Bauart Rohbau
Die Bauart Rohbau erfasst das primäre Tragwerksmaterial und -verfahren für Rohbau und Gebäudekern (z.B. Stahlbeton, Stahlskelettbau, Holzbau), wie sie in Anträgen zur Bauwesen- und Montageversicherung deklariert wird.
- Kategorie
- Bau/Projekt
- Datentyp
- Text
- Risikotreiber
- Schadenhöhe, Schadenhäufigkeit
- Wirkung auf Underwriting
- Prämie, Auflage/Obliegenheit, Ausschluss
Typische Antragsfragen
- Welches ist das primäre Tragwerksmaterial und -system für Rohbau und Kern (z.B. Stahlbetonskelett, Stahlbau, Holzbau, Mauerwerk)?
- Handelt es sich um eine konventionelle Ortbetonbauweise, Fertigteilbauweise oder vorfabrizierte/modulare Bauweise?
- Kommen innovative oder unkonventionelle Tragwerksverfahren oder -materialien ohne etablierte Schadenerfahrung zum Einsatz?
Nachweise
- Statikpläne und Baubeschrieb
- Statischer Berechnungsbericht des Bauingenieurs
- Baubewilligung mit genehmigtem Tragwerksystem
Warum relevant für das Underwriting
Das für den Rohbau eines Gebäudes gewählte Tragwerksmaterial und -verfahren prägt massgeblich dessen Anfälligkeit für Brand, Einsturz und Witterung während der Bauphase, bevor dauerhafter Brandschutz, Fassade oder Wetterschutz fertiggestellt sind. Ein Stahlbeton- oder Stahlskelettbau verhält sich unter baustellentypischen Gefahren sehr anders als eine Holzkonstruktion, die bis zur Installation von Brandabschottungen und Ausbauten eine deutlich höhere Brandlast und Entflammbarkeit aufweist, während Fertigteil- oder Modulbauweisen Risiko von der Baustelle in ein Werkumfeld verlagern und damit das Expositionsprofil der Bauleistung verändern. Underwriter benötigen diese Angabe, um den Betrieb korrekt zu bepreisen und zu beurteilen, ob das gewählte Verfahren eine etablierte, gut verstandene Schadenerfahrung aufweist oder einen neuartigen Ansatz darstellt, der genauer geprüft werden muss.
Erfassung und Nachweise
Antragsformulare fragen nach dem primären Tragwerksmaterial und -system für Rohbau und Kern sowie danach, ob es sich um eine konventionelle Ortbetonbauweise, Fertigteilbauweise oder vorfabrizierte/modulare Montage handelt. Underwriter überprüfen das deklarierte System anhand der Statikpläne und des Baubeschriebs, des statischen Berechnungsberichts des Bauingenieurs sowie der Baubewilligung, in der das von der zuständigen Baubehörde formell genehmigte Tragwerksystem festgehalten ist.
Wirkung auf Deckung, Prämie und Bedingungen
Konventionelle Stahlbeton- oder Stahlbauten mit etablierter Schadenerfahrung werden standardmässig tarifiert, während brennbare Tragwerksysteme wie Holzbau typischerweise einen Prämienzuschlag und spezifische brandbezogene Bedingungen nach sich ziehen, etwa Einschränkungen bei Heissarbeiten und verstärkte Brandwache-Anforderungen während der Rohbauphase. Wird ein unkonventionelles oder innovatives Tragwerksverfahren vorgeschlagen, können Versicherer zusätzliche Begehungsanforderungen, ein Sublimit für den betroffenen Bauteil oder in seltenen Fällen einen spezifischen Ausschluss bis zur weiteren Risk-Engineering-Abklärung vorsehen.
Massnahmen
Das mit der Bauart des Rohbaus verbundene Risiko wird gemindert, indem ein qualifizierter Bauingenieur die Planung zertifiziert, Erlaubnisverfahren für Heissarbeiten während der empfindlichen Bauphase konsequent eingehalten werden, für brennbare Tragwerke temporäre Brandabschottungen und Baustellenbrandwachen eingerichtet werden und jedes neuartige oder unkonventionelle Bauverfahren vor seiner Anwendung einer unabhängigen statischen Überprüfung unterzogen wird.
Normen und Regelwerke
- IEC/ISO 31010:2019 – Risk assessment techniques