Risikomerkmal

Rückwärtsversicherung Altbestand

Von Experten geprüft Aktualisiert: 2026-09-03 Fachlich geprüft: 2026-09-04 (Guido Hesse, Hesse Group Holding AG) Version 0.1.0

Die Rückwärtsversicherung Altbestand erfasst, ob eine Bauwesen- oder Montageversicherung auch bestehende Gebäude und Anlagen einschliesst, die im Eigentum oder unter Obhut des Bauherrn stehen und auf denen Bauarbeiten ausgeführt werden.

Kategorie
Bau/Projekt
Datentyp
Ja/Nein
Risikotreiber
Schadenhöhe, Kumul
Wirkung auf Underwriting
Prämie, Sublimite, Ausschluss

Typische Antragsfragen

  • Bestehen auf oder neben der Baustelle bereits Gebäude oder Anlagen im Eigentum des Bauherrn, die durch die Bauarbeiten betroffen sein könnten?
  • Wird eine Deckung für diesen Altbestand im Rahmen dieser Police benötigt oder ist er bereits anderweitig versichert?
  • Wie hoch ist der deklarierte Wert des einzuschliessenden Altbestands?

Nachweise

  • Objektverzeichnis des bestehenden Altbestands
  • Bestehende Sachversicherungspolice (zur Prüfung auf Überschneidungen)
  • Lageplan mit Abgrenzung von Neubau und Altbestand

Warum relevant für das Underwriting

Viele Bau- und Umbauprojekte finden auf Grundstücken statt, auf denen der Bauherr bereits Gebäude oder Anlagen besitzt, die weiterhin genutzt werden oder leer stehen, während die Neubauarbeiten laufen. Da die Standardbedingungen der CAR/EAR-Versicherung auf Neubauten ausgerichtet sind, fallen Schäden am Altbestand, die durch die Tätigkeit des Unternehmers verursacht werden – etwa ein von Heissarbeiten übergreifender Brand oder statische Schäden durch Umbauarbeiten – ausserhalb der Grunddeckung, sofern keine ausdrückliche Erweiterung vereinbart wird. Underwriter müssen wissen, ob solcher Altbestand vorhanden ist und ob eine Deckung im Rahmen dieser Police erwartet wird, da eine ungeklärte Lücke den Bauherrn exponiert und im Schadenfall zu Streitigkeiten über die Zuständigkeit der Policen führen kann.

Erfassung und Nachweise

Antragsformulare fragen, ob auf oder neben der Baustelle bestehende, dem Bauherrn gehörende Gebäude oder Anlagen vorhanden sind und ob dafür eine Deckung im Rahmen der CAR/EAR-Police benötigt wird. Underwriter prüfen das Objektverzeichnis, das diesen Altbestand beschreibt, gleichen die bestehende Sachversicherungspolice des Bauherrn auf mögliche Überschneidungen oder Lücken ab und nutzen den Lageplan, um Neubau und Altbestand klar abzugrenzen.

Wirkung auf Deckung, Prämie und Bedingungen

Wird eine Deckung für den Altbestand gewährt, erfolgt dies üblicherweise als separater Abschnitt mit eigenem deklariertem Wert und Sublimit, zusätzlich zum Neubau bepreist, wobei die gedeckten Schadenursachen enger gefasst sein können als für den Neubau selbst. Wird keine Erweiterung gewährt, ist der Altbestand in der Regel ausdrücklich ausgeschlossen, und Versicherer verlangen oft eine Bestätigung, dass während der gesamten Bauzeit eine separate Sachversicherung in Kraft bleibt, um eine Deckungslücke zu vermeiden.

Massnahmen

Bauherren reduzieren das Risiko einer Deckungslücke, indem sie bereits im Antragsverfahren sämtlichen Altbestand auf dem Grundstück klar identifizieren, sich mit ihrem Sachversicherer über die fortlaufende Deckung abstimmen oder eine ausdrückliche Erweiterung im Rahmen der CAR/EAR-Police vereinbaren und sicherstellen, dass Unternehmer bei Heissarbeiten und anderen Tätigkeiten in der Nähe genutzter oder wertvoller Altbauten entsprechende Erlaubnisverfahren einhalten.