abgeschlossen wird, weshalb ihre Länge die Exposition des Versicherers direkt prägt. Eine längere Bauzeit erhöht die kumulierte Wahrscheinlichkeit, dass ein Wetterereignis, ein Brand oder ein Einsturz irgendwann während der Bauausführung eintritt, und verlängert das Zeitfenster, in dem Liquiditätsdruck, Subunternehmerwechsel oder saisonale Effekte die Baustellendisziplin beeinträchtigen können. Underwriter nutzen die deklarierte Bauzeit zudem, um zu prüfen, ob Versicherungssumme, Preisgleitungsannahmen und Rückversicherungsplatzierung der tatsächlichen Expositionsdauer entsprechen und nicht einem allzu optimistischen Bauprogramm.
Erfassung und Nachweise
Antragsformulare fragen nach dem geplanten Start- und Fertigstellungsdatum, gegebenenfalls unterteilt in Bauphase, Test-/Inbetriebnahmephase und eine vertraglich vereinbarte Unterhaltsfrist. Underwriter überprüfen den deklarierten Zeitplan anhand des Bauprogramms bzw. Terminplans, der Meilensteintermine im Bauvertrag sowie der Gültigkeitsdauer der Baubewilligung, da Bewilligungen häufig vor informell verlängerten Zeitplänen ablaufen.
Wirkung auf Deckung, Prämie und Bedingungen
Die Prämie wird in der Regel für die deklarierte Bauzeit berechnet und bei Verlängerungen anteilig nachverrechnet oder mit einem Zuschlag belegt, da sich das Risiko mit der Zeit kumuliert statt pauschal jährlich anzufallen. Versicherer sehen häufig eine automatische Verlängerungsklausel vor, die eine begrenzte Nachfrist gegen vereinbarten Prämienzuschlag erlaubt; wesentliche Überschreitungen darüber hinaus erfordern eine erneute Risikoprüfung und können zu neu verhandelten Bedingungen oder bei extremen Verzögerungen zur Ablehnung weiterer Deckung führen.
Massnahmen
Bauherren und Unternehmer mindern das Bauzeitrisiko, indem sie realistische Witterungs- und Lieferkettenreserven ins Bauprogramm einplanen, Versicherer frühzeitig über absehbare Verzögerungen informieren, damit eine Verlängerung proaktiv gezeichnet werden kann, und risikoreiche Arbeiten wie Dach- oder Abdichtungsarbeiten so terminieren, dass sie ausserhalb der Haupt-Sturm- oder Hochwassersaison liegen.
Normen und Regelwerke
- ISO 31000:2018 – Risk management, Guidelines