Risikomerkmal

Bausumme

Von Experten geprüft Aktualisiert: 2026-09-03 Fachlich geprüft: 2026-09-04 (Guido Hesse, Hesse Group Holding AG) Version 0.1.0

Die Bausumme ist der gesamte Vertragswert der Bauleistungen, Materialien, Anlagen und Baustelleneinrichtungen, die im Rahmen einer Bauwesen- oder Montageversicherung fertiggestellt werden sollen, und bildet die Grundlage für Prämie und Probable Maximum Loss.

Kategorie
Bau/Projekt · CHF
Datentyp
Zahl
Risikotreiber
Schadenhöhe, Kumul
Wirkung auf Underwriting
Prämie, Sublimite

Typische Antragsfragen

  • Wie hoch ist der gesamte Vertragswert der Bauleistungen inklusive Material, Arbeit, Fracht und Zöllen?
  • Sind vom Bauherrn beigestellte Materialien, Bauhilfsleistungen und Baustelleneinrichtungen in der deklarierten Summe enthalten?
  • Handelt es sich bei der Versicherungssumme um einen festen Endpreis oder unterliegt sie Preisgleitung und Nachträgen?

Nachweise

  • Bauvertrag und Leistungsverzeichnis
  • Kostenvoranschlag oder Ingenieurbestätigung
  • Nachtragsverzeichnis

Warum relevant für das Underwriting

Die Bausumme ist die wichtigste Bemessungsgrösse im Underwriting von Bauwesen- und Montageversicherungen (CAR/EAR): Die Prämie wird üblicherweise als Satz auf diese Summe berechnet, und sie bildet den Ankerpunkt für die Schätzung des Probable Maximum Loss, der wiederum Kapazitäts- und Rückversicherungsentscheide steuert. Da CAR/EAR-Policen vor Kenntnis der tatsächlichen Endkosten auf Basis des fertiggestellten Werts abgeschlossen werden, müssen Underwriter beurteilen, ob die deklarierte Summe den fertigen Bau realistisch abbildet, einschliesslich noch nicht auf der Baustelle angelieferter Materialien. Eine zu tief deklarierte Summe setzt den Versicherer dem Risiko einer Unterversicherungsklausel im Schadenfall aus, eine zu hohe Summe treibt die Prämie ohne Rechtfertigung in die Höhe.

Erfassung und Nachweise

Antragsformulare fragen nach dem vollständigen Vertragswert der Bauleistungen und klären ausdrücklich, ob bauherrenseitig beigestelltes Material, Bauhilfsleistungen, Baustelleneinrichtungen und Honorare eingeschlossen sind. Underwriter gleichen die Deklaration mit dem Bauvertrag, dem Leistungsverzeichnis und bei grösseren Projekten mit einem unabhängigen Kostenvoranschlag oder einer Ingenieurbestätigung ab. Da sich Vertragssummen während der Bauausführung häufig ändern, wird bei Erneuerung oder unterjähriger Anpassung ein Nachtragsverzeichnis geprüft, um sicherzustellen, dass die Versicherungssumme weiterhin den erwarteten Endkosten entspricht.

Wirkung auf Deckung, Prämie und Bedingungen

Die Bausumme bestimmt den Prämiensatz und die Gesamtdeckungssumme und ist zugleich Bezugsgrösse für Sublimiten bei Aufräumungskosten, Honoraren und Beschleunigungskosten, die üblicherweise als Prozentsatz der Versicherungssumme ausgedrückt werden. Eine deutlich zu tiefe Summe kann eine Unterversicherungsklausel auslösen, die Entschädigungen anteilig kürzt; bei mehrjährigen Projekten verlangen Versicherer häufig periodische Summenüberprüfungen oder eine Indexklausel, damit der Wert aktuell bleibt.

Massnahmen

Versicherungsnehmer reduzieren das Bewertungsrisiko, indem sie ein detailliertes, aktuelles Leistungsverzeichnis führen, Versicherer zeitnah über wesentliche Nachträge oder Umfangsänderungen informieren und bei grossen oder langfristigen Projekten eine periodische Neubewertung oder eine indexgebundene Preisgleitklausel vereinbaren, damit die Versicherungssumme bis zur Fertigstellung den tatsächlichen Projektkosten entspricht.